Ulrich Bauer-Bornemann ist die Freude und Erleichterung über diesen wesentlichen Fortschritt anzusehen. Der Erste Vorsitzende des "Freundeskreis St. Johannis e.V." strahlt mit dem frischen Weiß der Wände und des Gewölbes um die Wette. Die Gerüste sind in der Johanniskapelle auf dem Oberen Stephansberg gefallen: "Einen solchen Eindruck vom Innenraum hatte man zuletzt vor hundert Jahren", weiß Bauer-Bornemann. Licht und Weite, uneingeschränkte Sicht: Da ist viel passiert in den vergangenen Jahren, um das gotische Kirchlein aus dem 14. Jahrhundert wieder in ein wahres Schmuckstück zu verwandeln.

Als Lagerhaus zweckentfremdet

Architekt Heinz Rosenberg, der auch Zweiter Vorsitzender des Fördervereins ist, berichtet bereitwillig den interessierten Vereinsmitgliedern über die Sanierungsgeschichte. Am Anfang bot die einstige Schatzkammer des Kollegiatsstifts St. Stephan ein Bild des Jammers: Zwischendecken, Trennwände und andere Einbauten durchzogen das Kirchenschiff. Schließlich war die Johanniskapelle fast 200 Jahre lang als Lagerhaus und Wohnstätte zweckentfremdet worden. Unter der Last der vielen, meist wenig fachmännischen Eingriffe hatten sich die Außenmauern verformt. Das Gebäude drohte in sich zusammenzusinken.

Nach Rosenbergs Worten war die statische Sicherung der Kapelle am aufwendigsten. Die Mauern stehen wieder fest, das steile Dach ist neu gedeckt. Innen wurden alle Einbauten entfernt und eine hölzerne Empore errichtet. Ein Anbau bietet Platz für Stuhllager, Teeküche und Toiletten.

Draußen sollen wieder Linden wachsen

In enger Abstimmung mit der Denkmalpflege konnte nun der Innenraum restauriert werden. Besonders eindrucksvoll präsentieren sich die beiden Schlusssteine an ihrem angestammten Platz im Chorgewölbe: Der eine zeigt Kirchenpatron Johannes den Täufer mit einem Lamm, der andere seinen Kopf auf einem Teller.

Jetzt müssen noch der Holzboden verlegt, die Beleuchtung installiert, Teeküche und Toiletten hergerichtet werden. Auch der Hof wird neu gepflastert, und es sollen Linden gepflanzt werden. "Passend zu dem alten Namen der Kapelle St. Johannis Unter den Linden", so Heinz Rosenberg.

Wenn alles zügig vorangeht, soll am Johannistag 2014, dem 24. Juni, die Kapelle als Kulturstätte für Konzerte, Ausstellungen und Lesungen eingeweiht werden, nennt. Dieses ehrgeizige Ziel nennt jedenfalls Bauer-Bornemann. Allerdings wird dann noch ein markantes Zeichen fehlen: "Der Dachreiter muss aus Kostengründen erst noch zurückgestellt werden, das wäre jetzt ein Luxusartikel", sagt der Vereinsvorsitzende.

Viele Förderer und Spender

Mit einem gewissen Stolz weist Bauer-Bornemann darauf hin, dass die bisher veranschlagten Gesamtkosten für die Sanierung von 1,6 Millionen Euro wohl unterschritten werden. Er ist froh über die hohe Förderung durch das Investitionsprogramm des Bundes für nationale Unesco-Welterbestätten. Aber auch Stadt und Freistaat, Landesstiftung, Oberfrankenstiftung, Sponsoren und Spender sind an der Finanzierung beteiligt. 150.000 Euro Eigenmittel haben die 130 Freundeskreis-Mitglieder aufgebracht. Sie werden sich künftig um den Betrieb der Kulturstätte kümmern. "Es gibt schon Anfragen von Künstlern", erklärt Rosenberg. Auch das E.T.A.-Hoffmann-Gymnasium plane, den Raum regelmäßig zu nutzen. Fest stehe außerdem, dass "es keine parteipolitischen Veranstaltungen in St. Johannis geben wird".