"Vater Rhein" und die entsprechenden Skulpturen sind ja bekannt. Und an der Kaskade von Schloss Seehof findet sich auch eine Art "Vater Main". Aber wie wäre es mit einer künstlerischen Neuinterpretation direkt am Fluss in Zapfendorf oder einer "Mutter Itz" in Rattelsdorf? Auch ein "Brüderchen Gründleinsbach" in Hallstadt dürfte es gerne werden.

Bereits im Frühjahr 2015 soll es soweit sein, dass zwölf Sandsteinskulpturen entlang bestehender Radwege an Gewässern in Oberfranken einen neuen Skulpturenweg bilden, den Gewässern sozusagen ein Gesicht geben.

Zur Realisierung der Projekts "Flussgesichter am Obermain" haben sich zwölf Kommunen unter dem Dach des Vereins Flussparadies Franken zusammengetan: Bad Staffelstein, Baunach, Bischberg, Breitengüßbach, Ebensfeld, Gundelsheim, Hallstadt, Kemmern, Litzendorf, Memmelsdorf, Rattelsdorf und Zapfendorf.

Ursprünglich sollte das Projekt ja schon parallel zur Landesgartenschau 2012 laufen. Doch erst nun, nachdem alle Fördertöpfe geklärt sind - es stehen Mittel der europäischen Leader-Förderung, der Oberfrankenstiftung und des bayerischen Kulturfonds, der Kommunen und regionaler Partner zur Verfügung - fiel der Startschuss. In Hallstadt unterzeichneten die Beteiligten einen Vertrag mit dem Bildhauer Albrecht Volk, der die künstlerische Leitung des Vorhabens übernimmt.

Gesucht: zwölf Bildhauer

Seine wichtigste Aufgabe ist ein internationales Künstlersymposium im Sommer kommenden Jahres zu organisieren. Vom 7. bis 25. Juli 2014 werden dann zwölf ausgewählte Künstler - aus aller Welt und aus der Region - in Hallstadt zusammenkommen. Auf einer 3000 Quadratmeter großen Fläche beim Hallstadter Bauhof sollen sie unter den interessierten Augen der Öffentlichkeit ihre Skulpturen aus Sandstein schaffen.

Doch zuvor müssen die Bildhauer noch gefunden werden. Dazu läuft nun auch die Bewerbung. Aus den eingereichten Entwürfen wird eine Jury Ende März 2014 diejenigen auswählen, die am besten den Charakter der Flüsse und Bäche in der Region darstellen. Schließlich werden zwölf eingeladen, um aus Sandsteinen mit einer Größe von etwa zwei bis drei Kubikmetern ihre Modell herauszuarbeiten.

Die während des Symposions entstandenen Figuren sollen schließlich an Radwegen nahe der Flüsse und Bäche aufgestellt werden und so auf die Bedeutung dieser Gewässer für Mensch und Natur aufmerksam machen.

Geplante Standorte sind am Main bei Bad Staffelstein, Ebensfeld, Zapfendorf und Kemmern sowie am Großen See in Breitengüßbach, außerdem an der Itz bei Rattelsdorf, der Baunach bei Baunach, am Gründleinsbach in Hallstadt und an der Regnitz bei Bischberg. Dem Leitenbach sollen gleich zwei Skulpturen - in Gundelsheim und Memmelsdorf gewidmet werden, das Gesicht des Ellernbachs soll in Litzendorf zu finden sein.

Vernetzung der Skulpturenwege

Der neue Skulpturenweg soll somit auch mit den bereits bestehenden in Bamberg, Memmelsdorf/Litzendorf sowie in Lichtenfels vernetzt werden. Die zwölf beteiligten Kommunen verpflichten sich, die installierten Skulpturen zu pflegen und öffentlich zugänglich zu erhalten.

"Die Entwürfe sollen den Charakter der verschiedenen Flüsse und Bäche in der Region widerspiegeln", heißt es in der Ausschreibung. Die Künstler sollen sich dabei mit Fragen beschäftigen wie etwa: Welche Geschichte haben diese Flüsse und die an ihnen lebenden Tiere und Pflanzen zu erzählen, welche Beziehungen haben sie zur Gesellschaft?

"Jedes Gewässer hat einen einzigartigen Charakter - diesen sollen die Figuren darstellen und Ausflügler auf die bedeutenden Natur- und Kulturschätze dieser wunderbaren Landschaft aufmerksam machen", erläutert Anne Schmitt vom Flussparadies Franken. Albrecht Volk sei als Organisator ausgewählt worden, weil er als Künstler in der Region arbeitet und zudem einen großen Erfahrungsschatz für die Organisation von Symposien mitbringe, so Schmitt.

Bereits im Vorfeld der Landesgartenschau 2012 habe man erste Kontakte mit diversen Künstlern geknüpft, die starkes Interesse bekundet haben und nun gezielt angeschrieben würden", führt die Geschäftsführerin des Vereins aus.

Künstler aus der ganzen Welt, beispielsweise aus Indien, Syrien und Russland, aber auch aus Österreich, Italien, Frankreich, Deutschland - und natürlich auch aus der Region Franken erhielten nun die Anfrage für das Symposium im kommenden Sommer in Hallstadt.

"Mich begeistert die Idee, dass sich hier internationale mit regionalen Künstlern begegnen, um drei Wochen lang nebeneinander zu arbeiten", schwärmt Albrecht Volk. "Unser Ziel ist es, Kunst aus der ganzen Welt als Skulpturenweg am Obermain zu installieren."

Moderne Flussgesichter

Die Darstellung von Flusswesen als Sandsteinfiguren hat in Oberfranken eine lange Tradition. Die modernen Flussgesichter sollen allerdings nicht alleine in der Landschaft stehen "Informationstafeln und Fluss-Erlebnisstationen werden den Skulpturenweg informativ ergänzen und ihn auch für Kinder erfahrbar machen", erklärt Nadja Kulpa-Goppert, Managerin der Lokalen Leader-Aktionsgruppen (LAG) für die Region Bamberg. So sollen bereits während des Symposiums Kindergärten und Schulklassen durch eigene künstlerische Wettbewerbe eingebunden werden.