Es war auf die Minute fünf Minuten vor Zwölf, als sich am Samstag fast 100 Pflegekräfte aus Bamberger Pflegeeinrichtungen und Kliniken auf den eisigkalten Boden des Maxplatz legten. Damit schlossen sie sich einem bundesweiten Flashmob an, der von der Initiative "Pflege am Boden" ins Leben gerufen wurde. Die Aktionsteilnehmer des freien Zusammenschlusses von Menschen, die in der Pflegebranche arbeiten und denjenigen, denen das Thema Pflege am Herzen liegt, wollten damit ein öffentliches Zeichen setzen, dass die Pflegesituation in Bamberg einer dringenden Verbesserung bedarf.

162.000 Pflegekräfte fehlen

"Es ist höchste Eisenbahn zu agieren. Denn bereits jetzt fehlen in deutschen Krankenhäusern 162 000 Beschäftigte. Davon allein 70.000 in der Pflege", betonte Christian Ascherl von Verdi-Bezirk Oberfranken-West. Dadurch sei die Arbeitsbelastung der dortigen Beschäftigten mittlerweile unerträglich.

Um dem entgegenzuwirken fordert Verdi, aber auch die Initiative "Pflege am Boden" vehement eine gesetzliche Personalbemessung. Denn eine tragfähige Regelung der Personalstärke in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen könne man nur durch ein entsprechendes Gesetz hinbekommen.

Der Deutsche Evangelische Verband für Altenarbeit und Pflege (DEVAP) beteuerte nach dem Flashmob in Bamberg, dass jeder Mensch ein Recht auf gute Pflege und Betreuung habe. Allerdings könne dies nur mit einer ausreichenden Anzahl an qualifizierten und angemessen bezahltem Personal verwirklicht werden. "Wir fordern daher neben mehr Beschäftigten unter anderem weniger Bürokratie, eine schrittweise Verdoppelung der Leistungen der Pflegekassen bis 2020 sowie eine gesellschaftliche Anerkennung des Pflegeberufs", lautet die Forderung für die Pflegekräfte auf die Straße gingen.

Zudem erwarte der DEVAP von der Politik den Mut, die unangenehme Wahrheit, dass gute Pflege auch gut bezahlt werden müsse, endlich anzunehmen und eine wirkliche Neuausrichtung der Pflege auf den Weg zu bringen.