Die Aufklärungsrate der Polizeiinspektion Bamberg dürfte bei der jährlichen Statistik deutlich nach oben zeigen - zumindest in Sachen Sachbeschädigung an Kraftfahrzeugen. Denn erst kürzlich ist es den Beamten der Ermittlungsgruppe gelungen, eine Serie von 70 Pkw-Sachbeschädigungen aufzuklären.

"In der Regel haben wir in Bamberg zwischen 400 und 500 Sachbeschädigungen an Fahrzeugen zu bearbeiten. Die Aufklärungsrate schwankt dabei zwischen 25,9 Prozent im Jahr 2009 und 19 Prozent im Jahr 2011", berichtet Hauptkommissar Alois Ludwig, Leiter der Bamberger Ermittlungsgruppe. Das sei durchaus eine sehr gute Aufklärungsquote. Denn viele der Sachbeschädigungen an Fahrzeugen wie abgebrochene Spiegel oder zerkratzter Lack würden in Sekundenschnelle quasi beim Vorbeilaufen verübt. Zeugen hierfür gebe es oftmals keine. "Die meisten Beschädigungen erfolgen ohne besonderen Anlass. Die Täter sind einfach nur übermütig oder haben zu viel Alkohol zu sich genommen", erläutert der Hauptkommissar. Nur in seltenen Fällen handelten sie aus Rachegelüsten. So würde es dann schon mal vorkommen, dass ein abgeblitzter Freund das Auto der Angebeteten mutwillig beschädigt.

Beim aktuellen Fall haben mehrere angetrunkene Jugendliche und ein junger Mann in einer einzigen Nacht 70 verschiedene Autos und ein Fahrrad demoliert. "Die vier Personen haben bereits in der Gereuth, wo sie wohnen, viel getrunken und sind dann in die Innenstadt gezogen, wo sie weiter Alkohol konsumierten", lässt Hauptkommissar Gunter Thomas, der das Delikt bearbeitet hat, den Fall Revue passieren.

Auf ihrem Nachhauseweg seien die jungen Männer im Alter zwischen 16 und 20 Jahren dann auf die Idee gekommen, mit einem Schlüssel diverse Autos zu zerkratzen. In der Jägerstraße (Wunderburg) haben sie zusätzlich einen Abfalleimer demoliert. "Diesen Krach hörte ein Anwohner, der umgehend die Polizei rief. Er sah aber nur vier dunkle Gestalten davonrennen", schildert Thomas. Bei ihrer Ankunft stellte die Streife fest, dass nicht nur ein Abfalleimer abgeschlagen, sondern auch sieben Fahrzeuge beschädigt worden waren. Eine sofortige Suche nach den Jugendlichen noch in der Nacht blieb erfolglos. Am nächsten Morgen meldeten sich weitere Geschädigte bei der Polizei. "Wir erkannten sehr schnell, dass es sich bei den Sachbeschädigungen um eine Serie handelte", berichtet der Hauptkommissar.

Glücklicherweise machten die Beamten, die die Sachbeschädigungen vor Ort aufnahmen, am Tatort in der Egelseestraße den abgeschlagenen Flaschenhals einer Wodka-Flasche ausfindig - an ihm fanden sich neben Blut- auch leichte Lackspuren. "Unsere Hoffnung war nun, dass wir mittels einer DNA-Analyse einen der Täter überführen konnten." Und genauso war es dann auch.

Einer der Täter war bereits polizeibekannt und hatte wegen verschiedener anderer, früherer Delikte eine DNA-Probe abgegeben. Dennoch dauerte es fast zwei Wochen, ehe auch die anderen drei Jugendlichen ausfindig gemacht und überführt werden konnten. "Eigentlich ist der Täter, der mittels DNA-Probe ermittelt wurde, bekannt dafür, dass er niemanden verrät. Am Ende aber hat er doch ausgesagt, weil er Angst hatte, allein für den Schaden haften zu müssen", schildert Günter Thomas.

Insgesamt haben die Jugendlichen in einer Nacht einen Gesamtschaden von 72 000 Euro verursacht. Auf dieser Summe werden die Geschädigten letztlich wohl sitzen bleiben, sofern sie keine Vollkaskoversicherung für ihr Auto abgeschlossen haben. Denn von den vier jungen Männern ist derzeit nichts zu holen. Dennoch wartet auf den 20-Jährigen, der mittels der DNA-Probe überführt wurde, eine Haftstrafe. Die drei anderen Jugendlichen dürften mit einer Bewährungsstrafe davon kommen.