"Feuerwehr? Die brauchen wir nicht!" An diesen Satz erinnern sich Simon Klug und Katharina Pellmaier noch jmmer. Er fiel bei einem der ersten Einsätze der First Responder, der Feuerwehr-Sanitäter, der damals neu gegründeten Spezial-Gruppe der Burgwindheimer Feuerwehr. Heute, so ergänzen Holger Dietz, Anna-Lena Ott und Feuerwehrvereins-Vorstand Hans Klug, bekomme man hingegen eher den Vorwurf zu hören, warum die First Responder nicht gekommen waren.

Feuerwehr-Sanitäter sind bei medizinischen Notfällen als Erste vor Ort und bereiten wichtige Maßnahmen vor beziehungsweise leiten sie ein, bis Rettungsdienst und Notarzt vor Ort sind. First Responder ist man nach 72 Stunden Ausbildung (etwa bei der DLRG) und einer umfangreichen Prüfung.

Nach dem Notruf 112 wird von der Integrierten Rettungsleitstelle im äußersten westlichen Landkreis oft die Spezialeinheit der Burgwindheimer Wehr verständigt. Diese First-Responder-Gruppe ist die bisher erste und einzige, die im Landkreis Bamberg agiert und ein Gebiet mit etwa 15 000 Menschen abdeckt.

Im Schnitt haben die First Responder jede Woche knapp zwei Einsätze. Es gibt aber auch Tage, "an denen rücken wir dreimal aus", so Burgwindheims Feuerwehr-Kommandant Simon Klug, der zusammen mit dem damaligen Kommandanten Otmar Neff, Katharina Pellmaier und Volker Hack die Idee für die First Responder hatte und für die Umsetzung kämpfte. Klug und Pellmaier (heute beide 33 Jahre) hatten davor schon einige Jahre bei den Johannitern in Schlüsselfeld Sanitätsdienst gefahren. Auch dabei merkten sie, dass es auf dem Land und speziell im Westen des Landkreises aufgrund der räumlichen Entfernung oft länger dauert, bis Notarzt und Sanitäter nach der Alarmierung vor Ort sind.

Überzeugungsarbeit

Freilich war (und bleibt) die Voraussetzung, dass die ursprünglichen Feuerwehraufgaben - Brandbekämpfung und technische Hilfeleistung - stets gewährleistet sind, so Kommandant Klug. Dennoch, auch den eigenen Feuerwehrverein musste man erst überzeugen. "Viele meinten, die Jugend würde das nicht durchhalten", sagt Katharina Pellmaier rückblickend. Nach drei Jahren Vorbereitungszeit und entsprechenden Schulungen nahmen die ersten fünf First Responder (FP) 2008 den Betrieb auf. Zunächst für eine einjährige Testphase.

Nun hat sich die heute 17 Feuerwehrleute starke Einheit etabliert. Weiterer First-Responder-Nachwuchs steht bereits in den Startlöchern. "Alles funktioniert aber nur, wenn der ganze Verein dahinter steht", merkt Vorsitzender Hans Klug an. Weil die First Responder ihre gesamte Ausstattung und auch Material selbst finanzieren, sind sie auf die finanzjelle Unterstützung des Vereins - und auf Spenden - angewiesen. Denn First-Responder-Einsätze sind für die Nutzer kostenfrei. Allein für Desinfektionsmaterial fallen aber jährlich mehrere Hundert Euro an.

First Responder kommen immer im Zweier-Team, einer meist ein regulärer Feuerwehr-Aktiver (alle Aktiven frischen im Zweijahresturnus ihren Erste-Hilfe-Kurs auf) und der zweite mit FP-Ausbildung. Die kostet 350 Euro und wurde bis 2016 von jedem selbst getragen. Inzwischen hat das die Gemeinde übernommen. Alle zwei Monate üben die FP neue Notfallsituationen. Die Fahrer und Helfer sind hier meist dabei.

Reanimationstraining ist einmal jährlich. Einsätze dauern bis Notarzt und Sanitäter eintreffen und in der Regel rund eine Stunde, wesentlich länger die Nachbereitung, weil Material nachgefüllt, die Ausrüstung gereinigt und desinfiziert, und weil ein Protokoll geschrieben werden muss. Wie bei Arzt und Sanitäter gilt auch für First Responder Schweigepflicht. Bei ihren Einsätzen tragen sie Einsatzhosen und -Stiefel. Helm brauchen sie keinen. Auf den roten Feuerwehr-Sanitäter-Jacken steht "First Responder", auch Sommer- und Wintershirts sowie auf dem Mehrzweckfahrzeug.

Aus Amerika

First Responder wurden erstmals in den 70ern in Amerika eingesetzt, führt Simon Klug aus. Die ersten, die ihm in Bayern in den Sinn kommen sind die First Responder in Unterschleißheim bei München, die geografisch nächstgelegenen in Dormitz (Landkreis Forchheim).

Für Burgwindheims Bürgermeister Heinrich Thaler (CSU) sind die First Responder mittlerweile "unverzichtbar und ein Glücksfall für die Gemeinde". Dank ihres Engagements seien nachweislich auch schon mehrere Leben gerettet worden. Er zollt dieser Gruppe höchsten Respekt auch dafür, dass sich die Freiwilligen in ihrer Freizeit "ständig fort- und weiterbilden".

Burgwindheims Gemeindeoberhaupt hebt aber auch hervor, dass die Marktgemeinde als Sachaufwandsträger der Feuerwehr und auch der First Responder diese mit einem optimalen Einsatzfahrzeug, mit dem sie an alle Brennpunkte gelangen, unterstütze. "Sie fahren mit der modernsten Technik, die es momentan gibt." In ihren über 1000 Einsätzen haben Burgwindheims First Responder eine Vielzahl von Fällen erlebt und so auch viel dazu gelernt. Warum bürden sie sich das alles auf? "Weil es ein gutes Gefühl ist, jemandem zu helfen", sagen Katharina Pellmaier und Simon Klug wie aus einem Mund.

Außer der First-Responder- Mannschaft in Burgwindheim gibt es im Zuständigkeitsbereich von Kreisbrandrat Bernhard Ziegmann, also dem gesamten Landkreis Bamberg, keine weiteren First Responder.

Den Burgwindheimern bescheinigt der Kreisbrandrat eine "stattliche Zahl an Einsätzen". Im westlichen Landkreis sieht er diese "Spezialeinheit" der Feuerwehr gut eingesetzt.

Zusatzausbildung

Ziegmann weiß um die zusätzliche Ausbildung, die für First Responder erforderlich ist. Und ihm ist bewusst, dass deswegen weitere Einsätze sich zu den regulären der Feuerwehr gesellen. Unausgesprochen klingt dabei an, dass er den Wehren eigentlich nicht noch mehr zumuten, ihnen nicht noch mehr aufbürden möchte.

Die Sanitätseinsätze sieht er deswegen bei den Sanitätern gut aufgehoben, außer eben, wenn diese in einem Bereich überlastet sind und Rettungszeiten nicht eingehalten werden können. "Ich würde das keinem aufdrücken wollen."

Ziegmann sieht ein Problem darin, dass First Responder im Gegensatz zu denen in Burgwindheim vermutlich in einem eher engeren Radius eingesetzt werden. Das erhöhe die Wahrscheinlichkeit, bei Einsätzen auf Freunde und Verwandte zu treffen und "das muss man erst verkraften."

Impuls muss kommen

Insgesamt sei er da wohl gespalten. Jedenfalls müsse der Impuls schon von den Gemeinden oder den Wehren selbst kommen, sollten weitere First Responder im Landkreis eingerichtet werden.

Ziegmann sieht aktuell keinen Handlungsbedarf und das Modell nicht auf alle Gemeinden übertragbar. Für Burgwindheim freilich, sei das Modell ausgereift und First Responder in diesem Bereich, dem westlichen Landkreis, "dringend nötig".