Ein Diebstahl auf einer Baustelle sowie eine versuchter und zwei vollendete Betrügereien mit nicht vorhandenen Fahrrädern bringen einen 40-jährigen Handwerksmeister aus dem Landkreis Bamberg für ein Jahr hinter Gittern. Damit hat der einst erfolgreiche Unternehmer und mehrfache Vater nun alles verloren: die Firma, die Frau und die Freiheit.

Im Juli 2017 sieht David K. (Name geändert), irgendwo in Schleswig-Holstein, in den E-Bay-Kleinanzeigen ein gebrauchtes Fahrrad. Die knapp 1000 Euro für den hochwertigen Drahtesel, der neu glatt das Dreifache kostet, hält er für einen "fairen Preis". Er überweist den Betrag und wartet - und wartet, und wartet. Denn der Verkäufer, ein 40-jähriger Mann aus dem Landkreis Bamberg, hat weder das Fahrrad zur Hand, noch hat er den Willen, das Geld zurückzuerstatten. Stattdessen spielt er auf Zeit.

Immer wieder wird der Käufer vertröstet, bis dieser nach drei Wochen des Hin und Her Strafanzeige wegen Betruges erstattet. "Irgendwann hatte ich begriffen, dass ich das Fahrrad niemals sehen würde."

Diesen und noch drei weitere Fälle hatte nun Strafrichter Matthias Schmolke zu verhandeln. Wie man als Zuhörer erfuhr, hatte der Angeklagte es im August 2017 mit einem weiteren Zweirad für rund 600 Euro noch einmal geschafft, einen arglosen Kunden aus Sachsen-Anhalt über den Tisch zu ziehen. Als der Betrogene einen Monat später unter weiblichem Tarnnamen den Betrüger noch einmal "testet", will der "ihr" ein weiteres Fahrrad verkaufen. Jetzt reicht es dem Werkzeugmechaniker aus dem Harz. Ihn ärgere auch, dass er bislang keine Wiedergutmachung des Schadens gesehen habe.

Verräterische DNA-Spur

Bei der Betrugsmasche alleine aber blieb es nicht. Wie die Polizei Bamberg anhand einer DNA-Spur an einem aufgebrochenen Werkzeugschrank feststellen konnte, hatte der Angeklagte bereits im Januar 2017 auf einer Baustelle in der Bamberger Innenstadt einiges mitgehen lassen. Als die Mitarbeiter des Zimmerer-Betriebes zur Arbeit erschienen, fehlten ein Forstner-Bohrer, mit dem besonders große Löcher gebohrt werden, zwei Akku-Bohrschrauber, ein Steckschlüsselsatz und ein Gasnagler, mit dem Nägel und Klammern ins Holz geschossen werden können. Gesamtschaden etwa 1400 Euro.

Wie ein Polizeibeamter erklärte, bestehe zudem der Verdacht auf drei weitere Diebstähle aus einer Baustelle, einem aufgebrochenen Pkw und dem Getränkelager eines Sportvereinsheimes.

Über seinen Rechtsanwalt Christian Barthelmes (Bamberg) räumte der Angeklagte alle Taten ein. Er habe sich ab 2013 in einer Krise befunden, persönlich, familiär, finanziell. Sein einst erfolgreicher Handwerksbetrieb mit mehreren Angestellten sei durch schleppende Zahlung öffentlicher Auftraggeber und "schlechte Mitarbeiter" in eine Schieflage geraten. Er habe dann Crystal Meth genommen, um durchzuhalten. "Ein Geschäftspartner hat mir etwas Weißes auf den Tisch gestreut und gesagt: Das nimmst du, und dann bist du wieder fit." Allerdings hätte ihn das Rauschgift, das er teilweise selbst aus Tschechien geholt habe, komplett aus der Bahn geworfen. Was nicht nur an den Kosten von 100 Euro pro Gramm, also 200 Euro in der Woche, gelegen hätte, sondern auch an den Folgekosten, wie der Besuch in Spielotheken. "Meine Ehe ist nach 18 Jahren in die Brüche gegangen."

Mehrere Verurteilungen

Dazu passten noch weitere Verurteilungen, hauptsächlich wegen Vermögensdelikten, die ab 2015 die Amtsgerichte in Bamberg und Hof beschäftigt hatten. Mehrere Fälle von Betrug und Urkundenfälschung, vorsätzlicher Bankrott sowie Vorenthalten und Veruntreuung von Arbeitsentgelten in 101 Fällen standen zu Buche und ließen Staatsanwalt Johannes Bartsch eine Freiheitsstrafe ohne Bewährung fordern. Auch wenn der Angeklagte sich geständig gezeigt hätte. Der Anklagevertreter hatte zudem noch weitere Ermittlungs- und Strafverfahren im Blick und sprach von "der Spitze des Eisberges". Nur beiläufig klang an, dass der Handwerksmeister aus der Firmenpleite und dem Wirtschaftsstrafverfahren Schulden im sechsstelligen Bereich hat.

Für eine Bewährung sah Richter Schmolke keinen Spielraum. Auch weil der Angeklagte dann bereits die vierte Bewährungsstrafe in den letzten drei Jahren bekommen hätte. "Sämtliche Warnschüsse sind ungehört verhallt." Der angebliche Drogenkonsum, für den es außer den Angaben des Angeklagten keine weiteren Beweise gebe, erkläre und rechtfertige schließlich nicht alles.