"Wie kann man die Finanz- und Wirtschaftskrise in Europa lösen" heißt das Thema des Vortrags- und Diskussionsabends mit Christian Felber, zu dem Attac Bamberg am Freitag, 9. November, um 19.30 Uhr in die Universitätsbuchhandlung Görres einlädt. Der österreichische Attac-Gründer, Finanzexperte und Wiener Lehrbeauftragte ist auch Publizist mehrerer Wirtschaftsbücher, unter anderem Autor des Buches "Retten wir den Euro". Im Vorfeld der Veranstaltung sprach er mit der Lokalredaktion über eine mögliche Euro-Rettung und warum es wenig Sinn mache, Griechenland aus der EU auszuschließen.

Die Eurokrise spitzt sich zu, unterstreicht Christian Felber: "Es ist sprichwörtlich fünf vor zwölf. Zwölf Uhr schlagen wird es spätestens in den nächsten drei bis fünf Jahren." Allerdings, so betont er, sei die Situation nicht völlig aussichtslos. Seines Erachtens gibt es vier mögliche Rettungsoptionen, wie man die Überschuldungssituation der Staaten als Folge der Immobilien- und Bankenkrise in den Griff bekommen könnte. So bestünde beispielsweise die Möglichkeit, die Schulden der schwächeren Länder auf die Stärkeren zu übertragen, sprich die Rettungsschirme. Die zweite Option wäre eine geregelte Staatsinsolvenz. Was zur Folge hätte, dass die Schulden der jeweilig betroffenen Länder einfach gestrichen werden. Und drittens: Die Europäische Zentralbank kauft Staatsanleihen unbegrenzt auf.

"Diese drei Optionen werden den Euro nicht retten können, obwohl sie von den Regierungen praktiziert und diskutiert werden", sagt Felber. Seiner Meinung nach kann die Eurokrise nur durch eine Zurückzahlung der Schulden unter Kontrolle gebracht werden. "Die Summe der Vermögen der persönlichen Haushalte in der EU sind fünfmal so groß wie die Summe aller Staatsschulden", erläutert er. In Deutschland zum Beispiel stünden über zehn Billionen an privaten Haushaltsvermögen rund zwei Billionen Staatsschulden gegenüber. "Konkret heißt das: Mit nur einem Prozent Substanzsteuer auf diese Vermögen könnten wir die Staatsschulden bereits um fünf Prozentpunkte reduzieren."

Steuer für Vermögen

Sein Vorschlag sieht daher vor, dass auf das Vermögen der EU-Oberschicht über zehn Jahre lang eine Steuer in Höhe von ein bis zwei Prozent erhoben und zur Bewältigung der Krise abgegeben werden soll. Zwar würden dadurch die Vermögen der Oberschicht vorübergehend weniger schnell wachsen, dafür könnten aber alle Staatsschulden halbiert werden. "Auch wenn sich die Oberschicht dagegen noch wehrt, wäre es dennoch die Alternative, die am wenigsten Schmerzen verursacht. Denn dadurch würden sie in zehn Jahren zwar zehn Prozent ihres Vermögens verlieren, was aber immer noch besser wäre, als wenn sie die Hälfte beispielsweise durch Inflation verlieren würden", unterstreicht Christian Felber.

Darüber hinaus jedoch müssten in den Krisenländern dringende Konjunktur-Anschubfinanzierungen vorgenommen werden. "Es müssen hier sinnvolle soziale und ökologische Arbeitsplätze geschaffen werden. Mit deren Schaffung würden dann auch die Menschen wieder an das Projekt Europa glauben."

Einen Rausschmiss Griechenlands aus der EU befürwortet der Experte hingegen nicht. Denn es sei zu befürchten, dass Griechenland dabei vom Regen in die Traufe komme. "Es klingt zwar sehr erleichternd, ist aber alles andere als eine Rettung oder Lösung des Problems", betont Felber. Denn Griechenland befände sich nach einer Isolierung aus der EU in einer sofortigen Staatsinsolvenz. Das wiederum hätte zur Folge, dass sein gesamtes Bankensystem zusammenbrechen und verstaatlicht werden würde. Welche Folgen dies dann auf die Wirtschaft hätte, sei nicht vorhersehbar.

Austritt ist keine Lösung

"Zweitens wäre damit Griechenland noch mit keinem Tritt aus der Rezession heraus. Ich befürchte sogar, dass es dem Land nach einem Euro-Austritt noch schlechter gehen würde", so der Publizist. Vergessen werde dürfe auch nicht, dass damit das Projekt Euro zerbrochen wäre. "Und wer glaubt, dass die Euro-Länder durch einen Austritt Griechenlands nichts mehr zahlen müssten, der irrt gewaltig", schildert Felber. Denn Griechenland brauche dann eine gewaltige Anschubfinanzierung. Die entweder in Form von Entwicklungshilfe oder durch eine Art Marshall-Plan durch die Euro-Länder finanziert werden müsste.