"Da sind Kinder drin! Sieben Kinder sind da drin!" Die Sylvanersee-Ranch ist in dichten Qualm gehüllt. "Sieben Kinder!" Eine Verpuffung im Reiterstübchen. Doch wo ist das genau und wie kommt man dort hin? Rauch quillt aus der Halle. Sechs Fahrzeuge der Löschgruppen 4 und 5 der Freiwilligen Feuerwehr stehen dicht gedrängt im und um den Hof des Reitstalls. Mario Pederzolli brieft die Kollegen.

Heute beobachtet der Feuerwehrmann das Geschehen zwar höchst aufmerksam - es handelt sich nur um eine Übung -, doch Anfang und Mitte der 80er Jahre war der Ernstfall vorweg genommen, da hatte es zwei Mal im Gaustadter Reitverein gebrannt. Als junger Feuerwehr-Aktiver war der heute 46-Jährige damals dabei. "Ich habe etliche Fehler gemacht", kann der Brandschutzbeamte der Ständigen Wache mit seiner heutigen Erfahrung souverän eingestehen. Daraus sollen die Jungen lernen können und für den Ernstfall gerüstet sein.

Äußerst sinnvoll

Mit Pferden ist das gar nicht so einfach, kann Markus Mackert hier nur bestätigen. Die Kameraden wüssten da kaum, wie sie sich verhalten sollen, weiß der 31-Jährige, der selbst Pferde hat. Diese ganz spezielle Übung hält er besonders deshalb für äußerst sinnvoll, weil "es hier ja immer mehr Ställe gibt".

Rund 25 Pferde sind derzeit auf der Ranch untergebracht. Damit den wertvollen Tieren nun tatsächlich nichts passiert, sind einige der Reiter, Besitzer und Betreuer vor Ort. So wie Bettina Stradtner, ihr Famlienpferd "Eleisa too little" soll schließlich nicht zu Schaden kommen. Andererseits findet es die Reiterin überaus sinnvoll, den Ernstfall zumindest zu proben.

Remmidemmi als Training

Sie schildert mit Schaudern Ernstfälle, die sie von Erzählungen kennt. Für die Pferde seien Rauch und Remmidemmi auch ein gewisses Training, weil sie im Ernstfall womöglich doch etwas ruhiger bleiben. Die Menschen müssen ruhig bleiben, damit es die Pferde ihnen gleich tun, erklärt Pferdemann Herrmann Thomsen. Freilich werden bei dieser Übung die Pferde nicht herausgetrieben. Zu große Verletzungsgefahr, erklären die Fachleute.

Im einem der Ernstfälle in den 80ern wurden die Pferde aus dem Stall gebracht. Beim zweiten, späteren Brand blieben sie in den Stallungen, da wurden die Dächer gekühlt, ergänzt Mario Pederzolli. Er ist dafür ausgebildet und hat für ein äußerst realistisches Szenario gesorgt: Im Reiterstübchen, in dem sich tatsächlich sieben Kinder und Jugendliche aus dem Stall befinden (und auf ihre "Rettung" warten), zaubert er mit Thaternebel einen dichten Rauch, in der Reithalle hat er eine schier undurchdringbare Wand aus Pyronebel gebaut. "Es ist wirklich sehr schwer, sich hier zurecht zu finden", weiß er aus eigener Erfahrung.

Viele Herausforderungen

Dazu die Enge im Hof des Anwesens, in dem parkende Autos für weitere Herausforderungen sorgen. Keine leichte Aufgabe für Werner Stollberger, Christian Cartus und Heinrich Pfister, die hier zusammen oder abwechselnd als Einsatzleiter gefordert sind.

Thomas Schlauch, der auf der Anlage mehr oder weniger zuhause ist, befürwortet die Übung als besonders sinnvoll, auch um seinen Feuerwehrkameraden für den Ernstfall, "der hoffentlich nicht wieder eintritt", Tipps zu geben. Es geht darum herauszufinden, wie viel wovon gebraucht wird, zeigen die Schilderungen der Einsatzkräfte, die sich vor so manche nicht gekannte Herausforderung gestellt sehen. Wie beim richtigen Einsatz müssen sie eine echte Tür, also das Schloss knacken. "Damit hatten wir vorher eigens die Tür am Tribünen-Trakt versperrt", so Pederzollis. Denn das ist in dieser Situation der einzige Rettungsweg.

Den Nutzen einer solchen Einsatz-Übung im Reitstall kann auch der Chef der Bamberger Tierklinik, Gunnar Burczyk, nur mit Nachdruck bestätigen. Er war zur Zeit des ersten Brands im damaligen Reitverein (heute Sylvanersee Ranch) Vorstand des Vereins gewesen und erinnert sich noch mit Schrecken. Ein Stalltrakt war total niedergebrannt, die Pferde konnten alle rausgetrieben werden, waren aber überall unterwegs. Ein Tier hatte man erst nach zwei Tagen wieder. In Ställen gibt es extrem viel brennbares Material - Holz, Stroh, Heu. Deswegen sei es absolut begrüßenswert, wenn Feuerwehren so ein Objekt und dessen Besonderheiten kennen.