Es ist der Satz, den Yasin T. (Name geändert) an diesem ersten Verhandlungstag vor Gericht noch häufiger sagen wird: "Ich habe immer das gemacht, was mein Onkel mir gesagt hat." Als Erklärung führt er aus: "Es haben alle gesagt, der ist ein Vorbild, schau, was er erreicht hat."

Der Onkel, Sami C. (Name ebenfalls geändert), 32, hat als Immobilienmakler, Transportunternehmer, Imbissbesitzer und Betreiber von insgesamt drei Sonnenstudios gearbeitet. Doch nun arbeiten er und sein 23-jähriger Neffe Yasin T. vorerst nicht - sie sitzen in Untersuchungshaft. Wenn es stimmt, was Staatsanwalt Thomas Förster den beiden bei der Verlesung der Anklageschrift vorwirft, haben sie gemeinschaftlich Sachbeschädigung und schwere Brandstiftung begangen.

Ob das stimmt, versucht nun die Zweite Strafkammer des Bamberger Landgerichts in einem Prozess mit mehreren Verhandlungstagen herauszufinden. Am 7. Dezember 2013 sollen Sami C. und Yasin T. das Sonnenstudio im Ladenzentrum am Babenbergerring mit Hilfe von Benzin in Brand gesteckt haben. Hintergrund: Das Sonnenstudio sei in finanzieller Hinsicht nicht nach den Vorstellungen von Sami C.gelaufen. Um vor der eigentlichen Frist aus dem Pachtvertrag zu kommen, soll Sami C. den Plan gefasst haben, das Studio anzuzünden - um Vandalismus als außerordentlichen Kündigungsgrund anzubringen, wie es in der Anklage heißt.

Falschen Schaden bei der Versicherung gemeldet

Gleichzeitig soll der 32-jährige Angeklagte versucht haben, einen vorgetäuschten Vandalismusschaden bei der Versicherung geltend zu machen. Doch die zahlte nicht, als der Verdacht auf den ehemaligen Solariumsbesitzer selbst fiel.

Der wollte vor Gericht nichts zur Sache selbst sagen - im Gegensatz zu seinem jüngeren Neffen. "Ich habe mir nichts dabei gedacht, als ich rote Farbe kaufen sollte", sagte Yasin T. Doch dann habe er den Auftrag von seinem Onkel bekommen, eben mit dieser roten Farbe im Ladenzentrum am Babenbergerring ein italienisches Restaurant, einen Friseurladen und das Sonnenstudio mit ausländerfeindlichen Sprüchen und obszönen Schmierereien zu besprühen. Wenige Tage später sei der Onkel mit Yasin T. nachts zum Sonnenstudio gefahren, um es anzuzünden. "Ich sollte die Jalousien runter lassen und das Benzin auf den Bänken verschütten", sagte der Neffe. Angezündet habe er das Feuer erst einige Stunden später, nach einem Diskobesuch, von dem ihn der Onkel nachts um halb drei abgeholt habe.

"Ich sollte alte Klamotten anziehen und den Rest des Benzins verschütten. Ich wollte es nicht anzünden, aber er hat gesagt, ich soll es tun. Ich wollte es sogar wieder löschen." Auch einen Stein habe der junge Mann noch auf Druck seines Onkels ins Schaufenster werfen sollen.

"Das hätte ihr Onkel doch auch alles machen können, wenn er dabei war. Warum haben Sie das getan?", fragte Vorsitzender Richter Manfred Schmidt. "Er hat immer erwartet, dass ich ja sage", antwortete Yasin T. Dass es sich in der Tat um Brandstiftung handelte, bestätigte am Ende des ersten Verhandlungstages der Sachverständige Rudolf Treibs. "Die Brandursache war eine willentliche Ausbringung von Ottokraftstoff im Sonnenstudio."