So kurz vor dem Fest am kommenden Sonntag sorgt Erich Sperlein dafür, dass auch rund um die Kirche St. Josef der Arbeiter alles tadellos in Ordnung ist. Der Kirchenpfleger fegt den Vorplatz, begutachtet die Rosenbeete: "Da muss ich noch ausputzen", meint der 70-Jährige kritisch. Schließlich sollen die Wildensorger und die Ehrengäste wie Staatsministerin Melanie Huml, Bürgermeister Christian Lange (CSU) oder Pfarrer Walter Neunhoeffer von St. Stephan einen guten Eindruck bekommen von diesem nunmehr 50 Jahre alten Gotteshaus. Und obendrein wird Wildensorgs prominentester Bürger, Erzbischof emeritus Karl Braun, höchstpersönlich den Pontifikalgottesdienst
mit vier Priestern und zwei Diakonen um 10 Uhr feiern - "aus Sympathie für die Wildensorger", weiß Erich Sperlein.

Er ist froh, dass rechtzeitig zum Jubiläum diese eigentlich typische dörfliche Landkirche in neuem Glanz erstrahlt. Der Chorraum und die Seitenwände wurden frisch gestrichen, vor allem aber einige
Ausstattungsobjekte versetzt und damit ins rechte Licht gerückt - so etwa der Tabernakel und das Ewige Licht. Besonders freut sich der Kirchenpfleger aber darüber, dass Kirchenpatron Sankt Josef einen würdigeren Platz gefunden hat: Die Bronzefigur ist nun für alle Gottesdienstbesucher besser sichtbar und korrespondiert harmonisch mit der heiligen Maria. Beide Figuren wie auch das große, rot und blau emaillierte Kreuz an der Altarrückwand und die glasierten Keramiktafeln der Kreuzwegstationen hat der Künstler Alfred Heller geschaffen.

Ein neues LED-Lichtkonzept und eine neue Liedanzeige vervollständigen die Jubiläumsausgabe der Kirche, die mit etwa 18 000 Euro zu Buche schlägt. Das Erzbischöfliche Bauamt trägt 65 Prozent der Kosten, den Rest muss die Kirchenstiftung als Eigenanteil aufbringen. Das versetzt Diplom-Agraringenieur Sperlein, der in seinem aktiven Berufsleben im Bamberger Amt für Ländliche Entwicklung auch viel mit Finanzen jonglieren musste, nicht in schlaflose Nächte.

Akribische Arbeit hat sich der Kirchenpfleger ebenso damit gemacht, die Geschichte des Wildensorger Gotteshauses für den Jubiläumstag in Bild und Text zusammenzutragen. Sperlein wird um 14 Uhr eine Bildershow präsentieren, und die Zuschauer können in den anschließenden Orgelkonzerten (15 Uhr mit Werner Eichner, 16 Uhr mit Florian Walz) das Erfahrene gedanklich Revue
passieren lassen - bei allem kirchenmusikalischen Hörgenuss. Um 17 Uhr beschließt eine feierliche Vesper mit Schola und Dompfarrer Markus Kohmann als Zelebrant den Festtag.

Bereits um 1835 gab es die ersten zaghaften Bemühungen, eine eigene Kirche entstehen zu lassen. Ein Bürger stellte einen ansehnlichen Geldbetrag für den Bau in Aussicht, und die übrigen Wildensorger fassten den einstimmigen Beschluss, "eifrig Hand- und Fuhrfron" zu leisten. Doch es dauerte noch 130 Jahre, bis 1965 die Grundsteinlegung für den Kirchenbau erfolgen konnte. Der
Wildensorger Architekt Peter Rothmund hatte die Pläne für den Bau erstellt, der auf einem vom Gemeinderat kostenlos zur Verfügung gestellten Grundstück erwuchs.

Nachdem der wuchtige, 25 Meter hohe Turm und das Kircheninnere fertiggestellt waren, benedizierte Generalvikar Heinrich Straub am 23. Juni 1968 den Sakralbau. "Er entstand weitgehend in Eigenleistung der Wildensorger", berichtet Kirchenpfleger Sperlein. Um an diese "großartige Leistung unserer Vorfahren zu erinnern", sei auch aus Dankbarkeit eine Gedenkstele neben dem Hauptportal errichtet worden, die am Sonntag enthüllt werde.

St. Josef der Arbeiter gehört seit 1999 als Filiale zur Dompfarrei. Genau 494 Katholiken leben heute in Wildensorg, die sonntags in ihrer Kirche mit Dompfarrer Kohmann die Messe feiern. Im Laufe des Jahres kommen die Gläubigen auch zu Wortgottesdiensten, Bittgängen oder Prozessionen zusammen. Und dafür, dass stille Beter auch sonst die Kirche betreten können, sorgt Anliegerin Lotte Brendel mit ihrer Familie: Sie schließt morgens das Kirchenportal auf und abends wieder zu.