Sortiert Gott die Verstorbenen im Himmel oder sonst wo nach ihrer Konfession? Gibt es dort die Sektionen katholisch und evangelisch? Kaum vorstellbar.

So werden am katholischen Hochfest Allerheiligen nicht nur die Katholiken die Gräber ihrer Lieben besucht haben. Groß war die Menschenschar, die sich an diesem Feiertag auf dem Weg zum Friedhof an der Hallstadter Straße gemacht hatte. Entgegen der Tendenz unserer Gesellschaft, Trauer und Tod ins Abseits zu drängen.
Katholische wie evangelische Christen, sicher auch Kirchenferne und Nichtgläubige, durchbrachen die übliche Verdrängung. Sie brachten zahllose Blumen und grüne Gebinde, zündeten Kerzen an, die als "Ewiges Licht" in kleinen Laternen auf den Gräbern brennen. Und an die urchristliche Hoffnung erinnern, dass die Toten keineswegs dem Nichts anheimfallen, sondern in einer anderen Existenz weiter leben.

Streng genommen richtet sich das Allerheiligen-Brauchtum auf den Folgetag, nämlich auf das Fest Allerseelen. Dieses ist in der katholischen Kirche der jährliche Gedenktag für alle Verstorbenen, während Allerheiligen das Sammelfest für alle Heiligen ist. Aber Heilige sind - mit Blick auf das Neue Testament - "alle Christen und Christinnen, die in Glaube und Taufe durch Jesus Christus und den Heiligen Geist gnadenhaft Anteil haben an der Heiligkeit Gottes". So die Dogmatik. Vereinfacht ausgedrückt: Die Heiligen, das sind wir alle. Mehr oder weniger also Vorbilder im Glauben.

So wie etwa die 96 Männer und Frauen, die in diesem Jahr als Angehörige der Pfarrei St. Martin verstorben sind. In der morgendlichen Eucharistiefeier am Allerseelentag wurden ihre Namen verlesen. Trauer war hier erlaubt, musste sich nicht leise und zügig abspielen. Ein Segen, den Verstorbenen auf diese Weise noch einmal begegnen zu dürfen.

Eine Begegnung der anderen Art bot der Reformationstag, der für das evangelisch-lutherische Dekanat Bamberg mit einem abendlichen Gottesdienst in der Erlöserkirche gefeiert wurde: als "Dank für die Reformation", wie Dekan Otfried Sperl die Besucher in der vollbesetzten Kirche begrüßte.

Die zahlreichen katholischen Gäste der Feier werden diesen Dank schmerzlich vernommen haben. Gleichwohl durften sie sich hineingenommen wissen in die Zusicherung Sperls, dass "wir in diesem Gottesdienst feiern, dass wir von Gott beschenkt sind. Wir sind ihm recht, wie wir sind". Auch dem Gebet von Pfarrerin Anette Simojoki konnte jeder zustimmen: "Reformiere, erneuere uns hin zu Dir, Jesus Christus."

Kein Theologe auf der Kanzel

Neuland betrat dieses Reformationsfest in Bamberg mit seiner Predigerin. Bisher standen an diesem 31. Oktober Bischöfe und Theologieprofessoren auf der Kanzel. Heuer war es die Katholikin Nora Gomringer, Lyrikerin und derzeit Direktorin des Internationalen Künstlerhauses Villa Concordia, die den zutiefst berührenden Akzent setzte.

In dichter Sprache verstand sie es, dem Geheimnis von Glaube und Kunst in ihrer wechselseitigen Beziehung nachzuspüren. Gomringer philosophierte über ein konkretes Objekt: nämlich über die acht roten hockenden Männer des chinesischen Künstlers Wang Shugang, die Betrachter aus Nah und Fern am Schönleinsplatz fasziniert haben. Es scheine, so die Predigerin, dass diese acht Männer "als Geste der Versenkung zu verstehen sind". Und Gomringer interpretierte: "Mögen wir daran erinnern, dass wir bei uns selbst sein dürfen, weil Gott uns dazu befreit hat."

Ihre dreiteilige Rede war eingebettet in Gemeindegesang, Lesung, Gebete und eine bestechende musikalische Gestaltung. Denn natürlich durfte bei diesem Reformationsfest Johann Sebastian Bach nicht fehlen. Die St. Stephanskantorei, der Kantatenchor der Erlöserkirche, ein Orchester und Gesangssolisten brachten seine Kantate "Wer da glaubet und getauft wird" zu Gehör. Die Leitung hatte Dekanatskantorin Ingrid Kasper. Der Dekanatskantor Martin Wenzel schlug die Orgel.