Kilian aus Weißmain (9) steht am Wasser. In voller Montur: Jeans, feste Schuhe, Jacke, Basecap. Erst vor einigen Minuten ist er mit seiner Familie auf derLandesgartenschau angekommen. Und schon sind Mama und Schwester auf der Toilette verschwunden. Kilian wartet so lange mit seinem Papa am Wasserspielplatz. Ein paar Meter weiter hüpfen gerade zwei etwa gleichaltrige Jungs ins Wasser. Nur in Badehosen. Kilian wirft ihnen einen sehnsüchtigen Blick nach: "Später geh ich auch noch ins Wasser!"

An der "Villa Wunschpunkt" treffe ich Mona (5) und ihre Schwester Sarah (7). Die beiden rotgelockten Mädchen bekommen gerade Papierhüte gebastelt. Der FT von letzter Woche muss dafür herhalten. Zwei Doppelseiten pro Hut - in der Villa stapeln sich die Zeitungen. Die Hüte gefallen den Schwestern, mit mir reden wollen sie aber nicht so gerne. Kein Wunder, wenn sie plötzlich alle Umstehenden beobachten. Hätte ich als Kind auch nicht gemocht. Ob es ihnen hier gefällt? Stummes Nicken, die Oma lacht. Beim Thema Wasserspielplatz reden sie dann doch noch. "Ja, da gehen wir rein", sagen sie. Kleidung zum Wechseln haben sie dabei. Hat die Mama extra eingepackt.

Vor dem Stand von eraffe stehen überall bequeme Liegestühle. Dazu kunterbunte Sitzkissen. Auf eins hat sich gerade Peter aus Memmelsdorf gelegt. Gerade angekommen und schon wieder schlafen legen? Er lacht. Es gefällt ihm hier, aber: "Es wäre schon, wenn das Verhältnis Staudenbeet und Besucher ausgeglichen wäre." Ein Augenzwinkern. Gute gelaunt ist auch seine Frau Doris. Zusammen mit ihren Enkelinnen Guiliana (6) und Chiara (9) sind sie auf die LGS gekommen. Und Besuch aus Oberbayern haben sie auch gleich mitgebracht: Aus Starnberg ist Michael mit seinem Sohn Felix (7) und Freundin Helga angereist. Vier Tage bleiben sie in Bamberg und die Landesgartenschau wollten sie unbedingt sehen. Giuliana und Chiara dösen ein wenig vor sich hin. Kein Wunder - bei dem Wetter. Es ist schwül, Wolken hängen am Himmel. Wer will da schon rumrennen?

Im "Grünen Klassenzimmer" sitzen vier Kinder vor Isabelle und Brigitte an altmodischen Schulbänken und hören zu, wie die FT-Mitarbeiterinnen erklären, wie eine Zeitung entsteht. Überschrift, Zwischenüberschrift, dpa - alles wird erklärt. Nach der Theorie folgt die Praxis. Allerdings nicht aus der Persepektive der Zeitungsmacher, sondern als Interviewpartner.

Der zehnjährige Ivo aus Weil der Stadt (Baden-Würrtemberg) erzählt, dass er schon einiges auf dem Gelände der LGS gesehen hat. Vor allem der Fischpass gefällt mir gut. Und natürlich der Wasserspielplatz: "Den heb' ich mir bis zum Schluss auf, sonst muss ich hier ja nass rumlaufen."

Laura (11) aus Stegaurach ist seit mittlerweile halb 10 mit ihrer Familie hier. "Es gibt nichts, was mir nicht gefällt", sagt sie. Mit der Schule war sie schon mal da und hat den Fischpass angeguckt.

Die Brüder Benedikt (6) und Christoph (9) sind auch schon zum zweiten Mal hier. Die Pödeldorfer Jungs sind heute mit Oma Gundi gekommen, die ein wenig angestrengt aussieht. Kein Wunder: Die beiden sind ziemlich aufgekratzt und kaum auf ihren Stühlen zu halten. Zum Glück ist der "Unterricht" jetzt rum.

Angelika Rumpel ist mit ihrer Familie extra mit dem Zug aus Werneck angereist. Eine knappe Stunde waren sie unterwegs, "und es hat sich gelohnt." Die Landschaftsgestaltung hat sie überzeugt, die Organisation dafür weniger. "Vom Bahnhof hierher - das war eine Tortur" sagt sie. Die Probleme mit Fahrkarte und Buslinie waren nur der Anfang, denn: "Es gibt keine Familientageskarte."

Zwischendrin ein kleiner Stopp an der "Villa Wunschpunkt". Gut 200 Papierhüte haben Kristina Karl und Markus Potzel mittlerweile für die kleinen Besucher gebastelt. Um 11 Uhr waren es noch nur knapp 30.

Seit zehn Minuten ist auch Karin Hamprecht (43) aus Burgebrach da. Und steckt gleich an der ersten Station fest: Kinderspielplatz. Ihre Söhne Gabriel (6) und Valentin (10) klettern und toben, während sie gut gelaunt daneben steht. Einen schnellen Rundgang übers Gelände mussten die beiden aber schon mitmachen. Dabei ist Karin aufgefallen, dass es fast gar keine Mülleimer gibt. "Und Kaffee wäre auch toll", sagt sie lachend.

Aus Priesendorf ist gleich eine ganze Familie angereist: Kirstin Rößler (39), ihre Zwillinge Louis und Leni (7) sowie Schwester Stefanie Räder (29). Alle haben eine Dauerkarte und nutzen sie auch. Kirstin ist mit ihren Kindern bereits zum 19. Mal da, Stefanie kommt immerhin schon auf fünf Besuche. "Das ist wie Urlaub hier", sagt Kirstin und sitzt gemütlich am Wasserspielplatz auf einem Sitzsack. Einziger Nachteil: "Die Toiletten sind einfach zu weit weg. Gerade mit den Kindern ist das schwierig."

Marvin (13) finde ich mit seinen Brüdern Quentin (4) und Colin (7) am Basketballplatz. Während die Kleinen rumrennen, sitzt Marvin am Rand und passt auf die Wasserflaschen auf. Wie oft er mit seiner Dauerkarte schon hier war, weiß er gar nicht mehr, so gut gefällt es ihm. Und obwohl er mehr auf Basketball steht, findet er es schade, dass es keinen Fußballplatz gibt. "Man könnte nur auf der Wiese kicken, aber da sind immer so viele Leute", sagt er und gibt seinem kleinen Bruder das Wasser.

Die lustigste Begegnung des Tages habe ich kurz vor Schluss. Direkt gegenüber von unserem Zelt sitzen vier ältere Damen auf einer Bank und essen Eis. Angela Jaczyn ist aus Leiwitz in Polen gekommen, um ihre Freundin Karin Mäurer in Bamberg zu besuchen. "Seit 65 Jahren sind wir befreundet, seit dem Kindergarten schon", sagt Mäurer. Sie hat zusammen mit Theresia Thoma aus Bamberg eine Dauerkarte und war schon ganz oft hier. Neben ihr sitzt Christa Schierer aus Schlüsselfeld. Sie ist Lehrerin und zum ersten Mal auf der LGS. "Aber ich komme mit meiner vierten Klasse wieder." Die vier Freundinnen fühlen sich wohl, Mäurer schwärmt richtig "Man könnte ein Buch "Alle Herrlichkeit auf Erden" schreiben und dann wäre alles gesagt. Es ist so schön hier." Nur die wenigen Mülleiner, die bemängeln die Damen. Darum sammeln sie auch ganz vorbildlich ihre Eisstiele und Taschentücher in einer kleinen Tüte und nehmen sie mit nach Hause.