Die Vorsitzende des Bürgervereins IV. Distrikt fällt aus allen Wolken, als die FT-Lokalredaktion sich bei ihr meldet. "Ich hab gedacht, ich seh nicht richtig", sagt Gisela Bosch, als sie den Anhang der E-Mail geöffnet hat. Denn was sie sieht, sieht nach Sandkerwa-Festabzeichen aus - die allerdings dieses Jahr ausfällt.
Schnell liegt die Vermutung nahe: Da wollte sich jemand einen Scherz erlauben, oder auf eine gewisse Art der Großveranstaltung nachtrauern. Oder handelt es sich gar um einen Aufruf, aus Trotz zu feiern? Der Bezug ist jedenfalls klar. Denn unter der weiß-roten Aufschrift "Die Kerwa, die es nie gab", steht das Datum der Sandkirchweih für 2017, die dieses Wochenende stattgefunden hätte.

Auf der anderen Seite des "Festabzeichens" liegt ein alter Bekannter am Boden, begraben unter einer Maß Bier. Zwar trägt er einen anderen Helm als im Original, doch sofort ist klar, wer hier gemeint ist. "Den Stadtritter am Boden, das finde ich einfach geschmacklos", sagt Gisela Bosch. Sie fügt hinzu: "Ich finde es unmöglich, Aktionen von uns so auszuschlachten."

Aktionen wie die Absage von Bambergs größter Veranstaltung, der Sandkirchweih. Der Bürgerverein aus dem Sandgebiet, seit Jahrzehnten ehrenamtlicher Organisator, hat dieses Jahr zum ersten Mal aus Kosten- und Sicherheitsgründen den Festbetrieb abgesagt. Derzeit laufen Verhandlungen zwischen den Organisatoren, der Stadt Bamberg und den Wirten im Festgebiet, in denen es um die Zukunft der Kirchweih geht. Zentral ist die Frage: Wie kann ein solides Gesamtpaket geschnürt werden, das das Großereignis ab 2018 für die kommenden Jahrzehnte durchführbar macht?


Keine Ersatzkerwa

Der Bürgerverein jedenfalls hatte sich 2017 dazu alleine nicht mehr in der Lage gesehen. Konsequenz: die Sandkirchweih fällt aus. Auch eine Ersatzkerwa soll am Wochenende in Bamberg nicht stattfinden. Umso mehr ärgert sich Bosch über Aktionen wie die "falschen Festabzeichen". "Wir nehmen das persönlich", sagt sie.
Schließlich sei der eigentliche Sinn und Zweck der Festabzeichen stets gewesen, Geld für die Organisation der Kerwa und den Erhalt der Denkmäler im Sand zu sammeln. "Wie ist das hier? Für was wird hier Geld gesammelt?" In der Tat gestaltet es sich schwierig, herauszufinden, wer hinter der Aktion steckt und was er damit erreichen will.

Aus dem Umfeld des Sandgebiets ist zu vernehmen, dass die roten Abzeichen in einigen Kneipen wohl zum Verkauf angeboten worden sein sollen.
Davon weiß Florian Müller, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbands, allerdings nichts. Auch er erfährt zum ersten Mal durch den FT von den Abzeichen. "Mir hat von den Wirten keiner davon berichtet, mir selbst wurden bisher auch keine zum Kauf angeboten."

Selbst bei der Bamberger Polizei ist man ratlos. "Auch wir kennen nur ein Foto", sagt Sprecherin Silke Gahn.
Unbekannt ist nicht nur der Initiator, sondern auch, wie viele der roten Schildchen in Umlauf sind. Gisela Bosch vom Bürgerverein jedenfalls kündigt an: "Wir wollen das rechtlich prüfen lassen." Zwar war sich der Schöpfer der Festabzeichen offenbar bewusst, dass die "Sandkerwa" ein geschützter Begriff ist, indem er nur das Wort "Kerwa" drucken ließ. Bosch findet aber, dass "die ganze Anmutung" schon sehr an ein echtes Sandkerwa-Festabzeichen erinnere. Sie deutet an: Momentan würden bereits mehrere Verfahren wegen Verstößen gegen die Markenrechte laufen.