Ein Glücksfall ist Hans-Peter Blossfeld für Bamberg. So drückte sich zumindest Bezirkstagspräsident Günther Denzler aus, als er dem "Wissenschaftler von besonderem Format" die Ehrenmedaille des Bezirks Oberfranken in Silber überreichte. Dabei handelt es sich um eine Auszeichnung für Menschen, die sich besonders um Oberfranken verdient gemacht haben. Im Falle Blossfelds genauer gesagt um den Wissenschaftsstandort Oberfranken.

In seiner Laudatio würdigte Denzler vor allem Blossfelds Verdienste beim Aufbau des Nationalen Bildungspanels (kurz: NEPS) und dessen Verankerung in Bamberg. Nicht nur seiner fachlichen Expertise, sondern vor allem auch seiner Persönlichkeit und seinem großen Engagement ist es zu verdanken, dass das Hauptuqartier des NEPS in Bamberg angesiedelt wurde, erklärte der Bezirkstagspräsident.

Beim Nationalen Bildungspanel handelt es sich um die größte sozialwissenschaftliche Untersuchung, die derzeit in Deutschland läuft. Dabei werden Bildungsprozesse und Kompetenzentwicklungen von der frühesten Kindheit bis ins hohe Erwachsenenalter erforscht. Das Ziel dabei ist es, mehr über den Bildungserwerb und seine Folgen zu erfahren und außerdem Bildungsprozesse und -verläufe über die gesamte Lebensspanne hinweg zu analysieren.


Hauptquartier in Bamberg

Ein Netzwerk aus über zwei Dutzend kooperierenden Hochschulen und Forschungseinrichtungen wurde über die Jahre von Bamberg aus aufgebaut und koordiniert. Knapp 200 Menschen arbeiten heute in und mit Bamberg zusammen. Rund 23 Millionen Euro Forschungsmittel werden dem NEPS jährlich vom Bundesministerium für Bildung und Forschung zur Verfügung gestellt. Ein solches wissenschaftliches Großprojekt sei "der Beweis, dass auch außerhalb Münchens exzellente Forschung möglich ist", wie Günther Denzler in seiner Laudatio anerkennend bemerkte.

"In der Fachwelt ist dieses Projekt natürlich bekannt, aber der breiten Öffentlichkeit ist es sicher nicht bewusst, welch herausragende Arbeit hier geleistet wird", erklärte Bezirkstagspräsident weiter. Für seine Verdienste für den Wissenschaftsstandort Oberfranken, vor allem durch das Nationale Bildungspanel, bekam Hans-Peter Blossfeld jetzt die Ehrenmedaille verliehen - und zwar im Rokokosaal des Alten Rathauses, der "schönsten Stube der Stadt Bamberg", wie Andreas Starke (SPD) sich ausdrückte.

Bevor er das Wort an Günther Denzler übergab, fügte der Bamberger Oberbürgermeister noch hinzu, dass besondere Persönlichkeiten ausnahmslos in diesem geschichtsträchtigen Raum empfangen würden.
Die Leitung des NEPS übergab Blossfeld im August letzten Jahres an Hans-Günther Roßbach. Seit September ist er als Professor und Lehrstuhlinhaber der Soziologie am European University Institute (EUI) im italienischen Florenz tätig. Seinen Ruhestand möchte der gebürtige Münchner allerdings hier in Bamberg verbringen.

"Ich fühle mich hier sehr wohl und von daher ist das für mich etwas ganz besonderes", gestand der 58-Jährige am Ende der Rede, mit der er sich für die Auszeichnung bedankte. Von 2002 bis 2012, ein ganzes Jahrzehnt lang, war Blossfeld in Bamberg, an der Otto-Friedrich-Universität, tätig. Bei der Verleihung der Ehrenmedaille freute er sich besonders darüber, dass seine Arbeit auch lokal zur Kenntnis genommen wird.