Die zwei Angeklagten hatten zwischen Oktober 2016 und April 2017 einen regen Rauschgifthandel mit kiloweise Haschisch betrieben. Sogar von einer Großlieferung von immerhin 15 Kilogramm war im Gerichtssaal die Rede.

Der Angeklagte Ibrahim M. (22) und sein 30-jähriger syrischer Landsmann Abdulrahman K. (beide Namen von der Redaktion geändert), besorgten sich über Monate hinweg das Haschisch in handlichen 100 Gramm-Platten in Berlin. Dort sei die Qualität überdurchschnittlich gut gewesen, so Staatsanwalt Stephan Schäl. Mit bis zu 18 Prozent Wirkstoff lag der THC-Anteil weit über den sonst üblichen zehn Prozent. Auch deshalb wurden die "nicht geringen Mengen" immer wieder überschritten. Diese liegen bei Cannabis-Produkten jenseits der 7,5 Gramm.

Mit dem Fernbus fuhren die beiden Asylbewerber, die sich aus ihrer Heimatstadt an der Grenze zum Irak bereits kannten, in die Bundeshauptstadt, weil es dann günstiger gewesen sei, als sich die Haschisch-Päckchen, die immer mehrere hundert Gramm bis zu einem Kilogramm beinhalteten, mit einem Kurier nach Unterfranken liefern zu lassen. Kurioserweise war auch ihr Großhändler an der Spree ein syrischer Asylbewerber, der es dort in Justizkreisen zu zweifelhafter Berühmtheit gebracht hat.

Einen Teil der Drogen rauchten die beiden noch nicht vorbestraften Angeklagten selbst, wie auch ein Gutachten des Rechtsmediziners Peter Betz (Universität Erlangen) anhand einiger Haarproben bestätigte.

Ibrahim M. gab an, dass er bereits seit seinem 13. Lebensjahr Haschisch konsumiere und die Dosis zwischenzeitlich auf fünf bis sechs Joints täglich gesteigert hätte. Den Großteil aber veräußerten sie nach eigenen Angaben im Raum zwischen Bamberg und Schweinfurt und finanzierten dadurch weitere Drogenkäufe - und nicht zuletzt auch die eigene Abhängigkeit. Ihren Kunden übergaben sie die Haschisch-Portionen dann in den eigenen vier Wänden, in öffentlichen Grünanlagen oder an Bahnhöfen.

Aufgeflogen war das Duo, das gemeinsam einkaufte, bei einer Verkehrskontrolle auf dem Autobahnparkplatz "Rotmaintal" auf der Höhe von Neudrossenfeld an der A 70. Dabei fanden die Polizeibeamten im Reisebus eineinhalb Kilogramm des Cannabis-Harzes. Haussuchungen der Drogenspezialisten der Kriminalpolizei in Bayreuth erbrachten zudem rund 7500 Euro Bargeld und eine geringe Menge der berauschenden Substanz. Das Geld sei teilweise aus Haschischgeschäften, teilweise zusammengespart, äußerte sich Abdulrahman K.

Der im wahrsten Sinne des Wortes "schwerste" Vorwurf sind allerdings 15 Kilogramm Haschisch, die Abdulrahman K. nach Bamberg gebracht haben soll. Ein wegen schweren Raubes und gefährlicher Körperverletzung vom Amtsgericht bereits verurteilter Zeuge (17), der aus dem Jugendgefängnis Ebrach vorgeführt worden war, belastete ihn schwer. Und das, obwohl er wegen eines anhängigen Strafverfahrens wegen Betäubungsmitteln die Aussage hätte verweigern können, um sich nicht selbst zu belasten. Allerdings gibt es bislang nur diese Aussage, die wie alle anderen Worte im Gerichtssaal von einem algerischen Dolmetscher aus Bayreuth vom Arabischen ins Deutsche übersetzt wurden und so den Prozess etwas in die Länge zogen.


Vorwürfe eingeräumt

Beide Angeklagten, die seit ihrer Flucht vor dem Bürgerkrieg über die "Balkan-Route" nun drei Jahren in Deutschland leben und seit April 2017 in Hof und Kronach in Untersuchungshaft sitzen, räumten die Vorwürfe größtenteils ein. Nur bei einigen Details wichen sie von der Anklageschrift ab. Es tue ihm leid, dass er das Gast- und Asylrecht missbraucht hätte, erklärte Rechtsanwalt Christian Rudolph (Bamberg) für seinen Mandanten Ibrahim M., der einst als Küchenbauer gearbeitet hatte.

Dessen Mitangeklagter, ein gelernter Koch, sprach mehrfach von einem "großen Fehler", von der eigenen Sucht und den traumatischen Erlebnissen in Syrien, die zwei seiner Geschwister und einem Neffen das Leben gekostet hätten. Er wolle nun sein Leben ändern, eine Drogentherapie beginnen und sich ganz um seine Frau und seine vier kleinen Kinder kümmern.

Am kommenden Montag ab 9 Uhr wird das Verfahren mit weiteren Zeugen fortgesetzt, die trotz der kurzen Frist aus den drei Justizvollzugsanstalten Memmingen, Augsburg und Crailsheim nach Bamberg verbracht werden sollen. Sie sollen nach dem Willen des Rechtsanwaltes Norbert Brandl (Bamberg) klären, ob sein Mandant Abdulrahman K. tatsächlich die ungewöhnlich große Menge von 15 Kilogramm Haschisch besessen haben soll, was dieser vehement bestreitet. Denn davon hängt eine ganze Menge ab. Derweil zieht das Geflecht an Groß-, Zwischen- und Kleinhändlern in der Region noch weitere Kreise, wie der Vorsitzende Richter Manfred Schmidt erklärte. Die nächsten Gerichtsprozesse seien schon in Sicht.