Es funkt im Bamberger Stadtrat. Nach dem Austritt von Daniela Reinfelder aus der CSU-Fraktion und der Erosion der Tscherner-Fraktion hat jetzt auch die Bamberger SPD-Fraktion ihren Skandal. Sabine Sauer, sozialdemokratisches Urgestein und Vorsitzende des Bürgervereins Mitte, verlässt enttäuscht die SPD-Fraktion. Ihrer Fraktion wirft sie Profillosigkeit vor.

Anlass für das Ende einer langjährigen politischen Zusammenarbeit ist der überraschende Wechsel an der Spitze der Partei im Stadtrat. Er ist Anfang Oktober vollzogen worden und war, wie sich schon damals abzeichnete, mit internen Verwerfungen verbunden.

Dass der Haussegen in der Bamberger SPD aber schon länger schief hängt, offenbart sich nun in einem Schreiben, das am Mittwoch an die Spitzen der Fraktion und Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) ging. Darin hat Sabine Sauer, seit 16 Jahren Mitglied der SPD-Fraktion im Stadtrat, ihren Austritt aus der Fraktion für Ende November erklärt. Sauer, hauptberuflich Geschäftsführerin eines Awo-Betreuungsvereins, bleibt aber Mitglied der SPD und will künftig als fraktionslose Stadträtin arbeiten.


Kritik an der Wahl zum neuen Fraktionschef geäußert

"Seit der letzten Stadtratswahl 2008 vermisse ich immer mehr eine eigenständige sozialdemokratische Politik der Fraktion", begründet Sauer ihre Entscheidung, die erst nach langer Überlegung gefallen sei. Kritik äußert Sauer auch an der Wahl von Wolfgang Metzner zum neuen Fraktionschef, eine Entscheidung, die laut Sauer für sie, aber auch für andere SPDler nicht nachvollziehbar gewesen sei: "Wolfgang Metzner, der bereits Mitglied der CSU und Vorsitzender der Jungen Union war, ist in unserer Partei für die Übernahme einer Führungsrolle zu wenig verwurzelt", stellt Sauer fest. Hintergrund: Erst 2010 kam Metzner zur SPD, nachdem er 2008 in die GAL-Stadtratsfraktion gewählt worden war.

Zweifel formuliert Sauer auch an der rechtlichen Zulässigkeit der Wahl. Sie sollte ursprünglich ohne Tagesordnungspunkt erfolgen und war dann mit einer 24-stündigen Ladungsfrist auf den folgenden Tag verschoben worden. Heinz Kuntke, der frühere Fraktionsvorsitzende der SPD, bedauerte den Schritt seiner langjährigen Kollegin. Sauer habe gute Sacharbeit geleistet, auch wenn man gelegentlich unterschiedlicher Auffassung gewesen sei.

Die Vorwürfe, die SPD habe keine eigenständige Linie, seien falsch, sagte Kuntke. Das hervorragende Ergebnis bei der Wiederwahl des Oberbürgermeisters belege, dass die SPD gute Arbeit geleistet habe.
Fraktionschef Wolfgang Metzner erklärte, er stehe hinter der Politik der SPD, fühle sich ihr auf bundes- und kommunalpolitischer Ebene verbunden. In den vergangenen Wochen habe er viel Zustimmung in Fraktion und Partei erfahren. Metzner hatte bei seiner Wahl im Oktober acht Ja-Stimmen erhalten. Die SPD-Fraktion im Bamberger Rathaus hat elf Mitglieder.


Krach auch in der FDP

Zu einem Schlagabtausch kam es in dieser Woche auch in der Bamberger FDP, die ihre einzige Stadträtin, Gaby Seidl (50), verlor. Die Wirtschaftsprüferin erklärte am Dienstag ihren Austritt aus der FDP. Auch sie will allerdings ihr Stadtratsmandat behalten.

Hintergrund für die Entscheidung Seidls sind offenbar unüberbrückbare Meinungsverschiedenheiten zwischen der Bambergerin, die 2005 Matthias Kremer an der Spitze der Partei abgelöst hatte, und dem heutigen Führungspersonal in der FDP, unter anderen dem Ortsvorsitzenden Martin Pöhner und dem Kreisvorsitzenden Jobst Giehler Dabei geht es nicht nur um inhaltliche Fragen, sondern auch um Führungsstil und Vertrauen: "Das ist für mich ein Kindergarten und ich will meine Lebenszeit nicht länger dafür verschwenden", hatte Seidl der FDP Anfang September ins Stammbuch geschrieben. Damals hatten sich die auseinder-strebenden Ansichten auch an der Frage entzündet, wie mit dem Schwarzbau des Citybeach umzugehen sei.

Der Bruch ihrer Stadträtin mit der liberalen Partei hat die Bamberger FDP-Spitze offenbar nicht überrascht: "Frau Seidl hat sich seit ihrem Einzug in den Stadtrat zunehmend von der FDP entfernt und die Einladungen des Kreisverbands wiederholt ausgeschlagen. Die Bamberger Liberalen empfinden den Austritt daher als konsequent", teilen unter anderen Giehler und Pöhner mit. Wenig Verständnis haben sie für die Vorwürfe Seidls. Diese Behauptungen seien absurd: "Die Bamberger FDP hat in den letzten Jahren einen Aufschwung erlebt. Wir erfahren für unsere Sacharbeit viel Zuspruch."