Über zu viel Leerlauf können sich die Schwestern Alina und Theres Gerischer nicht beschweren. Immer wieder öffnet sich die Tür und Kunden kommen in den Unverpackt-Laden in der Luitpoldstraße. Dabei sagt Alina: "Montag ist ein eher ruhiger Tag."

Alles andere als ruhig verlief die Eröffnung im Dezember. Das Interesse war groß, der Laden voll. Das Besondere an "Unverpackt Bamberg": Wer hier einkauft, bringt seine eigenen Gefäße mit und geht dafür ohne Verpackungsmüll nach Hause. Die Waren werden beispielsweise in Gläsern gelagert, zum Selbst-Abfüllen und Wiegen. Um ihre Idee eines Unverpackt-Ladens umzusetzen, hatten die beiden Schwestern erfolgreich auf Crowdfunding gesetzt - also Schwarmfinanzierung aus vielen verschiedenen Quellen.


Neue Herausforderungen

Seit der Eröffnung kümmern sich die Schwestern um alle Belange rund um ihren Laden: "Das war sehr spannend", sagt Theres mit Blick auf die vergangenen Wochen, "aber auch schön. Und anstrengend. Irgendwie alles auf einmal." Sich einzuarbeiten sei die größte Herausforderung gewesen: "Das war alles relativ neu für uns. Ich habe zwar vorher schon mal im Verkauf gearbeitet, aber das für sich selbst zu machen und für alles verantwortlich zu sein, das ist noch einmal eine andere Herausforderung", sagt Alina. Da dauerte das Kassieren und Kaffeezubereiten manchmal etwas länger. "Aber wir sind in den drei Monaten jetzt schon sehr schnell geworden. So langsam wird es Routine."

Die Begeisterung für ihr Projekt ist weiterhin vorhanden und überwiegt die negativen Seiten: "Keine Freizeit mehr zu haben ist schon krass. Wir arbeiten rund um die Uhr und haben auch nur einen freien Tag in der Woche. Die Freiheit, einfach mal draußen spazieren gehen zu können, das fehlt schon. Aber das wird bestimmt auch wieder besser", sagt Alina, denn die beiden wollen sich Verstärkung holen. "Wir wollen demnächst jemanden einstellen. Hier können wir unseren Alltag gut meistern, aber wir können kaum Öffentlichkeitsarbeit machen oder bei Veranstaltungen vor Ort sein."


Mehr als ein Trend?

Der Zuspruch für das Geschäft - auch einige Wochen nach der Eröffnung - zeigt: Plastikmüll zu reduzieren trifft offensichtlich den Nerv eines Teils der Bevölkerung. Doch ist das von Dauer? "Schwer zu sagen. Es ist wirklich sehr im Trend, ich sehe selbst fast jeden Tag im Fernsehen eine Reportage zu diesem Thema. Ich denke aber schon, dass es mehr als das ist. Es darf nicht nur ein Trend sein. Es muss zum Alltag gehören, dass man darauf achtet, wenig Müll zu produzieren", sagt Alina.

Die Kundschaft sei bunt gemischt, aus jeder Generation sei jemand dabei: "Es kommen viele Familien, aber auch alte Menschen, die das von früher kennen und sich freuen, dass es das jetzt wieder gibt." Die Reaktionen seien bis auf wenige Ausnahmen positiv: "Negatives gab es nur ganz, ganz selten."
Auch die Menschen, die die beiden während ihrer Crowdfunding-Aktion aktiv finanziell unterstützt haben, seien begeistert: "Da hat noch keiner gesagt, dass es sich nicht gelohnt hat", sagt Alina.


Neu in der "Prachtstraße"

Angesiedelt haben sich die Gerischer-Schwestern in der Luitpoldstraße. "Da sind wir sehr zufrieden", sagt Theres. Die Bio- und Supermärkte in der Nähe sehen sie als Ergänzung zu ihrem Angebot: "Falls jemand noch etwas braucht, was er bei uns nicht kriegt", sagt Alina.

Über den Unverpackt-Laden als frischen Wind in der Luitpoldstraße freut sich auch die Wirtschaftsförderung der Stadt: "Das zeigt, dass Bamberg jung und zukunftsorientiert ist", sagt Ruth Vollmar, die Leiterin der Abteilung. "Städteplanerisch war die Luitpoldstraße ursprünglich als Prachtstraße und Eingang in die Innenstadt gedacht. Das hatte sie ein bisschen verloren. Wir sind immer froh, wenn es dort Investitionen gibt."

Weiter investieren wollen auch Theres und Alina: "Viele Leute sagen uns, dass man unser Geschäft von außen nicht so gut erkennt", sagt Alina. Eine auffälligere Gestaltung der Fassade des Ladens soll her: "Die Scheiben zu bedrucken und ein Schild anzubringen, muss man beantragen. Die Genehmigung ist schon auf dem Weg zu uns, aber noch nicht angekommen." Auch das Zertifikat, um ihre Produkte mit Biosiegeln auszeichnen zu dürfen, fehlt bisher noch.

An weiteren Ideen mangelt es nicht. Zum Beispiel wollen die beiden gerne Workshops anbieten, wie man selbst Seife oder Putzmittel herstellt. Theres sagt: "Eigentlich haben wir noch sehr viel vor."