Prall, hellgrün und zuckersüß präsentieren sich diese Trauben: "Alle sind gesund, jeder Rebstock hat getragen", freut sich Winzer Martin Bauerschmitt. Nach einem "hervorragenden Jahr für die Reifung" hat der 29-Jährige aus Ziegelanger bei Zeil ein wachsames Auge darauf, dass die freiwilligen Helfer das kostbare Lesegut fachkundig von den Reben schneiden.

"Wir haben ganz neue Scheren, die schneiden wie der Teufel", lacht Gisela Albrecht. Die Bambergerin war schon im vergangenen Jahr bei der Lese des Jungfernweins am Michelsberg dabei. Auch ihr Ehemann Hermann lässt es sich nicht nehmen, wieder mit Hand anzulegen: "Wir trinken nicht nur gerne Wein, wir schneiden auch gerne", begründet das Ehepaar seinen freiwilligen Einsatz. Während die beiden erst die ausgereiften Trauben behutsam umfassen und dann mit einem kräftigen Schnitt von der Rebe lösen, erzählen sie von genießerischen Stunden mit der süffigen Silvaner-Spätlese des Michelsberger Jahrgangs 2011. Zehn Flaschen hätten sie erstanden und etliche davon verschenkt: "Alle sind begeistert von diesem guten Tropfen", schwärmen die Albrechts.

Hansjörg Luther hat sich ebenfalls mit Eimer und Schere bewaffnet. Zügig und doch umsichtig liest er die Trauben. Luther, der Sprecher der Bamberger Weinkieser ist, berichtet von seiner etwa 30-köpfigen Gruppe, die in den vergangenen Monaten eifrig bei der Pflege von Rebstöcken mitgeholfen hat. Da sei es eine Ehrensache, auch bei der eigentlichen Lese dabei zu sein. Schließlich wollen die Weinkieser dazu beitragen, "die Kultur des Weinanbaus in Bamberg wieder zu beleben", erklärt Luther. Er habe schon den Eindruck, dass "die Leute jetzt überwiegend pro Weinberg sind, sie haben sich überzeugen lassen", spielt er auf den umstrittenen Start des Projektes der Landesgartenschau im Kammerathengarten an.

Verein hat sich nicht aufgelöst


"Der Weinberg und die Klosteranlage bleiben Aufgaben", bekundet Christian Ackermann, der zum Förderverein Landesgartenschau gehört. So werde der Verein nicht etwa nach dem Ende des Gartenfestes aufgelöst, sondern kümmere sich weiter um "Nachhaltigkeit". Ackermanns Beitrag besteht unter anderem in der Mithilfe bei der Weinlese: "Erstaunlich, wie ertragreich heuer die Ernte ist", lautet seine erste Bilanz nach stundenlanger Arbeit.

Die Sammelbehälter füllen sich. Winzer Bauerschmitt bringt sie mit dem Traktor zu dem großen Anhänger, hebt sie mit dem Kran in die Höhe und leert sie aus. "Das ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt zum Ernten", weiß der Fachmann. Denn es dürfe nicht nur "nach der Süße, sondern auch nach der Säure geerntet werden." Bis Weihnachten will Bauerschmitt gemeinsam mit der Bürgerspitalstiftung festlegen, was die Flasche Silvaner kosten soll und wie diese vermarktet wird.

Nach getaner Arbeit stärken sich die Weinleser bei einer Brotzeit. Weiterer Lohn der Mühe ist ein Gutschein für einen Bocksbeutel "Silvaner vom Bamberger Michaelsberg 2012". Für den Winzer beginnt am gleichen Tag seine weiterführende Aufgabe: Er maischt das Lesegut ein und presst es über Nacht.