Schluss mit allen Gerüchten und Spekulationen: Namens seiner drei Geschwister und Mit-Geschäftsführer redete Karl-Heinrich Ertl gestern Klartext über die anstehenden Projekte des familiengeführten Unternehmens: Da, wo früher das Reno-Gebäude war, entsteht nun ein Fachmarktzentrum mit dem stark expandierenden, französischen Sportartikel-Allrounder Decathlon im ersten Stock und dem Drogeriemarkt dm im Parterre. Auf Teilen der Park-Fläche westlich davon wird ebenfalls gebaut werden - ein Aldi und ein Rewe-Markt. Gegenüber dann ein Parkhaus mit über 770 Plätzen.

Bereits jetzt gibt es ein Parkplatz-Provisorium gegenüber von Mc Donald's.

Eine von der Firma in Auftrag gegebene Untersuchung mit Kundenbefragung hatte ergeben, dass dem Einkaufszentrum ein Sportartikler, ein Drogeriemarkt und ein Lebensmittelmarkt "schmerzlich fehlen". Mit dem französischen Sportartikel-Hersteller und Produzenten Decathlon hatte Ertl vor zwei Jahren Kontakt aufgenommen. Der Mietvertrag wurde vor einem Jahr geschlossen.

Die Ertl-Bauvorhaben sollen das Sortiment rund machen. Die Kombination Einkaufszentrum und Fachmarktzentrum bezeichnete Karl-Heinrich Ertl als "tolle Ergänzung" und zukunftsfähig. "So was gibt es in ganz Deutschland nicht und noch dazu nicht konzern-, sondern familiengeführt.
Damit könne man sich dem Internethandel stellen. Allerdings merkte er auch an, es ein Riesenstück Arbeit, mehrere Bauprojekte gleichzeitig zu bedienen.

Decathlon plant, nach Fertigstellung des Gebäudes noch zum Jahresende einzuziehen und wird rund 2200 Quadratmeter im ersten Obergeschoss belegen. Stolz sind die Ertl-Geschäftsführer darauf, hier mit einem Unternehmen zu kooperieren, das weltweit 1300 Filialen betreibt, davon 38 in Deutschland. Hallstadt gehört zu den acht weiteren, die in diesem Jahr etabliert werden. Es entstehen 30 Arbeitsplätze.

Im Erdgeschoss wird im Januar der Drogeriemarkt dm folgen. Es gilt aber auch, hier noch weitere Mieter zu finden. Baubeginn für Aldi- und Rewe-Markt mit jeweils 3000 Quadratmetern Fläche soll noch Ende diesen Jahres sein.


Spatenstich in drei Wochen

Den Spatenstich für das Parkhaus wollen die Ertl-Geschwister indes schon in etwa drei Wochen vollziehen. Ein Verkehrsgutachten habe zutage gebracht, dass sich die Verkehrssituation durch die verschiedenen Zu- und Abfahrten des Parkhauses entspannen wird. Bereits genutzt wird das befestigte Parkprovisorium. Für die genannten Projekte wird das Familienunternehmen einen achtstelligen Euro-Betrag in die Hand nehmen, wie der Fränkische Tag auf Nachfrage erfuhr.


Die Familie Ertl konnte nach langen Vorbereitungen und Verhandlungen gestern den Schritt an die Öffentlichkeit wagen. Grund für den gewählten Zeitpunkt ist, dass die Änderung des Bebauungsplanes, auf dem die Vorhaben fußen, nun Rechtskraft erlangt hat. Es ging schließlich auch darum, Lösungen zu finden, die für Bamberg und Hallstadt "verträglich" sind.

Karl-Heinrich Ertl, der auch namens der weiteren Geschäftsführer, also den Geschwistern Gabriele, Ulli und Werner sprach, hob deutlich hervor, dass man eigentlich schon vor rund 20 Jahren Erweiterungspläne hatte, die bis zum nunmehr vierten Projekt immer weiter abgespeckt wurden und man nun unter dem Strich auf insgesamt 8000 Quadratmeter Verkaufsfläche verzichtete. Die Erweiterung und Arrondierung nannte Ertl deswegen notwendig, um dem Online-Handel und Internet Paroli zu bieten.

2018 werden alle Vorhaben zur Ertl-Erweiterung umgesetzt sein. "20 Jahre nach den ersten Bemühungen ist man am Ziel angelangt", merkte Ertl durchaus süffisant an und "vor 20 Jahren hätten wir was ganz anderes auf die Beine gestellt".
Freilich sei es schon ärgerlich gewesen, dass ein Bebauungsplan zweieinhalb Jahre dauert. Aufgrund der komplexen Lage hatte es gedauert, bis die Vorhaben auch mit der Regierung abgestimmt waren. Ertl dankte hier auch ausdrücklich der Stadt Hallstadt für deren Unterstützung. Von Decathlon-Expansionsmanager Steffen Böhm, der auch die künftige Hallstadter Filialleiterin Vanessa Henning mitgebracht hatte, war zu erfahren, dass die Gewerbesteuer der Stadt Hallstadt zugute kommt.


Pionier auf extrem grüner Wiese

Karl-Heinrich Ertl versäumte nicht auf die langjährige Ertl-Firmentradition in Bayerns zweitgrößtem zusammenhängenden Gewerbegebiet hinzuweisen. Karl-Heinz Ertl hatte als Pionier auf der damals "extrem grünen Wiese" seine Kinder firmentechnisch ins Boot genommen. Er habe alle Kinder überzeugt, den gleichen Weg zu gehen.
Die junge Generation wolle mit den aktuellen Vorhaben zeigen, "was in uns steckt und das Ganze rund machen". Ertl zeigt sich überzeugt, man habe hier etwas geschafft, das der ganzen Region Aufrieb gibt.