Ob es nun an der bevorstehenden Kommunalwahl lag oder an der gerüchteweise verbreiteten Nachricht, dass es in der Stadtverwaltung zu mindestens einem Fall von Unterschlagung öffentlicher Gelder gekommen sein soll? Jedenfalls verfolgten Zuhörer in ungewöhnlich großer Zahl die jüngste Zusammenkunft des Stadtparlaments. Allerdings kam es dabei weder zu verbalen Auseinandersetzungen noch zu Informationen über fehlende Gelder in der Stadtkasse. "Ich sage dazu weiter nichts", lautete die eindeutige Aussage von Bürgermeister Franz Zenk nach der Zusammenkunft. Und auch die Stadträte dürften sich an diese Vorgabe zu halten haben, wie eine Nachfrage bei verschiedenen Fraktionen ergab.

So bitter die Angelegenheit für Bürgermeister Franz Zenk (CSU) auch sein mag: "Aufklärung ist notwendig und Schaden wieder gut zu machen", lautet seine Prämisse. Nähere Informationen über das Geschehen gibt Zenk nicht, dafür einige allgemeine. Der Bayerische Kommunale Prüfungsverband (BKPV) habe die Unterlagen der Stadtverwaltung für den Zeitraum der Jahre 2010 bis 2012 geprüft und dabei "Unregelmäßigkeiten" festgestellt, die zunächst nicht aufgeklärt werden konnten. Darauf hin seien das Landratsamt Bamberg als Rechtsaufsichtsbehörde und die Versicherung informiert worden. Ferner wurde bei der Polizei Anzeige erstattet. Unterrichtet worden sei ferner laut Zenk der für Personalangelegenheiten zuständige Hauptausschuss des Stadtrates.

Aber über was? Darüber gibt es leider nur spärliche Informationen.Der betroffene Mitarbeiter respektive die Mitarbeiterin soll im Verlauf der Kassenprüfung dem Bürgermeister eine Geld-Unterschlagung gebeichtet haben. Über mehrere Jahre hinweg nicht an die Stadtkasse abgeführte Einnahmen summierten sich dem Vernehmen nach auf rund 12 000 Euro. Eine Zahl, die amtlich weder bestätigt noch dementiert wird. Aus verschiedenen, nicht näher bekannten Gründen verzichtete die Stadt auf eine fristlose Kündigung, das Arbeitsverhältnis ist zwischenzeitlich allerdings beendet. Inwieweit der Fehlbetrag inzwischen beglichen ist, ist nicht bekannt. Keine näheren Informationen gibt es auch zu einer angeblichen weiteren Ungereimtheit in der Stadtverwaltung. Auf eine entsprechende Anfrage des FT im vergangenen Jahr hatte es keine Informationen dazu gegeben. Bei der Kommunalaufsicht am Landratsamt ist der Fall inzwischen bekannt, lässt Oberregierungsrätin Birgit Ramming-Scholz wissen. Nähere Einzelheiten teilt sie nicht mit .

Eingeschaltet wurde offenbar schon vor einem halben Jahr die Polizei, wie Pressesprecherin Anne Höfer wissen lässt. "Im August 2013 erstattete die Stadt Scheßlitz von sich aus über den Ersten Bürgermeister Strafanzeige gegen Mitarbeiter der Verwaltung, unter anderem wegen Untreue. Zugrunde liegend waren Feststellungen des Kommunalen Prüfungsverbandes über Unregelmäßigkeiten. Das Fachkommissariat der Kripo Bamberg und die Staatsanwaltschaft Bamberg haben dazu die Ermittlungen aufgenommen. Ein weiterer Bürger hat ebenfalls Strafanzeige wegen Untreue gegen einzelne Mitarbeiter der Stadtverwaltung erstattet. Um die Ermittlungen nicht zu gefährden, können keine weiteren Einzelheiten bekannt gegeben werden. Die Ermittlungen werden noch einige Zeit in Anspruch nehmen". So weit die Polizei.

Bürgermeister Franz Zenk warnt indes vor voreiligen Schlüssen. "Nachdem die Kommunalwahlen anstehen, fühlen sich einige offenbar kompetent, sofort die Zusammenhänge zu erkennen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung zu verdächtigen". Er lege Wert darauf, so Zenk weiter, dass im Rathaus jahrzehntelang korrekt gearbeitet worden sei und ähnliche Vorwürfe niemals hätten erhoben werden können. Gerade deshalb seien alle Beteiligten an einer raschen und umfassenden Aufklärung interessiert.