Das selbst gemischte Kanonenpulver, das hatte richtig Wumms. Viel mehr als normales Schwarzpulver - so viel mehr, dass es einmal eine Kanone zerrissen hat. "Das war aber nicht unsere Schuld. Wir wussten, dass man die Kanone nicht bis zum ,Stopfring' damit vollmachen darf", sagt Rudolf Herold und schiebt ein Schwarz-Weiß-Foto über den Tisch.

Ihm gegenüber neigt sich Student Tilmann Bruhn nach vorne und betrachtet das Foto, auf dem drei Männer um eine Kanone stehen. Es ist ein Foto, das seinen Besitzer an die 1950er Jahre erinnert. Und an die Altenburg. Deswegen hat es Rudolf Herold, der heute 82 Jahre alt ist, mitgebracht, in den Seminarraum des Stadtarchivs.
Hier warten Studierende der Universität Würzburg um Seminarleiterin Stefanie Menke gespannt darauf, was Bamberger an Altenburg-Erinnerungsstücken vorbei bringen. Die Idee: Objekte für ein Altenburg-Museum finden.

Die Konzeption der Ausstellung übernehmen die Museologie-Studierenden aus Würzburg, über eine Dauer von zwei Semestern arbeiten sie am "Ausstellungsprojekt Altenburg - wie stellt man eine Burg aus?", so der Arbeitstitel.
Aber warum überhaupt ein Museum? "Wir haben auf der Altenburg nicht viele Möglichkeiten, Besuchern etwas zu zeigen - außer den Turm", sagt Gerd Urbanski, Geschäftsführer des Altenburgvereins. In so manche Räumlichkeit komme man nur mit Führung. Ein Museum, in dem Gemälde, Rüstungen und Schriftstücke aus der Galerie ausgestellt werden könnten, das wäre doch was.

Platz gäbe es auf der Altenburg auf jeden Fall: Im Torhaus sind etwa vier Zimmer mit einer Fläche von insgesamt etwa 100 Quadratmetern frei. Die Räume wurden für 75.000 Euro saniert und sind nun bereit für eine Idee, die fast zehn Jahre alt ist. So lange denke man schon über ein Altenburgmuseum nach, sagt Urbanski.
"Wir mussten warten, bis die Finanzierung der Gesamtplanung klar war." Urbanski spricht von der Mauersanierung oder dem Notausgang der Burg. "Wir haben das Museum gleich mit geplant, weil wir wussten, dass wir das wollen."

Über Regina Hanemann, Direktorin der Museen der Stadt Bamberg, kam der Kontakt zu den Würzburger Museologie-Studierenden zustande. Dass diese sich nun um die Ausstellung kümmern, die im Oktober eröffnet werden soll, begeistert den Geschäftsführer des Altenburgvereins.

Wie sieht dieses "Kümmern" denn aus? "Wir wollen herausfinden, wie die Altenburg von den Bambergern wahrgenommen wird, welche Bedeutung sie für die Menschen hat", erläutert Seminarleiterin Stefanie Menke. Interessant seien dabei auch Gegenstände, die manchem vielleicht auf den ersten Blick nicht unbedingt "museumswürdig" vorkämen. "Vielleicht Bierkrüge mit der Altenburg, Fotos, Postkarten oder auch mal ein kitschiger Andenkenteller."

Den hat der 82-jährige Rudolf Herold zwar nicht mitgebracht, dafür aber Fotos der Altenburg-Bären oder der Kanone, mit der er als junger Mann geschossen hat. "Wir haben von 1950 bis 1953 um 24 Uhr auf der Altenburg das Neujahr angeschossen", sagt er.

Damals hätten er und seine Freunde beim Altenburgverein nachgefragt, ob sie mit einer Kanone schießen dürften. "Wir haben die kleinste zur Verfügung gestellt bekommen. Die haben wir dann an Seilen hoch gezogen und später wieder runter, damals gab's ja noch kein Auto", erzählt der Bamberger.

Konfetti statt Schwarzpulver

Aber nicht nur auf der Altenburg war die Kanone im Einsatz: Bei einer Faschingsveranstaltung spuckte sie beim Auftritt des Prinzen Konfetti und Luftschlangen. "Auch damals, als es in Bamberg noch keinen Faschingsumzug gab, sondern eher ein wildes Treiben, haben wir die Kanone auf einen Wagen gestellt - und selber gezogen", erzählt Rudolf Herold. Auch hier durfte sie wieder ran, Konfetti statt Pulver.

Appropos Pulver: "Irgendwann wurde es offiziell, dass wir von der Altenburg aus geschossen haben. Da sollte dann ein Fachmann dazu kommen", sagt Herold. Der Feuerwehrmann habe darauf bestanden, die Kanone bis zum "Stopfring" mit Pulver zu füllen. "Wir wussten, das war zu viel für unser Pulver. Aber er wollte es so. Da ist gleich beim ersten Schuss die Kanone auseinander geflogen."

Dass eine Geschichte wie diese hinter dem historischen Schwarz-Weiß-Foto steckt, findet Student Tilmann "sehr spannend." Sollte das Foto für die Ausstellung ausgewählt werden, würden es die Seminarteilnehmer digitalisieren. "Und dann könnte man das Foto als Reproduktion etwa in eine Text- und Bildtafel integrieren", überlegt Seminarleiterin Stefanie Menke laut.

Was nicht auf der Tafel zu lesen sein wird, ist das Rezept für das selbst gemischte Schwarzpulver. Damit es nicht noch einmal eine Kanone zerreißt.