Jede Woche vier Anfragen. Anfragen nach Bauplätzen. 71 gibt es in Gundelsheim. Theoretisch. Praktisch aber nicht, weil sie in anderer Form genutzt, nicht veräußert, oder nur zu extrem hohen Preisen verkauft würden. Grund genug für den Gundelsheimer Gemeinderat nun selbst die Initiative zu ergreifen: Rund 60 Bauplätze sollen innerhalb von drei Jahren geschaffen werden - an verschiedenen Stellen. Bei einem Preis von 140 Euro pro voll erschlossenem Quadratmeter Grund sollen es sich insbesondere auch junge Familien leisten können, hier heimisch zu werden oder am Heimatort bleiben zu könne.

Die Ein-Ort-Gemeinde ist mit insgesamt 3,4 Quadratkilometern die flächenkleinste im Landkreis. Das heißt, die Baulandausweisung will hier sorgfältigst geplant werden, ist die Ressource Fläche doch überaus limitiert. Und selbst die nur 3,4 Quadratkilometer lassen sich nicht einfach mal so aufplanen. Restriktionen bedeuten im Süden nicht nur die Autobahn 70.

Gleich daran schließen sich für den Hochwasserschutz ausgewiesene Flächen an. Im Westen schiebt die A 73 einen Riegel vor und im Osten will man sich die Eigenständigkeit in Sachen Trinkwasser bewahren, so Bürgermeister Jonas Merzbacher (SPD). Das heißt am Trinkwasserschutzgebiet zwischen dem Altort und dem Neubaugebiet Bergwiesen wird keinesfalls gerüttelt. Bliebe noch der Norden, aber da grüßt bereits Wald, der Zückshuter Forst.

Wie also Bauland auftun? Indem man Lücken schließt, so Merzbacher. Also 60 Bauplätze nicht in einem einzigen neuen Baugebiet, sondern an verschiedenen Stellen. Als erstes, so ist sich der Gemeinderat einig, wird man den Bereich Lindenstraße am Ortseingang (Richtung Lichteneiche) in Angriff nehmen. Inklusive Grünfläche stehen hier 1,8 Hektar zur Verfügung. Weiteres Potenzial birgt der Festplatz (zwischen Bauhof und Kindergarten) mit 0,5 Hektar. 0,2 Hektar stünden in der so genannten Friedhofsbedarfsfläche zur Verfügung. Am westlichen Ortsrand (Ringstraße) gibt es dann noch weitere Reserven.

Gegen Spekulantentum

Nachdem dieses Vorhaben bekannt ist, ruft das nicht Spekulanten auf den Plan? Gerade das will der Gemeinderat vermeiden und behält sich vor, bestimmte Bereiche eben nicht aufzuplanen, erläutert Merzbacher. Andererseits erwirbt die Gemeinde "wichtige Flächen", um auf diese Weise Einfluss auf die Preisgestaltung nehmen zu können. Denn über Grundstücksgeschäfte muss ja im Gemeinderat entschieden werden. Und der werde schon so vorgehen, dass es passt, zeigt sich der Bürgermeister zuversichtlich. Wert lege man wie bereits erwähnt darauf, dass insbesondere Gundelsheimer in ihrem Heimatort bleiben können und zudem möglichst junge Familien zuziehen.

"Mitte diesen Jahres hat es in Gundelsheim mehr über 66-Jährige als Bürger im Alter bis 18 Jahre gegeben", so Merzbacher, man müsse hier also in demographischer Hinsicht Weichen stellen.

Eine Baulandinitiative, so kurz vor den Wahlen? "Keine Sorge", zerstreut der Bürgermeister Bedenken, es könne sich hier um schiere Wahl-Agitation handeln.

"Erstens wird die Initiative von allen Gemeinderatsgruppierungen getragen und zweitens hatten wir bereits zwei Jahre Vorlaufzeit." Und drittens: "Die Leute warten darauf."Warum besteht ein so großes Interesse an Bauland in Gundelsheim? "Weil wir an Attraktivität gewonnen haben", erklärt Merzbacher. Es sei in den letzten Jahren etliches geschehen. Er verweist auf Projekte wie die Neugestaltung des Ortskerns, den Erhalt einer Einkaufsmöglichkeit im Ortskern, die Schaffung einer Senioreneinrichtung, die Sanierung der Schule, die Erweiterung des Kindergartens (mit Krippe) und schließlich auch die Verbesserung im Bereich der Stadtbusanbindung.

Bürger einbinden

Wie bei den jüngsten, erfolgreicben Großprojekten soll auch bei diesem zukunftsweisenden Schritt die Bevölkerung einbezogen werden und sich wie schon zuvor bei der Städtebau förder-Projekten aktiv einbringen. Zukunftsweisend sollen die Baugebiete in Bezug auf Energieversorgung und -verbrauch sein, merkt der Bürgermeister dazu weiter an. Bei der Wahl des Baukörperes und der Dachformen will man den Bauherren viel Freiheit lassen.