Die Lichtenfelserin Emmi Zeulner hat es geschafft. Für die CSU eroberte die 26-jährige Krankenschwester, Studentin und ehemalige Korbstadtkönigin das Direktmandat im Bundestagswahlkreis 240 Kulmbach. Sie tritt damit das Erbe von Karl-Theodor zu Guttenberg an, nach dessen Rücktritt vor zweieinhalb Jahren der Abgeordnetensitz verwaist war. Zeulner wird damit auch die Bürger von Baunach, Bischberg, Breitengüßbach, Gerach, Gundelsheim, Heiligenstadt, Kemmern, Königsfeld, Lauter, Litzendorf, Memmelsdorf, Oberhaid, Rattelsdorf, Reckendorf, Scheßlitz, Stadelhofen, Viereth-Trunstadt, Wattendorf und Zapfendorf im Landkreis Bamberg in Berlin vertreten.

Von Zeulners zehn Mitbewerbern um das Direktmandat schaffte keiner über die Landesliste seiner Partei den Sprung nach Berlin. Im direkten Vergleich schaffte einzig der SPD-Kandidat Simon Moritz ein respektables Ergebnis. Der 28-Jährige, der als Dozent an der Uni Bamberg arbeitet, erreichte 22,8 Prozent der Erststimmen. Zeulner lag hier mit 56,9 Prozent klar vorn. Im Vergleich zum damaligen Politliebling der Nation und vor allem der Oberfranken musste sie mit gut zehn Prozent weniger zufrieden sein. Guttenberg hatte vor vier Jahren ein Spitzenergebnis von 68,1 Prozent eingefahren.


Plus bei den Zweitstimmen

Bei den Zweitstimmen sah es im Vergleich zur letzten Bundestagswahl allerdings besser aus. Da legte die CSU knapp drei Prozent zu und kam nach 49,5 nun auf 52,3 Prozent. Die SPD steigerte sich sogar um fast sieben Prozentpunkte und kam auf 21,5 Prozent.

In den Gemeinden im Landkreis Bamberg erhielt Zeulner 59,5 Prozent der Erststimmen. Ihr stärkster Konkurrent, Simon Moritz von der SPD, kam auf 18,44 Prozent. Auf Platz drei landete Valentin Motschmann von den Grünen mit 4,46 Prozent. Bei den für die Zusammensetzung entscheidenden Zweitstimmen kam die CSU auf 53,9, die SPD auf 18,0 Prozent. Für beide Volksparteien war es eine deutliche Steigerung gegenüber der letzten Bundestagswahl. Die Christsozialen legten um 4,2, die Sozialdemokraten um 3,8 Prozentpunkte zu.


Zeulner-Hochburg auf dem Jura

Im Landkreis Bamberg punktete Zeulner vor allem auf dem Jura. In Wattendorf erreichte ihr Ergebnis sogar beinahe Guttenbergsche Dimension: 84,6 Prozent gaben dort der CSU-Kandidatin ihre Stimme. Ihr Vorgänger hatte 2009 nur 1,1 Prozent mehr erzielt. Auch in Stadelhofen (73,7 Prozent) und Königsfeld (72,8 Prozent) gab es mehr als beachtliche Stimmanteile für Zeulner. Durchgehend lag sie klar vor dem Zweitstimmenergebnis ihrer Partei.

Am westlichen Rand des Wahlkreises fielen die Zuwächse der CSU deutlich geringer aus. Und Zeulner büßte hier bei den Erststimmen gegenüber Guttenberg teils deutlich ein. So erhielt sie etwa in Baunach 60,1 Prozent. Der Freiherr hatte dort noch 68,6 Prozent eingefahren. In Bischberg kam die CSU-Kandidaten sogar "nur" auf 54,0 Prozent, 9,6 Prozent weniger als ihr Vorgänger.


SPD steigert sich

Für eine absolute Mehrheit der Erststimmen reichte es für die Lichtenfelserin jedoch in allen Wahlbezirken des Landkreises Bamberg. Sogar im "roten" Oberhaid eroberte sie mit 51,3 Prozent der Erststimmen mehr als doppelt so viele wie ihr Mitbewerber von der SPD. Der SPD-Kandidat Moritz erzielte dort sein bestes Ergebnis mit in Oberhaid (24,9 Prozent).

In Gerach (24,1 Prozent) und Memmelsdorf (23,2 Prozent) lag er noch über dem Zweitstimmenanteil der Sozialdemokraten, die ihr Ergebnis im Landkreis gegenüber dem Tiefpunkt der letzten Wahl jedoch ebenfalls teils deutlich steigern konnten. So gab es etwa in Memmelsdorf ein Plus von 6,8 Prozentpunkten auf 22,6 Prozent, in Bischberg steigerten sie sich um 4,2 auf 19,7 Prozent. Ihr bestes Ergebnis erzielte die SPD aber in ihrer Hochburg Oberhaid mit 25,5 Prozent.


Großes Medieninteresse

In Lichtenfels war das Medieninteresse gewaltig. Emmi Zeulner sprach noch vor Schließung der Wahllokale mit dem Fränkischen Tag: "Ich hab seit Januar fast jedes Wochenende von früh bis spät Termine gehabt, hab mich überall vorgestellt, Gespräche geführt", erzählt sie. "Aber wenn die letzten Meter nicht weh tun, hat man sich nicht genug angestrengt. Das war eine gute Zeit, eine spannende Zeit, aber ich bin doch froh, dass es jetzt die Entscheidung gibt." Nachdem diese Entscheidung zu ihren Gunsten dann klar war, freute sie sich nur noch. "Ich freu' mich total", rief sie später bei ihrer Wahlparty in Altenkunstadt in die Mikrofone und Kameras.

Simon Moritz, der im Landkreis Kulmbach sogar 29,72 Prozent der Erststimmen einfuhr, meinte dazu bei der gemeinsamen Wahlparty von SPD und Grünen in der Kulmbacher Kommunbräu: "Darüber freue ich mich sehr." Bei der letzten Bundestagswahl habe die SPD ein historisch schlechtes Ergebnis verkraften müssen. "Das durfte so nicht bleiben, wir wollten den Negativtrend endlich wieder umkehren. Das haben wir gemeinsam geschafft. Acht Prozent mehr Erststimmen als 2009 und mehr als vier Prozent Steigerung bei den Zweitstimmen - damit haben wir unser Ziel erreicht, wieder deutlich zuzulegen", sagte Moritz.

Alle Ergebnisse der fränkischen Stimmkreise für die Bundes- und Landtagswahlen finden Sie unter wahlen.infranken.de. Auch Detailinformationen zu den Kandidaten finden Sie auf dieser Seite.