Kurz nach 19 Uhr betritt die 1,79 Meter große Kandidatin den Saal. Dass die Wirtstochter aus dem Lichtenfelser Stadtteil Degendorf in solcher Umgebung zu Hause ist, merkt man gleich: Im schwarzen Hosenanzug begrüßt sie ihr Publikum oder zumindest den Teil, den sie kennt, per Handschlag. Irgendwelche Allüren spürt man nicht, da kommt einfach eine junge Frau, kaum trocken hinter den Ohren, sehr natürlich, die sich um ein hohes Mandat in einer Demokratie bewirbt.

Als "neuen Hoffnungsträger" begrüßt der stellvertretende Memmelsdorfer CSU-Vorsitzende Andreas Saal die 25-Jährige, die nach ihrer Ausbildung zur Krankenschwester auf dem zweiten Bildungsweg das Abitur nachholte und jetzt Volkswirtschaft studiert. Zwei Jahre nach Karl-Theodor zu Guttenberg ist das ein hoher Anspruch.

Wie kann sie ihn erfüllen? Was hat die hübsche, redegewandte Kandidatin politisch drauf, dass sie immerhin eine Nominierungsversammlung der CSU respektive deren Mehrheit überzeugt hat? Zunächst scheint sie gut bei Stimme, das Mikrofon braucht sie eigentlich nicht.

Die Politik, sagt sie, hat sie von klein auf kennengelernt: In der eigenen Familie mit vier Geschwistern, in der Gaststube am Stammtisch, und auch in der Maria-Ward-Schule in Bamberg, wo sie Klassen- und Schulsprecherin war. Vermutlich hat sie schon in jungen Jahren Erfahrungen gesammelt, die andere erst später machen.

Darum mag bei Emmi Zeulner alles ein bisschen fixer gehen: Gerade 20 ist sie, als sie, damals Korbstadtkönigin
in Lichtenfels (2006 bis 2008) auf der Liste der Junge Bürger / Junge Wähler Union für Stadtrat und Kreistag kandidiert. Auf beiden Listen wird sie nach vorne gewählt, erreicht ihre Ziele, wird in beiden Gremien Jugendbeauftragte - also für Stadt und Landkreis Lichtenfels - im Stadtrat zudem Sprecherin ihrer Fraktion.

Aber das reicht ihr nicht. "Ich möchte in Berlin die Interessen der Region vertreten", sagt sie in ihrer etwa 20-minütigen Rede, der ersten im Bamberger Land. Vielleicht hat sie sie zuvor mit Freund Frederick in Breitengüßbach schon mal ausprobiert. Wo die Interessen liegen? Bei der Pflege stehe die Politik vor großen Herausforderungen. Und, im gleichen Atemzug: "Es ist mir nicht egal, ob für den sich abzeichnenden Ärztemangel auf dem Land Lösungen gefunden werden oder nicht".

Die Krankenhäuser dürften nicht nur als Wirtschaftszentren gesehen werden, das Trinkwasser nicht in die Hände von Spekulanten geraten. "Hartnäckigkeit bei den Ministerien" verspricht sie auch, wenn es um "schnelles Internet für jedes Dorf" geht. Und: "Die Messlatte für alle Entscheidungen sind die Menschen in Kulmbach, Bamberg und Lichtenfels". Dafür werde sie "zuhören und hart arbeiten". Die Rede hat sie auch schon bei ihrer Nominierung in Lichtenfels gehalten.

Besonders ins Herz geschlossen hat sie Bürgermeister Hans Bäuerlein. Lange bevor man im Landkreis Bamberg daran dachte, einen eigenen Bewerber aufzustellen, hat Emmi Zeulner die CSU in ihrem späteren Wahlkreis besucht, hört man. Ein erster politischer Schachzug der 25-Jährigen auf der politischen Bühne? Der war nicht von schlechten Eltern. Wenn sie so weitermacht, kann sie durchaus "ein starkes Stück Oberfranken entwickeln".
Dabei bewegt sie sich durchaus auf der Parteilinie.

Bundeskanzlerin Merkel und Finanzminister Schäuble seien erfahrene Politiker, meint sie, mit jeder anderen Partei hätten wir längst Eurobonds. In der Debatte hatte Sebastian Göppl CDU und CSU vorgeworfen, "rote Linien überschritten" zu haben. Finanzpolitisch sei man auf dem Weg zur Transferunion, es drohe der Verlust großer Teile des Volksvermögens, die Energiewende sei "überhastet" begonnen worden. Doch Emmi Zeulner verteidigt die Bundesregierung standhaft - erste und vornehmste Pflicht einer kommenden Abgeordneten.