Johann Götter kennt das Areal an den Unteren Mühlen vermutlich wie kein anderer - von der Brudermühle (1) bis zur Bischofsmühle (8). Eigentlich ist der Maschinist und Kraftwerksleiter bereits in Rente, lässt es sich allerdings nicht nehmen, das "tollkühne Projekt" bis zum Ende zu begleiten.
Zum Start der Tour durch das neue Wasserkraftwerk "Sterzermühle" führt er in den Keller der ehemaligen Vogtherrnmühle (3). Dort ist die Leitzentrale untergebracht. Viel Beton, viel Technik: Das komplette System ist computerüberwacht. Per Mausklick können Mitarbeiter technische Daten abrufen und die momentane Auslastung prüfen. Störmeldungen bekommen sie direkt aufs Handy.


Leistung per Knopfdruck abrufen

Götter demonstriert die Datenabfrage - und prompt hat er die aktuelle Leistung auf dem handlichen Display. 143 Kilowatt in der Stunde kann das Kraftwerk erzeugen. "Das ist allerdings die Maximalleistung", erklärt er. Seit die "Sterzermühle" am 3. Juli ans Netz gegangen ist, liege die Normalleistung bei circa 100 Kilowatt pro Stunde. Zum Vergleich: Das Wasserkraftwerk in Gaustadt läuft mit einer Maximalleistung von 1000 Kilowatt pro Stunde.

Vom technischen Zentrum der Anlage führt die Tour weiter zur Huthsmühle (4). Hier teilt sich das Wasser auf dem Weg durch den Regnitzarm auf - linker Hand fließt es in die Huthsmühle und treibt dort das Mühlrad an. Der Weg auf der rechten Seite führt das Wasser direkt zur Turbine (5).
Welche technischen Vorkehrungen der Einflussbereich der Turbine bereithält, zeigt Götter mit der manuellen Schaltung: Treibgutabweiser, Querrechenanlage und Stauklappe kommen per Fernsteuerung in Bewegung. "Treibgut wie Äste oder im Herbst dann Laub werden hier abgeführt." All das läuft später automatisch dank zahlreicher Messsensoren im Flussbereich. Zusätzlich soll eine Kamera Mitarbeitern ermöglichen, den Einflussbereich jederzeit überprüfen zu können.

Mit einer Handbewegung Richtung Bischofsmühlbrücke deutet Götter ein weiteres Instrument an. "Dort vorne ist der Eichpfahl." Trotz Wasserkraftwerk dürfe der Flusspegel natürlich nicht beeinträchtigt werden. "Das ist alles wasserrechtlich geregelt", so Götter. Der Betreiber habe dafür zu sorgen, dass das sogenannte Stauziel eingehalten werde. An den Unteren Mühlen liegt das bei 236,04 Metern über Normalnull.


Flusspegel regulieren

Und wenn der Pegel durch starke Regenfälle steigt? "Wir können das Wasser zu jeder Zeit ablassen", erklärt der Maschinist. "Wir haben verschiedene Möglichkeiten, den Fluss der Regnitz zu regulieren."
Zum einen über die aktiven Mühlen (5 und 8), zum anderen über den Unteren Mühlspund (2). Dort finden sich neben Sensoren, die den Wasserstand messen, zwei hydraulisch geregelte Metallschützen mit aufgesetzten Klappen.

Zur nächsten Station: Begleitet von Baustellenlärm geht die Führung weiter mitten in das künftige Welterbebesucherzentrum (7) - beziehungsweise dorthin, wo es laut Aussage von Leiterin Patricia Alberth am 29. April 2019 eröffnen soll. In einem Technikraum im Keller wird die erzeugte Energie ins Netz eingespeist - sozusagen vom Betreiber Johannes Kraus an die Stadtwerke übergeben. Bei einem durchschnittlichen Jahresverbrauch von circa 2400 Kilowatt können damit 300 bis 350 Bamberger Haushalte versorgt werden, rechnet Götter.

Durch die Baustelle führt er nun auf die künftige Besucherterrasse des geplanten Gastronomiebereichs (5). Wo Einheimische und Touristen ab dem kommenden Jahr die Aussicht auf das alte Rathaus genießen können, befindet sich das Herzstück der Anlage: Die dreiflügelige Kaplanturbine mit einem Laufraddurchmesser von 2,4 Metern. Aufgrund der relativ niedrigen Drehzahl (83 Umdrehungen/Minute) attestiert man dem Modell "relative Fischfreundlichkeit".

Von der 15 Tonnen schweren Turbine, die in der Sekunde fast die Füllung eines Tanklastzugs schluckt, werden die Besucher nicht viel mitbekommen - obwohl der Außenbereich unmittelbar über dem Turbinenraum liegt. "Der Turbinenraum ist schallentkoppelt", erklärt Götter und fügt lachend an: "Das alte Rad der Huthsmühle nebenan ist lauter."