Sehr ergiebig war die vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege im Zusammenhang mit dem Bau einer neuen Kinderkrippe im Schießgraben in Scheßlitz veranlasste archäologische Grabung.

"Wir haben deshalb auf Kosten des Landesamtes mehrere Versuchsschnitte machen lassen, bevor die Fläche wieder überbaut wird", betont der Referent für Bodendenkmalpflege in Oberfranken beim Landesamt, Andreas Büttner.
Die Funde sollten nun - vielleicht im Rahmen einer Examensarbeit - von einer Universität ausgewertet werden. Gemacht wurden bisher seitens der Grabungsfirma lediglich Plan-Aufnahmen der insgesamt 680 Befunde.

Daraus gehe zunächst hervor, so Büttner in einer ersten Stellungnahme, dass man es mit einer früh- bis hochmittelalterlichen Siedlung zwischen der jetzigen Scheßlitzer Altstadt und dem Leitenbach zu tun habe.

Die ersten Gebäude seien wohl im 8. Jahrhundert, also zur Zeit Karls des Großen, erbaut worden. Büttner spricht von einer "lockeren" Bebauung mit Gebäuden, die vermutlich keine Wohnhäuser waren und die bis um das Jahr 1100 "deutlich dichter" geworden sei.

Für was diese wohl aus Holz (und Lehm?) errichteten Gebäude dienten? "Vielleicht zur Textilproduktion", mutmaßt Andreas Büttner, ohne sich allerdings zu weit aus dem Fenster lehnen zu wollen. Ein Topf voller Schlackenrückstände lasse aber auch den Schluss zu, dass hier Metall verhüttet worden sei. Getreidekörner ließen auf eine Bäckerei schließen.

Dass auch Töpfe gebrannt wurden, hält Büttner indes für unwahrscheinlich, da man sonst erfahrungsgemäß Fehlbrände im Boden finde. "Wir müssen die Funde auseinander nehmen, die Scherben sind ja auch datierbar", zeigt sich der Fachmann optimistisch.

Sehr selten sind in jedem Fall die im Boden noch erkennbaren Reste eines sehr großen, mehrschiffigen Gebäudes, das aber keine Kirche gewesen sein kann. "Häuser dieser Größe sind heutzutage meist überbaut, so dass ihre Reste nicht mehr ausgegraben werden können", so Büttner.

Umso mehr interessiere sich die Fachwelt für den (Be)Fund, dessen Hauptbau neun Meter breit sei; dazu kommen die Seitenschiffe. Die Länge betrage mindestens 20 Meter und lasse sich nicht genau feststellen, weil sich die Reste des Gebäudes unter den Parkplatz fortsetzten und dort nicht gegraben werden könne. Vielleicht war es ja eine mittelalterliche Fabrikhalle.

Noch keine Fortschritte gibt es hingegen bei der Suche nach dem angeblichen Königsgrab bei Roschlaub. "Uns sind dort keine Bodendenkmäler bekannt", sagt Andreas Büttner zu Hinweisen aus der Bevölkerung, die aus mündlicher Überlieferung resultierten. Dabei sei man für solche Mitteilungen aus der Bevölkerung durchaus angewiesen.

Das Landesamt habe aber die Möglichkeit, solchen Hinweisen mit modernen Methoden nachzugehen, wie zum Beispiel mit dem Laserscan-Verfahren aus der Luft. Damit könne man ein Bodenrelief und auch abgeflachte Grabhügel im Wald erkennen.


Ein Königsgrab?

Doch nicht alle Hügel sind Grabhügel. Der frühere Dritte Bürgermeister der Stadt Scheßlitz, Siegfried Zenk aus Schweisdorf, erinnert sich ebenso wie Leo Zenk - der gebürtige Roschlauber lebt heute Rot-Kreuz-Altenheim in Bamberg - an den Abbau tonhaltiger Erde an der Straße in Richtung Kleukheim. "Die dortigen Hügel stammen vom Lehm-Abbau, der - vermischt mit Stroh - für die Befestigung der Scheunenböden benutzt wurde", sagen beide übereinstimmend.

Sollte es ein solches Grab geben, müsste es sich wohl auch näher am Ort befinden, denn prominente Tote wurden stets in Sichtweite von Orten und Wohnhäusern bestattet. Außerdem verlief die frühere Straße von Schweisdorf nach Roschlaub weiter südlich und gerade durch einen steilen Hohlweg, während die jetzige Straße einen weiten Bogen macht. An einschlägige Funde bei den Straßenbau-Arbeiten können sich aber weder Leo noch Siegfried Zenk erinnern.