Es funkelt und blitzt nur so in dem Ausstellungsraum. Gold und Silber, brokatdurchwirkte Textilien: Ein ungeahnter Schatz bietet sich dem Betrachter, der sich nur verwundert die Augen reiben kann. Wie ist es der Marianischen Herren- und Bürgersodalität Bamberg gelungen, solche Kostbarkeiten zusammenzutragen? Schließlich ist diese Vereinigung seit ihrer Gründung vor 400 Jahren nichts anderes als eine katholische Laienbewegung.

"Die Sodalität ist ein Säkularisationsgewinnler", bringt es Domkapitular Norbert Jung auf den Punkt. Der Leiter der Hauptabteilung Kunst und Kultur im Erzbischöflichen Ordinariat und damit oberster Hausherr über das Diözesanmuseum erklärt mit diesen Worten einen zeitgeschichtlichen Umstand:
Nach der ab 1802 erzwungenen Auflösung etwa von Klöstern "war der Markt voll mit religiöser Kunst", so Jung. Private Käufer hätten viele Objekte der Sodalität übergeben, die trotz der schwierigen Zeiten bestehen geblieben sei.

Das 400. Jubiläum ist nun für das Diözesanmuseum Anlass genug, die von der Sodalität bewahrten Kunstschätze der Öffentlichkeit zu präsentieren. "Wir haben mit Quittung geplündert!", lacht Holger Kempkens, Leiter des Museums auf dem Domberg, zu dem gelungenen Coup. Denn etliche Exponate stammen direkt aus der St. Jakobs-Kirche, die der Sodalität gehört. Sakralgeräte wie Kelche, Monstranzen, Kerzenleuchter etwa, die immer noch im gottesdienstlichen Gebrauch sind. Sogar Paramente wie die "Weiße Kasel mit Stola und Bursa" aus dem Jahr 1780 tragen Priester heute in besonderen Messen. "Alles ist immer sehr pfleglich behandelt worden", freut sich Kempkens trotz Sorgenfalten angesichts eigentlich konservatorischer Notwendigkeiten.

In der Ausstellung sind auch Stücke zu bewundern, die ansonsten nicht das Tageslicht erblicken. Nämlich solche, die die Sodalität in den 1980er Jahren dem Diözesanmuseum zur Aufbewahrung im Depot überlassen hatte. So sei die aktuelle Präsentation "eine wunderbare Chance zu zeigen, was uns in vertrauensvolle Hände gegeben wurde", meint Holger Kempkens. Zumal die Sodalität in Bamberg ein Alleinstellungsmerkmal habe als Verein mit Schatz- und Kirchenbesitz.

Eine stadtbekannte Ausnahme ist die Silbermadonna im Strahlenkranz, die 1696 vom Augsburger Goldschmied Caspar Riss von Rissenfeld speziell für die Sodalität angefertigt wurde. Bis heute wird sie am 15. August zu Mariä Himmelfahrt bei der Marienprozession mitgetragen. Diese Prozessionsfigur hat das ganze Jahr hindurch ihren sichtbaren Platz im Diözesanmuseum. Natürlich
fehlt sie nicht in der eigens konzipierten Jubiläumsschau, zu der auch Archivalien aus den Anfängen der Sodalität, Andachtsbücher, die Sodalitätsfahne aus dem 19. Jahrhundert oder zwei spätgotische Wirkteppiche mit Passionsszenen gehören. Diese wertvollen Teppiche stammten wohl ehemals
aus dem Bamberger Dominikanerinnenkloster Heilig-Grab.

Bei der Ausstellungseröffnung blätterte Domkapitular Jung detailliert die Chronik der Marianischen Sodalität auf. Intensive Forschungen im Diözesanarchiv waren dem vorausgegangen. Jung berichtete, wie sich gerade das soziale Engagement der Sodalen auf das gesellschaftliche Leben in
Bamberg ausgewirkt habe: "Es ist sicher nicht übertrieben, die Herren- und Bürgersodalität zwischen dem Dreißigjährigen Krieg und der Epoche der Aufklärung als einen nicht unbedeutenden Machtfaktor in der Stadt zu beschreiben." Eine stolze Zahl untermauert diese Aussage: Der Mitgliederstand betrug 1821 exakt 7252 Personen! Heutzutage gehören 330 Männer und Frauen aus Bamberg und dem Umland dazu.



Die Ausstellung
"Ein ungeahnter Schatz! - 400 Jahre (1618-2018) Marianische Herren- und Bürgersodalität Bamberg" ist bis zum 27. Mai 2018 im Diözesanmuseum, Domplatz 5, zu sehen. Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag von 10 bis 17 Uhr, montags geschlossen, jedoch am Ostermontag, am Weißen Montag (9. April) und Pfingstmontag geöffnet. Karfreitag geschlossen.