Warten sieht bei Rolf Hoffmann (46) aus wie harte Arbeit. Der wuchtige Mann fixiert die Helfer, als ob er sie mit seinem Blick antreiben wollte. "Wir stehen unter Zeitdruck", sagt er. In zwei Tagen muss er die Stechert-Arena in eine Tennishalle umbauen. 32 Tonnen Sand warten draußen; 32 Tonnen, aus denen er einen Sandplatz mitten in die Konzert- und Basketballhalle bauen wird. 32 Tonnen, für die in der Halle noch kein Platz ist - weil die Helfer sie erst leer räumen müssen. Hoffmann arbeitet am Hallenrand: Er wartet.




18.30 Uhr, Sonntag.

Mehr als 300 Plätze haben der Bauleiter und seine vier Mitarbeiter von der Firma Sportas aus dem nordrhein-westfälischen Olfen im Freien und in Hallen schon gebaut und umgebaut Aber noch nie unter einem solchen Zeitdruck. Ständig hat Hoffmann sein Handy am Ohr.

19.30 Uhr.

Nur zwei kurze Nächte, dann trainieren die Davis-Cup-Spieler von Deutschland und Argentinien auf seinem Sandplatz. Aber gegen die gefühlte Langsamkeit der Helfer ist er machtlos. Sie zerlegen die Basketballkörbe - vor einer Stunde ist das Spiel zuende gegangen, sie schrauben die LED-Werbeanzeigen auseinander, sie zerlegen das große Gestell, das von der Hallendecke herabfährt. Und wenn Hoffmann ehrlich wäre: Viel schneller können die 13 Mann gar nicht arbeiten. Aber der Zeitdruck. Der Davis Cup steht auf dem Spiel. Also steht er draußen in der Kälte und raucht.

19.44 Uhr.

Endlich. Wortlos schießen Hoffmann und seine vier Mitarbeiter auf das Spielfeld. Zwei Stunden werden sie damit beschäftigt sein, den Boden mit Folien abzukleben. Ausrollen, auseinanderschneiden, die Bahnen an der Kante zusammenkleben. Über die Folie kommt noch eine andere Folie. Und noch mal ausrollen, auseinanderschneiden, die Bahnen an der Kante zusammenkleben. Hunderte Meter Folie, hunderte Meter Abklebeband für 860 Quadratmeter Tennisfläche. Und die Folien müssen stramm sitzen, wenn die Maschine drüber fährt, darf keine Welle, keine Vertiefung drin sein. Sonst verspringen beim Spiel Tennisbälle. Es geht um viel.

23.41 Uhr.

Die grüne Folie auf dem Spielfeld glänzt im Flutlicht wie eine Eisfläche. In der Vip-Lounge oben sind sie noch am Saubermachen, zwei Helfer räumen immer noch den Müll unter den Sitzen weg. Hoffmann hat jetzt die doppelte Arbeit. Er arbeitet und er arbeitet gegen die Zeit. Seine Kollegen legen Aluminium-Schienen über die Eisfläche aus Folie. Darüber wird die Maschine fahren, die bald die ganze Nacht 32 Tonnen Sandgemisch plattwalzt. Hoffmann schraubt noch an ihr herum. Draußen läuft sich schon der kleine Bagger warm. Los geht's. Noch nicht.

0.12 Uhr.

Die erste Schubkarre steht trotzig in der Halle. Rote Ziegelerde. Sie fühlt sich wie Mehl an. Draußen sind es fast 20 Grad unter Null. Jetzt muss Hoffmann auch noch gegen die Kälte arbeiten. Und gegen die Zeit. Denn der rote Sand - eigentlich ein Granulat - wird mit flüssigem Kunststoff gemischt. Das Gemisch hat sich Hans-Joachim Schneider patentieren lassen, vertreibt es seit elf Jahren weltweit. "Ein Geheimnis", sagt er. Aber es braucht Wärme, zwei Gebläse pusten deshalb die Mischmaschine an, die wie eine überdimensionale Popcornmaschine aussieht.

Zu kalt, zu zäh, zu lang

Aber die Gebläse kommen gegen die Kälte nicht an - das Mischen dauert länger als sonst. Hoffmann greift ins Gemisch, prüft die Konsistenz, nickt und fährt die erste Ladung in die Halle. Noch nie hat er so wenig Zeit und so niedrige Temperaturen gehabt, um einen Tennisplatz zu bauen. "Das ist ein gewaltiger Hammer", sagt Schneider, der Chef. Schlafen kann er in dieser Nacht in Olfen nicht.

0.22 Uhr.

Die Maschine nennt sich PlanoMatic und hängt an einem irrsinnig langen Verlängerungskabel. Sie kriecht über Panzerketten durch die Halle. Hoffmann lenkt seinen Bagger durch den Halleneingang und kippt seine Ladung vor die PlanoMatic. Die Mischung sieht aus wie Teig, und sie klebt zähf lüssig an den Fingern. Und Hoffmann hat es eilig. Denn für eine Bahn brauchen sie etwa eine Stunde - gewöhnlich. Neun Bahnen hat er vor sich.

0.33 Uhr.

Die PlanoMatic ruckelt los. Mirek Grabowsky (38) steht oben drauf und verteilt den Teig. Er ist zu zäh in diesem Kühlhaus von Halle. "Langsamer geht nicht." Zentimeter für Zentimeter kämpft sich die Maschine auf ihren Ketten nach vorne und hinterlässt einen zwei Zentimeter dicken glatten roten klebrigen Pizzateig.

0.45 Uhr.

Hoffmann holt die nächste Fuhre. Und die nächste. Und die nächste.

1.30 Uhr.

Zwei Drittel der ersten Bahn sind ausgewalzt. "Die erste Bahn dauert am längsten", sagt Mike Mengler (36), als der Bagger draußen Nachschub holt. Die nächsten Bahnen gingen schneller. Es klingt mehr nach Hoffnung.

7.30 Uhr.

Die Hoffnung hat sich nicht bestätigt. Noch zwei Bahnen Teig sind auszurollen. Es war zu kalt, um ihn in der üblichen Geschwindigkeit anzurühren. "Normal wär' der Tennisplatz schon fertig", sagt Mengler jetzt. Wie lange es noch dauert? "Zwei Stunden?", schlägt Mirek Grabowsky, der auf der Maschine, vor. "Mindestens drei", sagt Mike Mengler. Er hatte recht.

10.30 Uhr.

Die letzten Zentimeter werden ausgewalzt. Der Tennisplatz ist fertig. Jetzt muss der Teig zwölf Stunden austrocknen. Mehr als einen Tag und eine sehr kalte Nacht sind Hoffmann und seine Mitarbeiter auf den Beinen. Haben tonnenweise klebrigen roten Sandteig verteilt und ihre Cola ist in der Halle gefroren.

14.57 Uhr.

"Es war eine Katastrophe", sagt im fernen Olfen Sportas-Chef Schneider. Sieben Stunden wären normal gewesen, aber keine 14. Was der Hallenumbau kostet? "Na ja, reich wird man davon nicht."

14.59 Uhr.

Dann verrät der Chef doch, was es kostet. Und richtig: Reich wird er davon bestimmt nicht.
22 Uhr, Montagabend. Noch eine Nacht Arbeit für Hoffmann. Er fräst die Linien des Spielfeldes ein, dann kommt Sand drauf, rotes Ziegelmehl. Das wird dann abgezogen. "Wie auf einem normalen Tennisplatz", sagt er.