20.000 Liter Heizöl. Diese Menge wird im Burgwindheimer Schloss verheizt. Jedes Jahr. "Aber nur im Hauptgebäude", stellt "Schloss-Herr" Albert Müller klar. In Remise, Bücherei und Eine-Welt-Zentrum sorgt Gas für Wärme. Das sind dann nochmal so um die 5000 Euro pro Jahr. Bezahlen muss das die Kirchenstiftung St. Jakobus und zu der zählen gerade mal gut 1000 Katholiken. Zwar bekommt man eine stattliche jährliche Zuwendung aus Bamberg (Diözese). Aber das reicht freilich nicht aus. Auf Dauer kann sich die Pfarrgemeinde das Barock-Gebäude nicht mehr leisten. Deswegen wird auch über einen Verkauf nachgedacht. Das ist nicht ohne Risiko. Der Käufer müsse schon passen, meint Dekan Albert Müller. "Schließlich wollen wir hier ja keinen Swingerclub haben", malt er den Teufel sicherheitshalber schon gleich mal an die Wand.

Für die Katholische Kirchenstiftung St. Jakobus jedenfalls ist das Schloss zumindest in der bisherigen Form eine immense finanzielle Bürde. Zumal wohl auch Instandsetzungsmaßnahmen anstehen. Untersuchungen am Dach laufen. Die Miene von Albert Müller lässt nur erahnen, welche Summen er für eine Sanierung im Geiste ausrechnet. "Wir haben in den letzten Jahren einige Großprojekte gestemmt," führt er aus, und nennt dabei die Kirchensanierung mit einem Volumen von fast 2 Millionen Euro zu denen man 217.000 Euro beizusteuern hatte, sowie die neue Orgel, die mit 410.000 Euro und einem Eigenanteil von 280.000 Euro zu Buche schlägt. Und jetzt auch noch Arbeiten im Schloss? Kaum machbar.

Ein Hoffnungsschimmer

Zumindest einen Hoffnungsschimmer sieht er in den Resultaten der Bürgerworkshops im Zusammenhang mit dem Gemeindeentwicklungskonzept für Ebrach und Burgwindheim. Hier wurde als eines der vorrangigen Ziele der Erhalt des Burgwindheimer Wahrzeichens formuliert.

Zwischen 1720 und 1725 wurde das Schloss auf Geheiß des damaligen 46. Ebracher Zisterzienserabtes Wilhelm Sölner als Amtsschloss errichtet - damit der Abt speziell während des Festes zum Heiligen Blut vor Ort sein konnte. Eitelkeit war wohl auch im Spiel, verrät Dekan Müller. Laut Vorstellung des Bauherren sollten Durchreisende hier einen Vorgeschmack auf das prunkvolle Ebrach bekommen.

In der Tat mutet der Bau wie eine Miniatur des weithin bekannten Ebracher Prachtbaues an. Bereits im Treppenaufgang fühlt man sich an Ebrach erinnert. Ebrach, in Staatsbesitz, wird bekanntlich als Justizvollzugsanstalt genutzt. In Burgwindheim ist es die Pfarrgemeinde, die den Barockbau nutzt. Im Nordflügel befinden sich Pfarrbüro und Gemeinde- und Gruppenräume und Wallfahrtsmuseum. Im Südflügel ist die Pfarrwohnung, der Mittelbau beherbergt die Gute Stube der Marktgemeinde, den Festsaal. Seinerseits ein Art Kaisersaal en miniature.
Den vermietet die Pfarrgemeinde zu gewissen privaten Anlässen: Hochzeiten, Familienfeiern. Für 100 Euro am Tag, so der Pfarrer.

Für weitere Beträge lassen sich Küche und Nebenräume mieten, gegebenenfalls kommen noch Kosten für Heizungspauschale und Reiniung dazu. Auch den Garten kann man im Sommer "buchen". Wirklich nennenswerte Beträge bringt all das der Kirchenstiftung freilich nicht. Zumal sie auch noch andere Liegenschaften zu unterhalten hat. Hauptstraße 33 etwa, ein gleichfalls denkmalgeschütztes Gebäude, das ebenfalls saniert werden müsste, oder verkauft.

1961 erworben

Gekauft hat die Kirchenstiftung das Schloss übrigens unter Pfarrer Wolf im Jahre 1961. Warum? Weil Räumlichkeiten für die Pfarrgemeinde benötigt wurden. Neben diesem Zweck diente der Prachtbau auch als Verwaltungssitz (Rentamt), für eine Fabrikation, oder Wohnzwecke. So beherbergte das Schloss zeitweise so genannte "gefallene" Mädchen, die unter der Aufsicht von Ordensfrauen unter dem Dach logierten.

Unter dem Dach, da befindet sich eine Problemzone des Gebäudes: Löcher und in der Folge morsche Balken. Ganz apart: Neben Bestandteilen wie Kommunionbänken aus der renovierten Kirche sind hier auch Kinder-Klos deponiert. "Im Schloss war mal der (kirchliche) Kindergarten untergebracht", merkt Albert Müller dazu an. Da gibt es einen neuen. Falls die Pfarrgemeinde aus finanziellen Gründen tatsächlich gezwungen wäre, das Schloss zu veräußern. Dann müsste sich die Pfarrgemeinde auf die Suche nach neuen Räumlichkeiten für Versammlungen Gruppentreffen, Pfarrbüro und so weiter begeben, der Erzbischof und die anderen hohen Würdenträger beim Heilig-Blutfest möglicherweise im Kindergarten umziehen - wenig würdevoll. Und wohl auch so gar nicht im Sinne des Schloss-Erbauers.

Was bleibt? Müller setzt auf das Engagement eines Arbeitskreises "Schloss", der möglichst lukrative Nutzungen eruiert. "Bildungsträger könnten ganz gut passen", deutet Müller an. So sehr ihm die Angelegenheit am Herzen liegt, so klar steht für ihn fest, dass er in erster Linie Seelsorger ist und hier nicht auch noch als Manager tätig sein kann.

Müller weiß auch um ein mögliches Problemfeld: Ausgedehnte Nutzungen ziehen eine entsprechende Besucher-Frequenz nach sich. Was Probleme mit der Nachbarschaft bedeuten könnte. Hierzu stellt er klar: "Wenn wir Eigentümer des Schlosses bleiben, haben wir Einfluss auf die Art der Nutzung" und auf die Besucher. Ein Verkauf wäre schon die einfachere Lösung wäre. Nur, das birgt eben Gefahren: dass ein Strohmann in Aktion tritt und das Schloss Swingerclub wird.