Jedes Ei ist ein Unikat - so wie die Künstlerin selbst. Wer Heidi Uebels begehbares Osternest in ihrem Wintergarten betritt, der fühlt sich wie in einer anderen Zeitzone, denn er weiß: Jedes einzelne der bunten Eier hat die Baunacherin vorsichtig in die Hand genommen, ausgeblasen, mit Grundierung versehen und liebevoll bemalt. "Manchmal brauche ich für ein einziges Ei mehrere Stunden", erzählt die 54-Jährige, während das Auge des Betrachters von Kunstwerk zu Kunstwerk springt, von Pinocchio zu Obelix hastet, Blumenmuster oder auch Stadtwappen erkennt und an den Stummelschwänzchen unzähliger Osterhasen hängenbleibt. Und als ob das noch nicht genug wäre, kräht im Wintergarten unentwegt ein elektrischer Plastik-Gockel.

"Ich muss ehrlich sein, das sind noch nicht mal alle Eier hier", verrät die Baunacherin. In einem zweiten Haus schmücken die bunten Eier die Fenster, vor der Tür wird jeder Besucher ebenfalls von vielen, vielen selbst bemalten Eiern aus Plastik begrüßt.

Im Inneren sind alle Eier echte Naturprodukte. Einzeln ausgeblasen. Wer die alle gegessen hat? "Ein paar haben wir von Bekannten und Freunden bekommen, aber die meisten haben wir schon selbst gegessen", erzählt ihr Mann Fritz. Er unterstützt seine Frau bei ihrem Hobby - über fünf Wochen lang dauert es vor dem Osterfest, um alle Eier aufzuhängen. Diese Geduldsprobe besteht der 58-Jähirige mit einem Grinsen auf den Lippen. Doch zum Pinsel greift Fritz Uebel nicht. "Ich könnte das nicht machen, da hätte ich keine Geduld dazu, für so ein kleines Fusselzeug."

Heidi Uebel dagegen wirkt sehr entspannt, wenn sie so in ihrem Sessel im Wohnzimmer sitzt, vor sich auf dem Tisch die Farbdöschen aufgereiht stehen, das Ei an einem kleinen Draht in ihren Fingern liegt und der Pinsel im Wasserglas klimpert. "Ideen musst du haben", meint die Hausfrau zu den Motiven.

Nicht nur österliche Symbolik landet auf den Eiern. Für ihre "Fans" - wie sie ihre Kinder und Freunde nennt - wählt sie auch gerne mal Filmfiguren oder Musiker. Sogar das "HB-Männla" hat es auf ein Ei geschafft. Weil gerade Kinder von der bunten Vielfalt begeistert sind, lachen auch die Simpsons oder Maus und Elefant von den kleinen Kunstwerken.

"Schulklassen und Kindergärten waren schon hier", erzählt die Künstlerin, die einzelne Eier gelegentlich auch verkauft. Interessenten führt die 54-Jährige gerne durch ihre Sammlung, ein kurzer Anruf vorher bietet sich an. Nach Ostern landen alle Eier wieder in Kartons - bis zum nächsten Jahr.