Eigentlich war Model nie Leas Traumberuf. Sie hat als Jugendliche nicht davon geträumt, Teil des bunten Modetrubels zu sein. Auch als Lea am Rande einer Modenschau, bei der sie als Zuschauer war, angesprochen wurde, war die junge Frau nicht sofort Feuer und Flamme. Die Begeisterung kam erst mit der Zeit - direkt von Adidas engagiert zu werden, hat dabei sicher nicht geschadet.

Viel Büroarbeit und Disziplin
Lea bereut heute nicht, das Studium der Chemie und der Geographie an den Nagel gehängt zu haben. Sie kann vom Modeln und Tanzen ganz gut leben, ist finanziell unabhängig. Doch dafür habe sie viele Opfer gebracht, sagt sie. Abende mit Freunden in den letzten Jahren kann Lea an einer Hand abzählen. An eine ernsthafte Beziehung sei als ständiger Pendler kaum zu denken. Außerdem fordert das Leben als Model eine Menge Disziplin: Lea verbringt mehrere Stunden am Tag vor dem Computer, schreibt Bewerbungen, Rechnungen, hält ihre Agenturen auf dem Laufenden, pflegt Homepage, Facebook und Instagram. Dazu kommen jeden Tag mehrere Stunden Tanztraining.

Einen Manager, der die Bürokratie für sie übernimmt, habe sie anfangs gehabt, sagt Lea, doch das passe nicht zu ihr. Das nimmt man der selbstbewussten, jungen Frau gerne ab. Das sei eine der schönen Seiten an ihrem Beruf, sagt Lea: Man wird selbstbewusst, lernt den eigenen Charakter kennen. Schließlich sei jeder Tag anders und bringe andere Herausforderungen.

Gefahren, Schattenseiten - ein Haifischbecken
Mit der Illusion vom heiteren Jetset-Leben, die vielen jungen Mädchen vorschwebt, habe der Modelalltag nichts zu tun, gibt Lea zu bedenken. Es liegt ihr am Herzen, immer wieder darauf hinzuweisen, dass vieles von dem, was man über die Modebranche zu wissen glaubt, pure Illusion ist oder auf Vorurteilen beruht.

Eine Schattenseite des Lebens als Model hängt eng mit der eigentlich erwünschten Aufmerksamkeit zusammen: Als Model rufe man beinahe zwangsläufig Stalker auf den Plan, berichtet Lea. Besorgt oder gar verängstigt wirkt sie nicht, als sie erzählt, dass einer der verirrten "Verehrer" ihr sogar einst im Keller auflauerte. Doch sie ist sich der Gefahren durchaus bewusst, hat mittlerweile Routine darin, die Polizei zu Rate zu ziehen.

Es gebe im Modelberuf viele Überschneidungen mit der Schauspielerei - man spielt immer eine Rolle vor der Kamera - aber dabei dürfe man sich nie selbst verlieren: "Nur, wer sich zu 100 Prozent treu bleibt, wird erfolgreich sein", mahnt Lea. Wer sich zu sehr verbiegt, werde nie die Beste sein. Und begibt sich am Ende sogar in Gefahr. Ausufernde Parties, Fotografen und Designer, die mehr von einem Model wollen als nur ein gutes Foto und Magerwahn: Hier treffen sich Klischee und Wirklichkeit. Ihr seien durchaus immer wieder Models begegnet, die für den Erfolg alles tun würden. "Es ist schon krass, wenn du bei einem Casting auf die Toilette gehst und jede zweite Kabine ist vollgekotzt", schildert Lea drastisch ihre Eindrücke. Doch das sei nicht die Regel: Das stressige Leben zwischen Jetlag, anstrengenden Jobs und ständiger Schlaflosigkeit verzeiht keinen ungesunden Lebensstil.

Der Magerwahn und die Realität
Das Size-Zero-Ideal beschränke sich zudem vor allem auf New York oder auch noch Paris und Mailand. In Deutschland existiere ein solcher Markt eigentlich gar nicht, schränkt Lea Befürchtungen ein, die sicher viele angehende Models im Bezug auf ihre Maße und ihr Gewicht haben.

Die meistgebuchte Kleidergröße in Deutschland sei 36, versichert Lea. Zu hungern ist also nicht nur schädlich, sondern schlicht unnötig, um in Deutschland Fuß zu fassen. Statt Kalorien zählen hat Lea einen anderen Tipp für Model-Anfängerinnen: "Finde deine eigene Schiene!" In Leas Fall ist das ihr zweites Standbein als Tänzerin, das ihr nicht nur eigene Aufträge einbringt, sondern ihr auch Modeljobs ermöglicht: Tanzen sei mittlerweile auf Fashion-Shows gefragt - glücklich, wer da Referenzen aufweisen kann.


Eine Reise ins Ungewisse
Die nähere Zukunft ist für Lea eine Reise ins Ungewisse, reizvoll zwar, aber auch riskant. Sie investiert gerade in ihre Karriere in den USA - dort arbeiten zu dürfen, ist nicht ganz einfach. Mühsam hat sich Lea ein Visum erarbeitet, Referenzen nachgewiesen, Bürgschaften eingeholt und viel Geld an einen Anwalt überwiesen, der den Papierkrieg mit der amerikanischen Einwandungerungsbehörde ausficht. Nicht genug, dass Lea viel investiert, noch darf sie außerdem keine bezahlten Aufträge in den USA annehmen. Shootings sind "Trainings" und dienen lediglich dazu, sich bekannt zu machen und Kontakte zu knüpfen. Doch Lea ist sich sicher: Wer es in den USA geschafft hat, schafft es überall und in der Branche gelte dieser Spruch viel.

Und so fliegt Lea bald wieder nach Los Angeles, um sich ihrer Karriere zu widmen, bewaffnet mit dem bedingungslosen Optimismus, den die junge Fränkin so sehr an den Amerikanern schätzt. In Los Angeles wird sie immer wieder Besuch bekommen vom Münchner Privatsender Pro7, der eine längerfristige Begleitung des jungen Models plant.

Sollte es doch nicht klappen mit dem ganz großen Durchbruch, hat Lea noch einen Plan B: Dann, so stellt sie selbstbewusst klar, will sie zur Kriminalpolizei gehen, um Menschen zu helfen.

Ein Fototagebuch aus dem Modelalltag
Lea Götz wird immer wieder für inFranken.de aus ihrem Alltag in einem Blog berichten:



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