Fasziniert betrachtet das kleine blonde Mädchen den Scherenschnitt eines Künstlers, der sich in seiner Galerie gerade den Fragen einer älteren Dame stellt. Eine weitere Besucherin schiebt ihren Kinderwagen durch die Ausstellung, in der auch Porträts von Richard Wagner, Ludwig van Beethoven und Friedrich Rückert zu sehen sind. 26 Exponate zeigt die gerade 90 mal 53 mal 35 Zentimeter kleine Szenerie, die an die Welt des 19. Jahrhunderts erinnert: Gestaltet von Engelhard Schmitt, der ab 28. November neben diversen Musikern und anderen kreativen Köpfen beim Adventsmarkt im Sand ist. Aus Schweinfurt reist der 64-Jährige an, der auf kleinstem Raum im Lauf der Jahre Großes leistete.

"Im Grunde brachte mich ein Hilfsprojekt für bolivianische Straßenkinder zum Scherenschnitt", berichtet der Unterfranke, der zuvor am liebsten zeichnete. "Mit meiner Frau überlegte ich, was man neben Porträts und einem gemeinsam gestalteten Kinderkalender noch für den guten Zweck verkaufen kann." Ihrem Rat folgend griff Schmitt zur Schere und hatte seine wahre Passion gefunden. Welche Faszination übten aber erst die Miniaturwelten einer Schweizer Künstlerin auf den Franken aus, der ihr auf dem Internationalen Erlanger Ostereiermarkt begegnete. Mit dem nötigen Geschick eiferte Schmitt der Kollegin nach und übertraf in der Szene bald alle Erwartungen.


Armer und nun winziger Poet

Kleiner, feiner und noch filigraner wurden Porträts (in einer Größe von vier mal drei oder fünf mal 3,5 Zentimetern), Landschaftsbilder (3,7 mal 2,4 cm) oder etwa Scherenschnitte nach Motiven Wilhelm Buschs: So empfand der Schweinfurter Künstler auch Max' und Moritz' Lausbubenstreiche nach. Carl Spitzwegs "armer Poet" schrumpfte von rund 35 mal 45 auf rund sieben mal acht Zentimeter, nachdem ihm Schmitt den passenden Schnitt verpasste, ebenso wie dem "Bücherwurm". Ja, das 19. Jahrhundert hat's dem Franken angetan, wie's letztendlich schon die eingangs beschriebene Galerie zeigte, die in Bamberg neben Weihnachtskarten und anderen Scherenschnitt-Miniaturen zu bewundern ist.

Vor allem aber machte sich Schmitt in der Miniaturen-Szene einen Namen, indem er Ein-Cent-Münzen-kleine Bäume gestaltete, die sich weiter und weiter verzweigten. Erst hatten sie 300, dann 600, 800 und irgendwann 1007 Äste, "was weltweit wohl einmalig ist".


Daueraustellung in Lyon


Kein Wunder, dass der Franke seine Werke mittlerweile auch in die USA verkauft, in der Schweiz und in Frankreich zeigt, wo Arbeiten beispielsweise im Musée International de la Miniature von Lyon bei einer Dauerausstellung zu sehen sind.

Übrigens kommt der Verkaufserlös aus Schmitts Adventsaktion im Sand wieder dem Straßenkinder-Projekt zugute, durch das der Künstler zu seiner wahren Passion fand. Geöffnet hat der Markt am 28. November, 16 bis 20.30 Uhr, 29. November, 11 bis 20.30 Uhr, und 30. November, 11 bis 18 Uhr.