Heiko, Thomas und ihre Kollegen kommen ganz schön ins Schwitzen. Seit vier Stunden laden sie unablässig einen Lkw nach dem anderen aus. Umzug: eine endlose Plackerei. Sämtliche, noch so kleine Gegenstände müssen eingepackt werden, Kartons dürfen nicht zu schwer werden, und vor allem: Es kommen Dinge zum Vorschein, die an die man schon gar nicht mehr gedacht hat. Doch im Vergleich zum Umzug, den derzeit die Universität Bamberg vollzieht, ist der private Wohnungswechsel ein "Kinderspiel". Wer hat schon sechs Konzertflügel, zwölf Klaviere, zwei Cembalos und zwei Orgeln bei sich zu Hause? Hinzu kommen Dutzende Notenständer, Pauken und Trompeten, Tausende Bücher, CD's und Schallplatten, eine umfangreiche Tontechnik und unzählige andere Musikinstrumente.

Insgesamt hatte die Werdauer Umzugsfirma zwei Tage Zeit, um den kompletten Lehrstuhl für Musikpädagogik und Musikdidaktik von der Feldkirchenstraße in das neue Gebäude auf der Erba-Insel zu verlegen. Um dieses sportliche Ziel einhalten zu können, wurden zwei Teams mit jeweils sechs Mann gebildet. Eines hat nur die Lastwagen in der Feldkirchenstraße beladen, das andere arbeitete auf der Erba-Insel, um dort die Lastwagen wieder auszuräumen.

Logistische Meisterleistung


Doch die Musikpädagogik ist nicht der einzige Lehrstuhl, der auf die Erba-Insel umzieht. "Was wir derzeit betreiben, ist schon eine logistische Meisterleistung", betont Uni-Kanzlerin Dagmar Steuer-Flieser. Schließlich müssen innerhalb von elf Arbeitstagen mehrere Fakultäten bzw. Lehrstühle wie die Wirtschaftsinformatik und angewandte Informationstechnik, die Kunstpädagogik, die Kommunikationswissenschaften sowie das Sprachenzentrum umsiedeln. Insgesamt sind dies 265 Arbeitsplätze, die noch bis einschließlich 10. August umziehen werden. Für das Inventar wurden 4500 Umzugskartons bereitgestellt. Das gesamte Umzugsgut beläuft sich auf rund 2270 Kubikmeter.

"Bisher läuft der Umzug bis auf einige Kleinigkeiten zu unserer vollsten Zufriedenheit und vor allem reibungslos", sagte die Kanzlerin. Jetzt mache sich die gute Vorarbeit bezahlt. Denn die Universität hat ein hausinternes Projektteam zusammengestellt, welches mit einem Objektplaner den Umzug bis ins Detail plante. Für das Ein- und Auspacken sind bis auf Ausnahmen - etwa bei den hochwertigen Musikinstrumenten - die einzelnen Lehrstühle und ihre Mitarbeiter verantwortlich.

Mehrere Einheiten vereint


Die Otto-Friedrich-Universität kann sich auf der Erba-Insel über ein 18 000 Quadratmeter großes, neues Gebäude freuen. Das entspricht ungefähr der Raumfläche in der Feldkirchenstraße mit allen Nebengebäuden. "Hier können wir dann auch endlich bisher zerstreute Einheiten zusammenführen", berichtet die Kanzlerin. Gleichzeitig könnten sich auch bestehende Einrichtungen, die an den alten Standorten geblieben sind, durch den freigewordenen Platz etwas mehr ausbreiten. Kleinere Standorte wie am Heumarkt hinter dem Café oder in St. Getreu werden dafür aufgegeben. Damit hat die Universität ab dem Wintersemester drei Standorte: die Erba-Insel, die Innenstadt sowie die Feldkirchenstraße. Laut Steuer-Flieser wird es dann auch einen Busverkehr zwischen der Erba-Insel und der Feldkirchenstraße geben, dessen Fahrplan auf die Vorlesungs- und Seminarzeiten der Studierenden abgestimmt ist.

Auch wenn der Umzug für die Musikpädagogen inzwischen abgeschlossen ist, wartet auf den Lehrstuhl noch eine Menge Arbeit. So gilt es sämtliche Kartons auszupacken, Büros einzurichten, die Musikinstrumente sinnvoll zu verstauen und Tausende Bücher und Tonträger in die Regale einzusortieren. "Zum Einpacken haben wir nicht ganz zwei Wochen gebraucht, aber ich fürchte, bis alles wieder an seinem Platz ist, wird es wesentlich länger dauern", sagt Lehrstuhlinhaber Stefan Hörmann. Doch zunächst schnauft er erst einmal auf. Der Umzug ist reibungslos über die Bühne gegangen. Jetzt fehlen nur noch die sechs Flügel, diese werden in den nächsten Tage mit einer Spezialfirma angeliefert.

Die Universität Bamberg investiert auf der Erba-Insel rund 32 Millionen Euro. Das neue Gebäude ist mit seinen sechs Stockwerken etwa 20 Meter hoch, gute 100 Meter lang und 30 Meter breit. Der Uni stehen ab dem Wintersemester etwa 9250 Quadratmeter als Hauptnutzfläche zur Verfügung. Die Fakultät Wirtschaftsinformatik und Angewandte Informatik wird voraussichtlich 3800 Quadratmeter nutzen. Weitere 1700 Quadratmeter bewohnen die Fächergruppen Musikpädagogik und Kunstpädagogik, die sich auf einen Musiksaal, Zeichensäle, Werkstätten, zahlreiche PC-Arbeitsplätze, Caféteria, Mensa und viele Leseplätze in der neuen zweigeschossigen Teilbibliothek 6 freuen können.