Hexenverfolgung in Bamberg? "Da gibt es wichtigere Themen. Wir wohnen seit 30 Jahren im Hain und die Verkehrsbelastung ist einfach schlimm." Briefe mit solchem Inhalt bekommt Stadträtin Sabine Sauer (SPD) in ihrer Funktion als Vorsitzende des Bürgervereins Bamberg-Mitte geschickt.

"Natürlich ist das Verkehrsproblem ein Thema", sagt Sauer. "Die Hexenverfolgung sollte es aber auch sein. Gerade, weil viele Opfer aus dem Inselgebiet kamen."

Mindestens 1000 Menschen wurden im 17. Jahrhundert als Hexen und Hexer in Bamberg verfolgt, gefoltert und ermordet. "Die Hexenverbrennungen sind Teil unserer Stadtgeschichte. Trotzdem gibt es bisher kein Mahnmal. Das wollen wir ändern", erklärt Sauer.

Unterstützung der Stadt Bamberg


Der Bürgerverein kann dabei auf die Stadt Bamberg zählen. Bürgermeister Werner Hipelius (CSU) sagte zu, dass die Stadt das Vorhaben unterstützen werde - "wenn es zum Beispiel darum geht, Räumlichkeiten zu finden oder logistisch etwas zu organisieren, etwa einen Sockel."

Ob das Mahnmal auf einem Sockel stehen wird, ist noch unklar. Überhaupt weiß noch niemand, wie es einmal aussehen oder aus welchem Material es bestehen wird. "Wir stehen noch ganz am Anfang, das Projekt wird nun erst einmal ausgeschrieben", erläutert Christiane Toewe vom Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Oberfranken. Mit ins Boot geholt wurde auch Barbara Kahle vom Kunstverein Bamberg - "schließlich soll das Ganze professionell ablaufen", sagt Stadträtin Christiane Laaser (GAL) vom Bürgerverein Bamberg-Mitte.

Die Ausschreibung wird zweistufig laufen: Zunächst können Künstler sich und ihre Arbeit in einer Bewerbung vorstellen. Aus diesem Kreis werden im zweiten Schritt fünf bis sechs Personen ausgewählt, die sich speziell mit dem Mahnmal auseinander setzen. Schlussendlich wird ein Entwurf von der Jury ausgewählt.

"Natürlich wollen wir als Bürgerverein auch die Bürger mitnehmen", betont Sabine Sauer. So könne die Fachjury, die aus Historikern, Fachleuten aus der Kunst und Vertretern des Bürgervereins bestehen wird, zusätzlich mit Bürgern erweitert werden.

"Bürger mitnehmen" bezieht sich aber auch auf die Finanzierung des Projekts: An der Rückseite von Schloss Geyerswörth hängt bereits ein Transparent, auf dem zu Spenden für das Mahnmal aufgerufen wird.

"Wenn es den Bambergern gelungen ist, einen Botero zu holen, dann gelingt auch ein Vorhaben in der Größenordnung des Mahnmals", sagt Werner Hipelius und zeigt sich zuversichtlich.

Denkmal oder Mahnmal?


Auf die Unterscheidung zwischen Mahnmal und Denkmal legen die Vertreterinnen des Bürgervereins Bamberg-Mitte Wert: "Wir wollen kein Denkmal, das an etwas in der Vergangenheit erinnert. An Schloss Geyerswörth soll ein Mahnmal für die Zukunft entstehen", wie Sabine Sauer erläutert, "um vor jeder Form von Fanatismus und Diskriminierung zu warnen."

Der Standort am Wasser war allerdings nicht der erste, der den Vertretern von Stadt und Bürgerverein eingefallen ist. Ursprünglich hatte man an die Promenade gedacht, da hier zu Zeiten der Hexenverfolgung das Malefizhaus - ein "Hexengefängnis" - stand. "Dieser Bereich stellte sich allerdings als zu unruhig heraus", sagt Christiane Laaser. "Dann sind wir auf Schloss Geyerswörth gekommen. Der Bezug ist da, da das Schloss Sitz der Fürstbischöfe war. Außerdem ist der Standort hinter dem Gebäude gut sichtbar und die Künstler sehen, wie viel Platz ihnen zur Verfügung steht."

Gedenktafel zusätzlich?


Es spreche aber nichts dagegen, zusätzlich noch über eine Gedenktafel an der Promenade nachzudenken. Doch nur eine solche Tafel ist den Vertretern des Bürgervereins deutlich zu wenig. Bürgermeister Hipelius fügt hinzu: "Das Thema ist wichtig. Dafür spricht auch die Tatsache, dass fast jeder Vortrag im Zuge unserer ,Hexenwochen' wegen der hohen Nachfrage bereits doppelt gehalten wird."

Etwa in einem Jahr soll das Mahnmal seinen Platz hinter dem Schloss einnehmen. Darauf freut sich auch Stadtrat Dieter Weinsheimer (FW). Auch er setzt sich dafür ein, die Geschichte der Hexenverfolgung in Bamberg aufzuarbeiten. "Bei dieser Aufgabe sollte man zusammenstehen."

Die Geschichte war es auch, die vor 25 Jahren Sabine Sauer und Christiane Laaser zusammenbrachte: Sie lernten sich in einem Hauptseminar im Fach Geschichte an der Uni Bamberg kennen. Thema: Hexenverfolgung.