Die Kirchengemeinde St. Stephan erhält endlich ein eigenes Gemeindezentrum, die evangelisch-lutherische Gesamtkirchenverwaltung wird künftig über deutlich mehr Platz für ihre Verwaltung verfügen, und die Stadt Bamberg kann sich auf einen festlichen Konzertsaal vor allem für kammermusikalische Aufführungen freuen. "Ein Gewinn für alle Bamberger Bürger" nennt denn auch Dekan Otfried Sperl das neue Zentrum auf dem Stephansberg, das bis April 2015 fertig sein soll.

Sechs Millionen Euro sind für dieses Bauvorhaben veranschlagt. Zwei Drittel der Summe sind durch Zuschussgeber wie die Bayerische Landeskirche, den Freistaat, die Oberfrankenstiftung, die Bayerische Landesstiftung oder den Kulturfonds Bayern gesichert. Der Dekan dankt vor allem dem hiesigen Landtagsabgeordneten Heinrich Rudrof (CSU) für seine erfolgreiche Vermittlung des "facettenreichen Bauvorhabens" bei den Stiftungen. Er habe einen "runden Tisch" initiiert und dazu beigetragen, die Bedeutung des Zentrums über die evangelische Gemeinde hinaus deutlich zu machen.

Zwei Millionen Euro müssen die Kirchengemeinde und die Gesamtkirchenverwaltung selbst aufbringen: "Durch Rücklagen, Sponsoring und Spenden", zählt Walter Neunhoeffer, geschäftsführender Pfarrer von St. Stephan, Geldquellen auf. "Wir haben viele Ideen für die große Aufgabe", fügt er hinzu und erzählt schmunzelnd von einem Nachbarn, der zugunsten des Projektes selbst gebrannten Quittenschnaps verkaufen wolle: "Der bringt bestimmt 5000 Euro", ist sich Pfarrer Neunhoeffer sicher.

Die St. Stephanskirche mit seinem Kapitelhaus hat zwei prominente Stifter: Kaiserin Kunigunde, die das Stift Anfang des 11. Jahrhunderts erbauen ließ, und der bayerische König Max I., der die Kirche - damals ohne Kapitelhaus - vor 205 Jahren den wenigen Bamberger Protestanten schenkte. Damit begann das evangelische Leben auf dem Stephansberg, das sich stetig entwickelte. Seit den 1930er-Jahren wurden in und um Bamberg weitere evangelische Kirchen gebaut und Gemeinden gegründet. Die Stephansgemeinde hat inzwischen über 6000 Mitglieder mit wachsender Tendenz.

Bisher kein eigenes Zentrum

Aber ein wirkliches Gemeindezentrum hat St. Stephan bislang nicht. Bisher nutzt die Gemeinde Räume in unterschiedlichen Gebäuden, die aber nicht mehr ausreichen. Im Kapitelhaus ist unter anderem die überregionale Verwaltung der Gesamtkirchengemeinde untergebracht: Alles sehr beengt und nicht mehr den heutigen gebäudlichen, sanitären oder energetischen Standards entsprechend, wie Dekan Sperl erklärt: "Allgemein bestand Sanierungsbedarf auch an den Gebäuden um den sogenannten Kapitelhof."

Nun schlägt Kunigunde sozusagen eine weitere Seite im evangelischen Buch auf: Das Kapitelhaus wird behindertengerecht umgebaut und in ein zeitgemäßes Büro- und Verwaltungsgebäude verwandelt sowie ein neues Verbindungsgebäude mit Glasfront zur Kirche geschaffen.

Das Nebengebäude auf der anderen Seite des Kapitelhofs wird für die Gemeinde St. Stephan umgebaut. Es soll dann Gemeinderäume und das Pfarramt enthalten, das bisher in der Eisgrube 18 angesiedelt ist. Geplant ist zudem eine größere Toreinfahrt vom Stephansplatz her als Zugang, Treffpunkt und Ort der Begegnung. Mit einem gewissen Stolz berichtet der Dekan von dem künftigen Kammermusiksaal mit Foyer, Garderobe und Nebenräumen, der im Kapitelhaus doppelt so groß sein wird wie der bisherige Kapitelsaal.

Sperl: "Der neue Saal wird auch anspruchsvollen akustischen Bedürfnissen genügen und eine bisher bestehende Lücke von Aufführungsplätzen schließen." Natürlich diene der Raum auch der Kantorei und Kirchenmusik von St. Stephan.

Vier Jahre dauerte die Vorgeschichte, die Planungsdiskussion und Ideensammlung um denkmalgeschützte Räumlichkeiten. Ein Architektenwettbewerb gehörte dazu. Das Würzburger Architektenbüro Grellmann, Kriebel und Teichmann überzeugte mit seinem Um- und Neubaukonzept im historischen Bestand. Auf dieses Büro geht auch die Neugestaltung städtischer Verwaltungsräume im ehemaligen Kloster Michelsberg zurück.