Helga Siebert (74) ist eine von knapp 100 Merkendorfern, die sich darum sorgen, wie es nach der Schließung des Bäckers mit der Nahversorgung am Ort weitergeht. Wolfgang Gröll erklärte im Saal der Brauerei Hummel Möglichkeiten, wie ein Dorfladen diese Lücke füllen könnte. "Renaissance der Dorfläden" ist der Vortrag überschrieben. 200 solcher Dorfläden hat Gröll in den letzten 20 Jahren schon mit aufgebaut, nur sechs mussten wieder schließen. Für Merkendorf stünde der Einzelhandelsexperte und Gründungscoach flankierend zur Seite.

Das große Interesse der Merkendorfer freute Bürgermeister Gerd Schneider und seine beiden Stellvertreter. Auch ein Großteil der Gemeinderäte war zugegen. Schneider erklärte, es gehe darum zu zeigen, "ein Dorfladen kann funktionieren."

Vor dem Hintergrund, dass der Hummel-Keller geschlossen und sich die Volks- und Raiffeisenbank aus dem Ort zurückgezogen hat, ein Versuch Schneiders, den Bürgern wieder Mut zu machen.
Abgeklärt hatte der Bürgermeister im Vorfeld, dass die Immobilie des Bäckers nicht für einen Dorfladen zur Verfügung stünde. Dafür bildet das gemeindeeigene Gebäude, in dem die VR-Bank untergebracht war, eine Option. "Wir brauchen Mut-Macher, Mit-Macher und Macher", stimmte Schneider die Bürger des 1000-Seelen-Gemeindeteils ein.

In einem temperamentvollen Vortrag erklärte der Referent das Dorfladen-Modell, wie Dorfläden auch mit kleiner Verkaufsfläche funktionieren, Personal entlohnt wird und man mit Discountern mithalten bzw. diese teilweise unterbieten kann. Regionalität und Individualität gehören neben Frische und besonderem Service zu den Erfolgsrezepten. Allerdings müssen Konzepte immer vor Ort entwickelt werden. Gewinnmaximierung steht nicht im Mittelpunkt, verschiedene Fördertöpfe lassen sich anzapfen, so der Referent.


Genossenschaftliches Prinzip

Das Dorfladen-Projekt selbst basiert auf dem genossenschaftlichen Prinzip, wobei jeder für "seinen" Dorfladen maximal die Einlage von 250 bis 300 Euro riskiere. Dorfläden sind mittlerweile mit einander vernetzt, so dass man gemeinschaftliche Enkaufskonditionen erhält. Man trifft sich unter anderem bei Fortbildungen. Gröll skizzierte die Etappen auf dem Weg zum Dorfladen. Am Anfang steht die Sensibilisierung dafür, wann ein Dorfladen gebraucht wird, gefolgt von einer Machbarkeitsstudie; die Umsetzungsphase führt zur Gründung beim Notar.


Intensiver Austausch

Intensiv genutzt wurde die Möglichkeit zum Austausch mit dem Referenten. Eine Frage betraf etwa die benötigten Lagerkapazitäten - aufgrund des Frischeprinzips eher gering. Immer wieder wollten die Bürger Details zu den Einstiegskosten. Sie werden sich im Rahmen zwischen 70  000 bis 80 000 Euro bewegen. Das Gros der Dorfläden verfügt über Verkaufsflächen zwischen 80 und 130 Quadratmeter, erklärte Gröll zu einer anderen Frage.

Er könne den Laden zwar weiter beraten und begleiten, führe jedoch keinen Laden selbst. Es bedürfe einer Dauerbegleitung, stellte Gröll klar. Für die Gründung gebe es Fördermöglichkeiten.

Wie sich die Bürger einbringen, interessierte die Versammlung: Neben den Einlagen durch anfangs ehrenamtliches Engagement wie beispielsweise Regale bauen. Dringend riet er davon ab, selbst die Buchhaltung zu machen.

Was Bürgermeister Schneider von der Veranstaltung mitnimmt, ist die nun zu behandelnden Fragestellung, ob Merkendorf bereit ist, "ein gewisses Risiko einzugehen" und das Bewusstsein: "Wir brauchen Unterstützung". Schneider resümierte in Richtung Merkendorfer: "Ich wollte Ihnen ein Modell zeigen, das bayernweit funktioniert. Wenn Sie mitmachen, kann es gelingen. "


Nur drei massive Zweifler

Nur drei der anwesenden Merkendorfer zweifeln grundsätzlich an der Machbarkeit des Projektes, wie die Abfrage des Stimmungsbildes zeigte. Als eine Anregung aus dem Abend wird das Thema über das Mitteilungsblatt vertieft. Auf Listen haben sich von den knapp 100 Anwesenden namentlich 25 Leute eingetragen, die für weitere Runden und Arbeitskreise zur Verfügung stehen.
Helga Sieberts Fazit nach diesem Impuls-Abend: "Viele möchten's haben - aber auch ihren Beitrag dazu leisten?"