Mit der Evakuierung der Splittersiedlung Borstig war Hallstadt am Sonntag vergleichsweise in überschaubarem Maße von dem konzertierten Sicherheits-Großeinsatz wegen der Bomben in Kramersfeld betroffen. Gleichwohl war der Nachbar der Weltkulturerbestadt eng in die Maßnahmen Bambergs eingebunden. Wertvolle Erkenntnisse habe dabei auch die Stadt Hallstadt sammeln können, stellt deren Bürgermeister Markus Zirkel (SPD) in seinem Resümee fest.

Von Anfang an sei Hallstadt in die Planungen eingebunden gewesen, so Zirkel. Deswegen habe die Verwaltung ihrerseits Maßnahmen treffen und die Evakuierung der elf Häuser mit ihren 22 Bewohnern gut vorbereiten können. Eine Aufgabe, wie Zirkel sie in der Stadt bislang noch gestellt worden war. Ebenso neu war sie für den jungen Mitarbeiter des Ordnungs- und Standesamtes, Patrick Söllner (21). Für den hat Zirkel höchstes Lob, gleichwohl musste die Stadtverwaltung gestern krankheitsbedingt auf ihn verzichten.

Bei der Evakuierung der Siedlung war Zirkel persönlich präsent, weil er sich ein Bild von den Abläufen machen wollte. Mit Baseballmütze und Fleece-Jacke hatten manche "den freundlichen Mann, der da geklingelt hat", so eine Siedlerin, gar nicht erkannt.

Pferde als Herausforderung

Die Herausforderung bei der Borstig-Siedlung lag überdies weniger in den Menschen, sondern in den zehn hier untergebrachten Pferden.

Zum Glück verfügen die Familien Fischer über Turniertransporter, auf die sie ihre Tiere stellen konnten und an die die Pferde gewohnt sind. Es war jedoch lange nicht klar, ob das eine Fahrzeug, an dem bis Freitag in der Werkstatt gearbeitet wurde, rechtzeitig fertig werden würde. Zum Glück befindet sich auf dem Turniergelände des Reit- und Fahrvereins auch eine Halle, in dieser wurde eine provisorische Unterkunft für die drei Pferde, die bei Familie Lange stehen, eingerichtet.

Froh ist Petra Fischer, dass die ganze Sache mit den Bomben so glimpflich abgelaufen ist. Hätte es eine laute Explosion gegeben, wer weiß wie die Tiere auf den Lastern reagiert hätten. Details mögen sie, Sohn Michael und Ehemann Rainer sich lieber nicht vorstellen. Wenigstens habe das Wetter mitgespielt, es war zumindest trocken, wenngleich ein Großteil der Siedler die Evakuierung draußen in dicken Jacken verbrachte - und sich die Zeit bei Spielen und mit Grillen vertrieb...

Feuerwehrler haben mit angepackt

Was den Borstig anbelangt, so wird die Stadt eruieren, wo im Notfall weitere Transporter für die Pferde und geeignete Quartiere bereit stünden, so Zirkel. Vor Ort war mit ihm auch Rüdiger Heusinger von der Sicherheitsbehörde des Landkreises am Landratsamt. Für alle Fälle, insbesondere was eventuelle rechtliche Fragen betrifft, hatte Hallstadt ihn flankierend hinzugebeten. Eingreifen musste er nicht. Zugepackt haben allerdings viele Feuerwehrleute aus dem Landkreis. Bambergs Stadtbrandrat Matthias Moyano hatte um Unterstützung gebeten, über Kreisbrandrat Bernhard Ziegmann wurde sie, so dieser "selbstverständlich" gewährt: Wehren aus Memmelsdorf, Stegaurach und Burgebrach schickten 50 Aktive, unter anderem mit Geräten zur Wohnungsöffnung, die aber nicht gebraucht wurden.

Klar war auch die eigene Wehr in Hallstadt mit von der Partie, so Zirkel. Insgesamt 20 Aktive waren im Einsatz, vor allem, bei der Regelung des Verkehrs, der zur Entlastung der A70 und A 73 durch Hallstadt geleitet wurde.
Die Auswirkungen der umfangreichen Straßensperrungen bekam Zirkel persönlich zu spüren: "Vom Hallstadter Freibad bis zur Schildstraße in Bamberg habe ich 35 Minuten gebraucht." Zirkel verfolgte einen Teil der Evakuierung in der Einsatzzentrale der Polizei in Bamberg. Eine wichtige Erkenntnis, die er hier gewonnen hat: "Wir brauchen bei solchen Fällen unbedingt einen Beobachter im Stab." Damit Aktuelles umgehend weitergegeben wird.

So wusste Hallstadts Wehr zeitig von der Aufhebung der Sperrungen. "Solche Infos sind draußen wichtig", betont das Stadtoberhaupt. Am Rande bekam er mit, wie Bambergs Polizei neben dem Großeinsatz noch den ganz normalen Dienst bewältigen musste: Elf Einsätze aller Art, dazu eine Prozession und der Kaiserdomlauf. Dann war da noch ein Geisterfahrer zwischen Memmelsdorf und Bamberg- Ost, der nach drei Minuten wieder verschwunden war, oder der Verkehrsteilnehmer, der eine Absperr-Warnbake beschädigte und unerlaubt verschwand. Am Ende des Evakuierungstages war Markus Zirkel zwar ordentlich durchgefroren, erwärmt sich aber umso heftiger für die neuen Erkenntnisse für künftige Einsätze.