Was wäre Darth Vader ohne den "Imperialen Marsch", der die dunkle Seite der Macht begleitet? Sang- und klanglos brächte selbst "007" Gegner oder Bond-Girls ohne passenden Soundtrack in die Horizontale. Das A und O bei Filmen ist die Musik, ob sie nun klassisch punktet im Stil von "Star Wars", elektronisch, akustisch, poppig oder jazzig wie John Barrys Kompositionen im "Dienste Ihrer Majestät". Und exakt in diesem Metier sucht Christopher Colaço, Fuß zu fassen. So gehört der 25-jährige Bamberger zu den Musikern, die den Sound zur mehrfach ausgezeichneten Komödie "Oh Boy" schrieben. Am 29. November startet in der Domstadt das Porträt eines jungen Mannes auf der Suche nach seinem Platz in einer Welt, in der im Grunde alles möglich ist.

"Näher mit Filmmusik befasst hatte ich mich nicht, bevor ich den Regisseur von ,Oh Boy' traf", berichtet Christopher Colaço, der seit drei Jahren Jazz-Piano am Jazz Institut Berlin studiert. "Nach einer spontanen Jam-Session, die er miterlebte, suchte Jan Ole Gerster den Kontakt", berichtet der Hochschüler. Was den Stein ins Rollen brachte. The Major Minors entstanden als Studenten-Quartett, das sich auf Filmmusik spezialisierte: mit Florian Menzel als Trompeter, Tom Berkmann als Kontrabassist, Philipp Schaeper als Schlagzeuger und eben Christopher Colaço als Pianist.

"Komponieren sollten wir anfangs nur einige Lieder. Schnell wurde daraus aber wesentlich mehr", so der 25-Jährige, der seit seinem sechsten Lebensjahr auch Klarinette spielt. "Das Klavier aber prägte meinen musikalischen Tast(en)sinn", betont Colaço, der mit dem Ensemble NPMconnected 2008 den bayerischen Landeswettbewerb "Jugend jazzt" gewann.

Zehn Tage Zeit

Zehn Tage bekamen die The Major Minors, um "Oh Boy" melancholische, ironische oder zuweilen auch grüblerische Untertöne zu geben. Innerhalb dieser Zeit musste der Klangteppich stehen, auf dem Taugenichts Niko alias Tom Schilling durch Berlin zieht. Farbe geben sollten der Coming-of-Age-Story nur die Melodien der Jazz-Studenten, während der Film sonst durch Schwarz-Weiß-Ästhetik besticht. "Wir arbeiteten in Zweierteams, um vorgegebene Stimmungen umzusetzen, entwickelten Ideen und finalisierten sie bei Proben", erinnert sich Colaço. Zuletzt galt es, das Ergebnis noch mit dem Produzenten und Regisseur von "Oh Boy" abzustimmen. "Alles kam sogar relativ gut an."

Vor ausverkauftem Haus lief am 31. Oktober die Berliner Filmpremiere. Gefolgt von einem Medienecho, das "absolut über unseren Erwartungen lag", wie Colaço berichtet. Schließlich gaben The Major Minors bei der Komödie ebenso ihr Debüt wie Jan Ole Gerster als Regisseur und Drehbuchschreiber. Und dennoch schwärmten Rezensenten bis hin zu einem Spiegel-Online-Kommentator, der die schwarzweißen Berlin-Bilder im Zusammenspiel mit dem Soundtrack mit "Paris und New York oder Nouvelle Vague und Woody Allen", aber eben "nicht dem jungen deutschen Film" assoziierte.

Bei der Aftershowparty spielten die Major Minors, während sich Tom Schilling gegen Mitternacht eine Gitarre schnappte, um mit seiner Freundin Annie Mosebach loszujammen. "Für mich brachte diese Erfahrung viele Kontakte, um auf weitere Engagements im Filmbereich hoffen zu können", bilanziert Christopher Colaço. Einige Projekte seien schon in Planung, über die er im Vorfeld allerdings nicht sprechen möchte. Bis dahin spielt der Bamberger noch mit seiner 16-köpfigen Action-Musical-Band am Deutschen Theater Berlin, um "Fahr zur Hölle, Ingo Sachs" den nötigen Drive zu geben.

Bildern Tiefgang geben

Dabei bleibt Jazz die wahre Liebe des 25-Jährigen - ebenso wie die Filmmusik, die er neuerdings damit verbindet. "Filmmusik bedeutet, Bildern Tiefgang zu geben, Menschen mitten ins Herz zu treffen", philosophiert Colaço. Reist der Bamberger zur Premiere im Lichtspielkino an die Regnitz, um sein Debüt dem Publikum vorzustellen? "Lust hätte ich schon." Zumal ihm Freunde begegnen könnten, die den Studenten noch aus der Zeit am E.T.A-Hoffmann-Gymnasium kennen, wo Colaço vor sechs Jahren Abitur machte. Bamfunk hieß die Band, in der er damals spielte und mit diversen Stilrichtungen experimentierte. "Ich war übrigens auch ein passionierter Jazzkeller-Gänger, habe an der Kasse, der Bar gearbeitet und davon geträumt, meine Musik zu meinem Beruf zu machen." Ein Traum, der sich nach und nach offenbar erfüllt.

In Bamberg läuft der Streifen "Oh Boy", der beim Filmfest München und dem internationalen Filmfest Oldenburg ausgezeichnet wurde, ab 29. November im Lichtspielkino (22.45 Uhr).