Lisa Badum muss sich nicht an einen Baum ketten. Zumindest nicht mehr in diesem Winter im Hohen Buchenen Wald bei Ebrach. Am Wochenende hatte die Bundestagsabgeordnete der Grünen aus dem Wahlkreis Bamberg-Forchheim gemeinsam mit Vertretern mehrerer Umweltverbände mit dieser Maßnahme gedroht, sollten die jüngst wieder aufgenommenen Fällungen nicht aufhören. Der Forstbetrieb Ebrach hatte nach Aufhebung des geschützten Landschaftsbestandteils im Steigerwald, bestätigt durch das Bayerische und das Bundesverwaltungsgericht, nach vier Jahren Pause wieder Bäume geschlagen. Das wird je nach Perspektive als "vorsichtige Pflegemaßnahme", als "profitorientierter Skandal" oder als "existenzsichernd" bezeichnet.

Pflege oder Profit?

Etwa 100 Buchen wurden gefällt. Keine davon hatte einen Durchmesser von 80 Zentimetern oder mehr in Brusthöhe, was für die Bayerischen Staatsforsten die Definition eines "dicken" Baums erfüllen würde. Wie Badum und Greenpeace betonen, waren allerdings einige etwa 60 Zentimeter dicke Buchen dabei, die teils über 150 Jahre alt waren. Laut Jan-Paul Schmidt, Sprecher der bayerischen Staatsforsten, handelte es sich um "sehr zurückhaltende Pflegemaßnahmen, bei der die Förderung der Eichen klar erkennbar war". Dies sei auch vom Ministerium für Forstwirtschaft geprüft worden. Zwar räumt Schmidt ein, dass das Holz der gefällten Buchen auch verkauft wurde. Aber es sei auch bewusst viel "Kronenmaterial" und wichtiges Totholz für die zahlreichen Tier- und Pflanzenarten im Ebracher Forst geblieben.

"60 Euro pro Meter Buche ist es den Bayerischen Staatsforsten wert, den wichtigsten Naturschatz Bayerns zu zerstören", meint hingegen Lisa Badum. "Die Fällungen sind keine Pflegemaßnahmen, sie sind ein profitorientierter Skandal." Etwas subtiler drückt sich Volker Oppermann von Greenpeace Bayern aus: "Es kann schon sein, dass die eine oder andere Eiche gepflegt wurde", sagt er, fügt aber hinzu: "Unter diesem Vorwand lässt sich viel machen. Die Eiche braucht eigentlich kaum Förderung. Und Buchennutzung ist Wertholznutzung."

Wirtschaftliche Folgen

Das Holz nutzt zum Beispiel das Sägewerk Reitz in Wonfurt, das 20 Mitarbeiter beschäftigt. "Ich beziehe über die Hälfte des Holzes von den Forstbetrieben Ebrach", sagt Geschäftsführer Philip Reitz. "Wenn da nichts kommt, kann ich dicht machen." Reitz sei das Thema leid: Seit Jahren spreche er auf Podiumsdiskussionen und anderen Veranstaltungen mit allen Beteiligten. Er hält das Konzept der Forstbetriebe für nachhaltig. "Und es gab ja auch Gerichtsurteile, warum kann man das nicht akzeptieren? Das ist existenzbedrohend!"

Auch Staatsforsten-Sprecher Schmidt sagt, dass das derzeitige Konzept für den Steigerwald bereits im Sommer vorgestellt und damals auch von den Umweltverbänden begrüßt worden sei. Bei den Fällungen seien nur etwa 20 Prozent der Bäume geschlagen worden, wie möglich gewesen seien.

Trotzdem verkündeten die Staatsforsten einen Stopp der Fällungen für den Winter 2018/19. Und auch am Konzept soll noch einmal gearbeitet werden: "Der Vorstand der Bayerischen Staatsforsten hat den Forstbetrieb Ebrach gebeten, auch für künftige Maßnahmen in diesem Waldgebiet ein Konzept - einschließlich eines Schutzplanes - vorzulegen", teilt die Behörde auf Anfrage mit. Im Anschluss soll es den interessierten Verbänden und der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Wann genau das passieren soll, ist noch unklar.

Beim Hohen Buchenen Wald im Ebracher Forst handelt es sich um eine rund 800 Hektar große Fläche, in der noch viele Biotop- und Methusalembäume stehen, darunter laut Bund Naturschutz etwa 7600 Altbuchen. Biotopbäume bieten einen guten Lebensraum für zahlreiche Arten, Methusalembäume haben einen Durchmesser von 80 Zentimetern oder mehr. Die Staatsforsten haben sich auferlegt, solche Bäume nicht zu schlagen. So sind sie auch nicht von den jüngsten Fällungen betroffen gewesen. Mit dem Fällen junger Bäume werde aber auch die Chance genommen, dass diese einmal zu Methusalems werden, meint die Grünen-Abgeordnete Badum.