Es war ein regelrechter Beutezug, den eine Mutter (68), deren Sohn (48) und eine Bekannte (69) im März dieses Jahres durch ganz Nordbayern unternommen haben. In Bayreuth, Fürth, Schweinfurt, Kulmbach, Nürnberg, Schwabach, Rödental, Forchheim und Bischberg stahlen sie Kleidung und Schuhe im Gesamtwert von über 9000 Euro. Nun standen die drei Polen vor dem Schöffengericht und kamen trotz gemeinschaftlichen schweren Bandendiebstahls mit zweijährigen Bewährungsstrafen davon.

Offenbar gezielt hatte sich die "Familien-Bande" weitläufige Geschäfte und umsatzstarke Tage für ihre Ladendiebstähle ausgesucht. Bei mehr als 5000 Quadratmetern Verkaufsfläche hatten man es leichter, einen ruhigen Platz zu finden, um die Sicherungsetiketten aus den Jacken, Pullovern und Schuhen zu entfernen. Die hätten beim Hinaustragen sonst Alarm ausgelöst. Wenn man sie unsachgemäß entfernt hätte, wäre zudem eine Farbpatrone explodiert, die die Ware dann unbrauchbar gemacht hätte. Deshalb führte der Sohn, der zugab, die Idee zu der vermeintlich einträglichen Rundfahrt gehabt zu haben, einen Magnetlöser mit sich. Mit einem ähnlichen Gerät wird an der Kasse das Sicherheitsetikett entfernt.

Zahlreiche Vorstrafen

Dass der Kopf der Bande sich in seinem Metier auskannte, zeigten Vorstrafen, die er sich an den Amtsgerichten in Aue (2006), Dresden (2011) und Schwäbisch Hall (2014) eingefangen hatte. Schon damals war er mit seiner Mutter unterwegs gewesen, die dadurch ebenfalls im Bundeszentralregister auftauchte.

Außerdem sorgte der rege Publikumsverkehr besonders im Kassen- und Ausgangsbereich dafür, dass die beiden älteren Damen, die das Diebesgut in Taschen oder in mehreren Lagen am Körper vor aller Augen hinaustrugen, dem vom Geschäftsbetrieb abgelenkten Personal nicht auffielen.

Gerade das Alter von fast 70 Jahren hatte wohl dafür gesorgt, dass niemand argwöhnisch geworden war. "Mich wundert schon, mit welcher Unverfrorenheit sie sich in den Läden bewegt und herausgeholt haben, was sie tragen konnten", so die Vorsitzende Richterin Gudrun Göller. Zumindest nicht bis zu dem Tag Anfang März, als das Trio aufflog.

Als die Polizei den Kofferraum des Kleinwagens kontrollierte, staunte sie nicht schlecht. Es fanden sich Dutzende Waren im Wert von mehr als 9000 Euro, deren Herkunft man auf Grund des sofortigen Geständnisses des Sohnes und der Daten aus dem Navigationsgerät zurückverfolgen konnte.

Auch in Bischberg zugelangt

Besonders die Filialen von Schuh Mücke in Bischberg (4200 Euro), Forchheim (etwa 1100 Euro Schaden), Schwabach (1000 Euro) sowie Bayreuth, Fürth, Rödental, Nürnberg, Kulmbach und Schweinfurt (insgesamt 2800 Euro) hatten es ihnen angetan. "In Polen sind die Geschäfte viel kleiner. Da fällt es schwerer, etwas zu stehlen," erklärte die Mutter, warum sie nicht in ihrem Heimatland tätig gewesen seien.

Im breiten Sortiment aus Textilien und Schuhen war für jeden Geschmack etwas dabei. Schließlich behielt das Trio die schönsten Stücke für sich, einen Teil verschenkte sie an Familienangehörige, den Großteil aber verkauften sie in ihrem Heimatort Koszalin nahe der Ostseeküste. Zumindest war das der Plan, den man gefasst hatte, bevor man sich ins Auto der Mutter gesetzt und auf den Weg nach Franken gemacht hatte.

Ein Schaden ist durch die Rückgabe der gestohlenen Textilien und Schuhe nicht entstanden. Wären die Taten unentdeckt geblieben, die beiden Damen hätten mit dem Anteil von etwa 300 Euro ihre polnische Rente glatt verdoppelt. So aber haben sie erst einmal sechs Monate in Untersuchungshaft in den Justizvollzugsanstalten Bamberg und Nürnberg verbracht.

Dies war ein wichtiger Aspekt, warum auch Staatsanwältin Lea Klautke noch eine Bewährungsstrafe vertreten konnte. Nun heißt es für Mutter und Sohn, das seit einem halben Jahr von der Polizei sichergestellte Auto wieder flott zu bekommen. Die dritte bislang unbescholtene Angeklagte kündigte bereits an, zu ihrer Tochter nach Großbritannien auswandern zu wollen.