Eine Sch...-Idee sei das gewesen. Darin sind sich die drei Angeklagten aus dem Großraum Nürnberg-Fürth heute einig, die sich seit Dienstag in Bamberg vor der Jugendkammer des Landgerichts verantworten müssen: Sie haben am 30. November 2016 in aller Frühe eine Bäckerei-Filiale in Gößweinstein überfallen und 1357,52 Euro erbeutet.

Weil eine Waffe im Spiel war, sind sie wegen schweren Raubs angeklagt. Auch die psychischen Folgen für das Opfer dürften bei der Strafzumessung des Gerichts erschwerend ins Gewicht fallen: Die 52-jährige Bäckerei-Verkäuferin leidet seit dem Überfall unter Angstzuständen und Schlafproblemen. Sie ist noch krank geschrieben.


Verkäuferin war allein

Die Frau hatte den Laden am 30. November für den Verkauf vorbereitet, als es gegen 5.20 Uhr an der Tür klopfte. Als sie öffnete, stand nicht, wie erwartet, eine Kollegin draußen, sondern ein maskierter Mann mit Pistole. "Überfall, Tresor aufsperren!" lautete dessen kurze Anweisung. Gewalt wandte der Täter keine an.

Auch an das Geld kam er leicht: Am Tresor steckte entweder der Schlüssel oder er war zumindest schon aufgesperrt. Der Räuber nahm zielstrebig eine verplombte Geldtasche heraus und verließ damit das Geschäft. Draußen warteten sein Bruder und ein Freund, mit dessen Auto man unterwegs war und nun in Richtung Autobahn flüchtete.

Dass sie am Tatort waren, gaben alle Angeklagten zu. Die Angeklagten: Das sind die Brüder Peter (24) und Michael B. (23), die in Fürth und Nürnberg leben, sowie der 20-jährige Nürnberger Ralf S. (Namen von der Redaktion geändert).

Die Idee zum Überfall, die Kfz-Kennzeichen zum Auswechseln, Sturmmaske, Handschuhe und eine Schreckschusspistole hatte Michael B. Daraus machte er auch gar keinen Hehl.

Das notwendige Auto und das Insider-Wissen stammte von Ralf S.: Der 20-Jährige arbeitete in der Vergangenheit als Fahrer und belieferte mehrere Monate lang auch den Bäckerladen in dem Gößweinsteiner Einkaufsmarkt. Er wusste, dass zu so früher Stunde stets nur eine Verkäuferin anwesend ist, wann die Ware geliefert wird, und - vor allem -, dass der Fahrer die Einnahmen vom Vortag mitnimmt, die über Nacht im Tresor liegen.

Peter B. war bei jener nächtlichen Fahrt nach Gößweinstein dabei, will aber erst unterwegs erfahren haben, was dort geplant ist. Er versicherte: "Ich wäre definitiv nicht in das Auto eingestiegen, wenn ich gewusst hätte, was die beiden vorhaben."

Laut Anklageschrift stand er am Tatort Schmiere für seinen Bruder und gab Ralf S. das Signal zum Starten des Motors, als Michael mit der Beute den Laden verließ. Beides streitet Peter B. ab. Im Gegenteil: Wie er sagte, habe er unterwegs noch versucht, die anderen von ihrem Vorhaben abzubringen. Das sei ihm leider nicht gelungen.

Am Tatort will er sich dann völlig herausgehalten haben und auch nicht den ihm zugedachten Anteil am erbeuteten Geld behalten haben. Er gab die rund 450 Euro seinem Bruder, als man auf der Rückfahrt an einer Spielothek hielt - was dieser bestätigte.

Am Parkplatz der Spielothek entsorgte Michael B. die Kennzeichen, die er und Ralf S. kurz vor Gößweinstein auf die echten Nummernschilder montiert hatten. Die Tatwaffe hat der Jüngere der Brüder angeblich schon vorher aus dem fahrenden Pkw in ein Waldstück an der Autobahn geworfen. Es soll sich um eine Schreckschusspistole gehandelt haben, die nicht geladen war. Michael B. hatte sie sich von einem Freund ausgeliehen, der angeblich nichts von den Überfall-Plänen wusste.


Tatmotiv Schulden

Die beiden jüngeren Angeklagten erwähnten vor Gericht eher nebenbei, dass sie mit der Pistole schon ein bis zwei Wochen vor dem 30. November einen Überfall auf eine Bäckerei-Filiale in Nürnberg geplant hatten, der dann aber scheiterte. Als Motiv nannten sie Geldnot. "Er hatte Schulden, ich hatte Schulden. Er wollte sich was leisten, ich wollte mir was leisten", drückte es Michael B. aus.

Dabei hatte S. zur Tatzeit Arbeit und ein Einkommen von 1400 bis 1500 Euro. Michael B. verdiente sich mit Gelegenheitsjobs Geld und gab zu, dass sein Arbeitgeber und Freunde ihm sicher auch weiterhin Geld geliehen hätten.

Die Brüder B. - beide sind vorbestraft - sitzen seit Monaten in Untersuchungshaft. Ein Umstand, der vor allem den 24-jährigen Peter hart trifft: Seine Verlobte hat vor wenigen Tagen das gemeinsame Kind geboren. Dass er vor Gericht erstmals Angaben zur Sache machte, begründete er denn auch mit seiner Situation. Er habe lange nachgedacht und überlegt, ob er seinen Bruder belasten wolle. Aber: "Welcher Vater will schon im Knast sitzen, wenn sein Kind auf die Welt kommt!?"

Der Prozess geht am 24. Juli weiter und voraussichtlich auch zu Ende.