Ob der Osterhase bei Michaela und Roland Rügheimer in Pfarrweisach kauft? Oder lieber beim Discounter um die Ecke, um ein paar Cent pro Ei zu sparen? Schwer zu sagen. Sicher ist aber, dass um des deutschen liebstes Frühstücksmenü, das Jahr für Jahr 18,5 Milliarden Mal geköpft wird, ein erbitterter Preiskampf tobt. Auf dem Rücken der in Franken zahlreichen Direktvermarkter wie dem mobilen Hühnerstall im unterfränkischen Pfarrweisach.

Michaela Rügheimer ist dem Preiskampf von Aldi, Lidl und Co. nicht schutzlos ausgeliefert, wo zehn Eier aktuell meist nur noch 99 Cent kosten. "Bei solchen Preisen könnten wir nie mithalten und wollen das auch gar nicht", sagt die Landwirtin, auf deren grüner Wiese sich um die 3000 Legehennen tummeln. Glücklich, wenn der Augenschein nicht trügt.

Roland Rügheimer rechnet den Aufwand pro Ei hoch: das Küken, das Futter, der Stall, der Tierarzt, die Arbeitszeit, die Fahrten zu den Kunden, die den Lieferservice schätzen ... 9,9 Cent pro Ei sind da völlig illusorisch "bis unanständig". Ein kleiner Betrieb, der seinen Aufwand realistisch kalkuliert, kann das Auf und Ab beim Eierpreis nicht mitmachen und die jüngste Talfahrt schon gleich gar nicht.

Die Rügheimers haben sich durch geschickte Vermarktung vom Preisdiktat der Discounter ein Stück weit abgekoppelt. Ein Großteil der Eier geht direkt an die Stammkundschaft; ein wichtiger Abnehmer sind regionale Supermärkte, wo die glücklichen Eier aus Pfarrweisach ebenfalls ihre Fanclubs haben. "Viele Leute kaufen ganz bewusst regional, sie schätzen die Qualität aus einem Hof, den man anschauen kann, und geben dafür gerne auch ein bisschen mehr Geld aus", sagt Michaela Rügheimer. Die zufällige Stichprobe in einem Markt in Haßfurt bestätigt die Aussage: Das Eierregal ist quer durch alle Preisklassen gut gefüllt, die Pfarrweisacher Eier sind ausverkauft. "Gerade bei den Eiern wird von vielen Kunden nach der Herkunft gefragt. Und es gibt ja auch eine ganze Reihe fränkischer Erzeuger", sagt der Marktleiter.

Ähnlich wie der Pfarrweisacher Hühnerhof setzen auch die anderen fränkischen Eierproduzenten auf kurze Wege sowohl zum Kunden als auch beim Futter, das in der Regel ebenfalls aus der Region kommt. Damit sind die fränkischen Hühner nicht nur gegen die zeitweise enormen Preisschwankungen beim Discounter immun, sondern auch gegen die Skandale, die ab und an suggerieren, dass beim Ei etwas faul ist. 2010 etwa war es das in manchen Futtermitteln entdeckte Dioxin, das ausgerechnet Bio-Eier in Verruf brachte. "Der nächste Skandal kommt bestimmt", fürchtet Roland Rügheimer: Da die Produzenten längst alle Sparpotenziale ausgereizt haben, lassen sich Dumpingpreise nach seiner Ansicht nur über Masse (mehr Hühner) oder über Klasse (schlechteres Futter) erzielen. "Ich möchte lieber nicht wissen, was so manches Huhn fressen muss."


Unruhen in der Ukraine heizen Preiskampf an

Die Wurzel des Übels lokalisierten Experten beim Dioxin in der Ukraine, wo Fett-Abfälle zu Hühnerfutter verarbeitet worden waren. Damit schließt sich der Kreis zum aktuellen Preiskampf um das Osterei, der ausgerechnet durch die politischen Unruhen in der Ukraine weiter angeheizt wurde.

Die Europäische Union hat die Einfuhrzölle für das osteuropäische Land gelockert, um der am Boden liegenden Wirtschaft und damit den westlich orientieren Demokraten in Kiew zu helfen. Die deutschen Ei-Produzenten befürchten nun unter anderem eine "Schwemme von Billig-Eiern" aus der Ukraine. Dort wird, anders als in der EU, noch immer die Hühner-Massenhaltung in Käfigen praktiziert.

Im Verein mit dem niedrigen Lohnniveau können die Hühnerhalter in der Ukraine konkurrenzlos günstig produzieren, sagt der Vorsitzende des Bundesverbands Deutsches Ei (BDE), Günter Scheper. Bislang waren ihm vor allem die Importe aus den Niederlanden ein Dorn im Auge. In holländischen Ställen werden dreimal mehr Eier produziert, als die Niederländer verbrauchen. Der Ei-Überschuss fließt in den Export, vor allem nach Deutschland, wo sich Eierleger und -esser nur zu 75 Prozent die Waage halten.

In Deutschland wurden im letzten Jahr nach Angaben der Informationsgesellschaft Deutsches Ei 18,5 Milliarden Eier verbraucht, 217 Stück pro Kopf. Damit konsumiert jeder Deutsche in etwa so viel Eier, wie ein Huhn legt. In Deutschland gelegt wurden davon zwölf Milliarden Eier, 8,5 Milliarden Eier waren Import. Die Summen-Diskrepanz erklärt sich daraus, dass auch deutsche Eier in den Export gehen. Nichtdeutsche Eier wandern in Deutschland fast ausschließlich in die Lebensmittelindustrie, das Frühstücksei ist in aller Regel ein Inländer. Erfreulich für die Konsumenten: Im März 2014 mussten die Verbraucher für Eier 7,6 Prozent weniger zahlen als im März 2013.


Allzeittief bei Aldi

Wie das Statistische Bundesamt ausführt, stiegen die Eierpreise von März 2013 bis Dezember 2013 zwar leicht an, gingen dann aber zwischen Dezember 2013 und März 2014 stark zurück, was vor allem an der Vorlage des Discounters Aldi liegt, der mit 99 Cent für die Zehnerpackung ein neues Allzeittief schuf und andere zum Nachziehen zwang. "Damit wurde ein dauerhafter Niedrigpreis definiert", sagt Scheper.

Die Kunden freut's, die Landwirte sind die Leidtragenden, dem Osterhasen ist es piepegal, und die Hühner werden ja sowieso nicht gefragt.