Vor ungefähr 20 Jahren fing es an. Weil die analoge terrestrische Hörfunkübertragung über UKW (Ultrakurzwellen) kaum noch entwicklungs- und ausbaufähig war, begann man hierzulande den terrestrischen, über erdgebundene Funksender ausgestrahlten, Hörfunk zu digitalisieren - als Zusatzangebot. Die Übertragungstechnik hierfür war DAB (kurz für Digital Audio Broadcasting). Der heutige Standard, DAB+, ist eine Weiterentwicklung - noch bessere Tonqualität und programmbegleitende Zusatzinformationen auf dem Display.

Neue Senderstandorte

"In der Regel können Sie DAB+ draußen, also unterwegs, überall in Franken gut empfangen", berichtet ein Experte des Bayerischen Rundfunks (BR) auf Nachfrage. In Gebäuden liege die Empfangsmöglichkeit derzeit bei 91,1 Prozent. "Der BR ist aktuell dabei, seine Sendernetze weiter zu verdichten, um den Empfang dort zu verbessern, wo er noch nicht innerhalb von Gebäuden möglich ist."

Dass dies nicht nur Versprechungen sind, zeigt ein Blick auf Oberfranken. Anfang April ging der neue DAB+-Senderstandort des BR in Ludwigsstadt (Landkreis Kronach) in Betrieb. Im nördlichsten Franken ist seither der Empfang stark verbessert. Für den Empfang der landesweiten Programme sollen demnächst weitere Senderstandorte in Kronach und Kulmbach dazukommen.

Klasse Ton ohne Rauschen

Wer jeden Morgen wie gewohnt sein altes Radiogerät einschaltet, hat von den neuen digitalen Empfangsmöglichkeiten freilich noch gar nichts mitbekommen. Mit einer Ausnahme: Bayern-1-Hörer, die gerne die Volksmusikangebote des Senders eingeschaltet hatten, müssen seit drei Jahren darauf verzichten. Der BR hat sie aus dem Programm genommen und auf seiner Digitalwelle BR Heimat platziert. Für viele Hörer der erste Kontakt mit DAB+. Meist ein erfolgreicher.

"Ich habe mir so ein neues Radiogerät mit DAB+ gekauft", erzählte unlängst ein Kollege. "Einfach eingeschaltet, klasse Ton ohne Rauschen, und auf dem Display waren sofort Informationen über das gespielte Stück zu sehen." Um das gewünschte Programm zu finden, habe er einfach auf einem Knopf weitergedrückt. Zunächst habe sein neues Gerät "Schwarzwaldradio" angezeigt.

Als erstes kam "Schwarzwaldradio"

Dass er zunächst auf "Schwarzwaldradio" stieß - immerhin Pop- und Rockklassiker sowie Oldies von den 1960er Jahren bis heute samt Urlaubstipps - ist kein Wunder. Es ist eines von 13 bundesweit empfangbaren Programmen (ähnlich Deutschlandfunk, Klassik Radio oder Radio Horeb). Diese unter dem Kanal 5C ausgestrahlten nationalen Programme empfängt ein Hörer, der in Flensburg ins Auto steigt und durch die Republik fährt, durchgehend, auch noch in Garmisch-Partenkirchen. Daneben gibt es bayernweit empfangbare Programme sowie regionale Angebote, in Unterfranken etwa Radio Charivari oder Radio Primaton, in Mittelfranken Radio 8 oder in Oberfranken Radio Bamberg, Radio Eins oder Radio Plassenburg.

Vor 70 Jahren ging der allererste UKW-Sender Europas in München auf Sendung. Und dieses UKW-System mit seinen gegenüber der Mittelwelle erheblichen Verbesserungen in puncto Empfangs- und Klangqualität ist nach wie vor das meist genutzte Radiosystem. Ein Ende ist auch nicht abzusehen. Zumindest existiert nach wie vor kein Abschalttermin für diese Art der Übertragung. Dafür wäre es auch zu früh.

Bei aller Euphorie über die neue Technik, die neben einer viel größeren Zahl an Sendeplätzen vor allem völlig rauschfreies Radiohören ermöglicht: In Deutschland gibt es erst in knapp 23 Prozent der Haushalte ein Radio, mit dem DAB+ empfangen werden kann. Wie aus dem von den Landesmedienanstalten veröffentlichten Digitalisierungsbericht Audio hervorgeht, liegt im bundesweiten Vergleich Bayern an der Spitze. Hier haben knapp 30 Prozent der Haushalte ein solches Radio.

Behörde: Grenzwerte unterschritten

In der Regel können diese beides empfangen - DAB+ und UKW. Wobei es Technikfreaks gibt, die dem UKW-Klang immer noch den Vorzug geben. Er sei voller und nicht so steril. "Aus technischer Sicht ist der Unterschied zwischen UKW und DAB+ in etwa so wie der Vergleich von Vinyl-Platten und CDs. Die digitale Übertragung hat eine etwas andere, brillantere Klangfarbe als die analoge", heißt es dazu beim BR. Letztlich sei zu berücksichtigen, dass heute bei vielen Musiktiteln der Ursprung bereits digital ist. Und DAB+ ohne Rauschen, Aussetzer oder Störungen sei am Ende einfach zweckmäßiger.

Bleibt noch die Angst einiger Bürger vor womöglich höherer Strahlenbelastung. Im Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramm sei vor mehr als zehn Jahren untersucht worden, welcher Stärke der elektromagnetischen Felder die Bevölkerung durch digitale Rundfunksender ausgesetzt ist, sagte ein Sprecher des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit auf Anfrage. An allen Messpunkten seien die Grenzwerte um mindestens den Faktor 400 unterschritten worden.

Was gibt es technisch zu beachten?

Gerätekauf

DAB+ kommt ohne Internetverbindung aus. Außer den Anschaffungskosten für ein DAB+ -taugliches Radiogerät (Rundfunkbeitrag wie bisher) fallen keine Zusatzkosten an. Gute Geräte gibt es bereits für ca. 50 Euro im Handel.

Bedienung

Frequenzen finden und merken ist nicht mehr nötig. Einschalten und das Gerät sucht sich die Sender. Entweder ein Programm läuft oder nicht - dazwischen gibt es nichts.

Empfang

Wer genau wissen möchte, welche Programme er an seinem Wohnort digital empfangen kann, geht auf die Internetseite www. empfangsprognose.de . Hier einfach PLZ oder Wohnort eingeben.

Auto

Bei jüngeren Modellen kann das eingebaute Autoradio mit entsprechendem DAB+ -Adapter umgerüstet werden.