Ein richtiges Doppelleben ist es nicht, das Evelyn Strauch seit kurzem führt. Eher eine Andeutung davon. Die 69-jährige Bambergerin ist Stadträtin und ist es doch nicht. Als Freie Wählerin rückt sie für den im Dezember verstorbenen Wolfgang Wußmann (BA) in den Stadtrat nach. Doch von ihrem neuen Status wird sie nicht allzu viel spüren.

Mindestens bis zur Kommunalwahl ist das politische Tagesgeschäft in Bamberg auf Eis gelegt, die nächste Stadtratssitzung findet erst Ende April statt.

Über den Sinn dieser fast schon traditionellen Regelung kann man streiten. Nur weil am 15. März Bambergs Oberbürgermeister und 44 Stadträte gewählt werden, steht die Zeit nicht still. So wird sich der neue Stadtrat, wenn er sich dann voraussichtlich im Mai konstituiert hat, schon bald mit den ungelösten Aufgaben des alten herumschlagen müssen. Zwar haben die 44 amtierenden Stadträte in den vergangenen sechs Jahren eine Menge Entscheidungen getroffen, doch es gibt auch Leichen, die im Rathauskeller ein beschauliches Dasein fristen. Was wird aus dem Ankerzentrum?

Die politische Großwetterlage macht wenig Hoffnung, dass umstrittene Aufnahmezentren wie im Bamberger Osten künftig nicht mehr gebraucht werden. Doch die Idee des Stadtrats, schon frühzeitig eine Planung für die Zeit nach 2025 auf den Weg zu bringen, ist über die Willensbekundung nicht hinausgekommen. Dabei scheint kein Gebiet besser geeignet, um bezahlbares Wohnen in Bamberg möglich zu machen. Ins Stocken geraten sind leider auch die Verhandlungen mit dem Freistaat über eine vorzeitige Herausgabe einzelner (leer stehender) Wohnblocks. Hier hätte die GroKo zeigen können, was in ihr steckt. Das Klima muss warten.

Verschoben wurde unlängst im Umweltsenat die Entscheidung darüber, wie Bamberg auf die Anforderungen des Klimawandels reagieren will. Keine Kleinigkeiten. Denn es geht darum, den Ausstoß von Klimagasen zu senken, ohne die Wirtschaft abzuwürgen. Ungelöst harrt auch der Themenkomplex Verkehrswende einer Beantwortung. Zwar hat der Stadtrat die Reduzierung des Automobilverkehrs in Bamberg bereits beschlossen - doch an die brisanten Konsequenzen dieser Grundsatzentscheidung traut er sich nicht ran. Bamberg setzt auf Mobilität durch Aussitzen. Schulden für die Schulen?

Fragt man Bambergs Lehrer, dann spotten die Zustände in nicht wenigen Grund- und Mittelschulen der Stadt jeder Beschreibung - ein in Jahrzehnten aufgebauter Investitionsstau. Diese Altlast fällt dem Stadtrat jetzt auf die Füße. Denn wie soll es gelingen, mehrere Jahrhundertprojekte nebeneinander zu stemmen, ohne neue Schulden zu machen? Was macht der Bahnausbau mit Bamberg?

Die neue Trasse verbessert die Gleisanbindung Bambergs - das steht fest. Doch bevor es so weit ist, werden die Arbeiten die Stadt ein Jahrzehnt lang lähmen. Abgesehen von den Nebenwirkungen des milliardenschweren Verkehrsprojekts stellt sich die Frage nach den Kosten für Bamberg. Auf über 50 Millionen Euro werden sie bei sieben neuen Brücken und Unterführungen taxiert. Noch sind viele Details unklar, etwa die Frage, wie die Verkehrsfunktion der Geisfelder Unterführung aufrecht erhalten werden kann.

Das halbherzige Bekenntnis zur Kultur.

Seit Jahren diskutieren die Stadträte über die Finanzierung des Kulturraums Kesselhaus und des Kulturquartiers Lagarde. Doch ebenso lange drücken sich die Stadträte vor der Frage: Wer kann das bezahlen? Wohnen ist die Mutter der Probleme.

Eine Umfrage der Stadt hat es bestätigt: Wenn es ein Thema gibt, das vielen auf den Nägeln brennt, dann der Mangel an bezahlbarem Wohnraum. Leider hat die Stadt selbst zu seiner Verschärfung beigetragen, indem sie es lange ignorierte. Erst 2019 entdeckte die "Stadtbau" nach langer Pause den Bau von Sozialwohnungen wieder. Noch ist das nur der Tropfen auf dem heißen Stein. Auch ein Gesamtkonzept für bezahlbares Wohnen fehlt. Keine Munition für die Muna?

Die Bürgerinitiative Hauptsmoorwald hat die Gewerbepläne der Stadt unsanft gestoppt. Doch warum wurde der Scherbenhaufen 2019 nicht aufgeräumt? Was soll hier passieren? Wer entfernt die Altlasten? Der neue Stadtrat muss das Versäumte nachholen. Zwei Leichen im Keller der Stadt.

Gab es da nicht was mit dem Heroldhaus? Das umstrittene 70er-Jahre-Gebäude im Hain sollte erst in ein Hotel und dann in eine Moschee umgewandelt werden. Mittlerweile hat sich die Immobilie zum Schauplatz eines juristischen Mehrfrontenkriegs entwickelt. Und was ist eigentlich aus Jungkreut geworden? Das ebenso begehrte wie umstrittene Neubaugebiet in Gaustadt wurde mitten im Einzugsgebiet eines Brunnens geplant. Ein Schlag ins Wasser - oder doch nicht? Multikulti im Norden. Was ist das Gegenteil von Bürgerbeteiligung? Viele Anwohner von Bamberg-Nord glauben das zu wissen. Sie fühlten sich mit der Genehmigung für eine Moschee in der Baunacher Straße heillos überfordert - das dritte muslimische Gotteshaus in engster Nachbarschaft. Eine Nachbearbeitung im Stadtrat scheint überfällig.