Nachmittags, am Freitag, den 13. Juli, 16 Uhr, Termin in Roßdach. Ob es am Aberglaubens-Datum lag? Kaum zu beantworten. Genauso wenig wie die offenen Fragen, die ungestellt bleiben mussten. Eine vertane Chance. Nicht so sehr für den Journalisten, wir leben von unserem schier unerschöpflichen Fragen-Fundus. Aber die Roßdach-Fragen, sie hätten so Bedeutendes klären können. Es geht um die 30 Menschen, die seit dem vergangenen Jahr in dem kleinen Scheßlitzer Gemeindeteil leben. Leben? Eine der ganz zentralen ungestellten Fragen.
Doch der Reihe nach. Spätestens seit den Würzburger Asylbewerbern mit den zugenähten Lippen (- was ist hier eigentlich der neueste Sachstand? - ) rückt unsere eigene Asylbewerber-Frage wieder stärker in den Fokus. Sind es nun Flüchtlinge oder Asylbewerber? Nennen wir sie Asylbewerber, denn Asyl werden sie vermutlich wollen. Auch das wollen wir von ihnen wissen. Jedenfalls haben die in Bamberg campierenden Asylbewerber unseren Blick geschärft für Roßdach. Tätig geworden ist der Bamberger Verein Kultur-Mosaik mit der Initiative "Freund statt fremd". Sie hat eingeladen, gemeinsam mit ihr die Flüchtlinge vor Ort zu besuchen, um deren Lebenssituation kennenzulernen und um gemeinsam nach besseren Alternativen zu suchen. Die Einladung gingt laut E-Mail an die Fraktionsvorsitzenden des Kreistages, den Landrat, einen Herrn vom Landratsamt, die für Bamberg zuständigen Landtagsabgeordneten, einen Herrn von der Regierung von Oberfranken und die Presse.

Die jetzige Wohnsituation kann und darf auf Dauer so nicht bleiben, heißt es in dem Schreiben. Doch wie sind die kritisierten Wohnverhältnisse überhaupt? Der Termin wird wohl Einblick geben.

"Man bemerkt sie fast nicht, und wenn, dann sind sie freundlich und grüßen.


Um ein Gefühl für die Umgebung zu bekommen, sind wir ein bisschen früher in Roßdach. An einem verregneten Freitagnachmittag ist es nirgendwo wirklich schön, der Begriff von schön stets durch den Betrachter definiert. Roßdach ist ein kleines Dorf, um die 80 Einwohner, ursprünglich von der Landwirtschaft geprägt, aber von der können heute nur die wenigsten leben. Roßdach, das sind Fachwerkhäuser, Scheunen, aber auch neue Häuser. Hügel, ein paar Felsen, ein kleiner Bach. Tauben, Hühner, Hofhunde. Viel Grün. Für den einen sicher ein Idyll. Wer schon immer hier lebte, kennt es nicht anders. Wer die Natur und Dörfer mag, ein Volltreffer. Wer hier leben muss? Das hätten wir gerne gefragt.

"Ich würde mit dem Fahrrad herumfahren und die Gegend erkunden", sagt der Kollege, Fotograf Ronald Rinklef. Wechseln wir die Perspektive. Wie geht es den Roßdachern mit den Menschen aus der Ferne, mit denen sie nun ihre Heimat teilen? Viele sind an diesem regnerischen Nachmittag nicht da. Die meisten auf der Arbeit. Ein junger Mann ist gerade zurückgekommen, verweist an die Eltern. Die haben an den 30 neuen Menschen hier nichts auszusetzen. "Die grüßen, winken, sind freundlich", heißt es. Wir ziehen weiter, klingeln. Hildegard Ziegmann macht auf. Wir fragen. "Man bemerkt sie fast nicht, und wenn, dann sind sie freundlich und grüßen", berichtet die ältere Dame. Mitfühlend meint sie, ob es nicht möglich wäre, ihnen Beschäftigung zu geben.

Das ist die Frage, die so mancher der Asylbewerber Werner Ogon gestellt hat. Der Rahmenglaser sucht selbst, er kennt das Gefühl. Er hat gleichfalls kein Auto, nur einen Motorroller. "Eineinhalb Stunden nach Bamberg." Sieben Kilometer nach Scheßlitz, da könne man wenigstens einkaufen. Denn in Roßdach tobt nun nicht unbedingt das pralle Leben - genauso wenig wie in anderen Dörfern, stellen wir fairnesshalber klar. Wenn man keine Beschäftigung hat, das sei ganz schlimm, weiß der 49-Jährige. Er arbeitet ein bisschen vor dem Haus. "Die sind nett", betont er mit Blick in die Richtung, wo die 30 Menschen untergebracht sind.

Dorthin wollen wir jetzt, endlich die Menschen aus der Fremde in ihrer neuen Umgebung treffen, uns ein persönliches Bild verschaffen und dann die Fragen stellen, die sich daraus ergeben. Wir sind gespannt.

Abgeblitzt


Ein buntes "Freund-statt-fremd"-Grüppchen erwartet uns, auch eine SPD-Kreisrätin hat sich dazugesellt. Vermutlich auch Dolmetscher. Doch ab jetzt läuft's schief für die Roßdacher Asylbewerber verloren. Denn derjenige, der hier das Hausrecht hat, er schmeißt uns raus: Wir dürfen nicht einmal seinen Namen, geschweige denn den Namen seines Hauses nennen, in dem die 30 Menschen - auf Staatskosten - logieren. Obwohl, wir hätten gerne gesehen, ob logieren (das nehmen wir vom Begriff "Kost und Logis") angebracht ist. Denn in die, nennen wir sie neutral Unterkunft, dürfen nur diejenigen, die schon mal da waren, jedoch der Fränkische Tag nicht, heißt es. Wir hätten hier Hausverbot, erfahren wir. Wegen der Lügen, die wir verbreitet haben sollen. Das schreiben wir deswegen ohne Anführungszeichen, weil es sonst ein Zitat sein könnte; selbst das Zitieren wollte man uns verbieten. Wir stellen jedenfalls klar, wir verbreiten selbstverständlich keine Lügen, sondern berichten. Genau das wollten wir tun, die Realität ablichten, alle Beteiligten zu Wort kommen lassen, Fragen stellen, die Beweg- und Hintergründe beleuchten. Bei allen Beteiligten. Nur eine Gruppe zu Ungesehenem zu hören, macht keinen Sinn. Das würde ein nicht gesehenes Bild von nur einem Blickwinkel zeigen.
Schade um diese vertane Chance, besonders für die Asylbewerber. Aber auch für alle anderen, die sich hier hätten erklären können.

Nachfragen konnten wir zumindest beim Bürgermeister der Stadt Scheßlitz, Franz Zenk (CSU). Die Stadt ist lediglich zuständig für die Auszahlung der Zuwendungen an die Asylbewerber, hat aber ansonsten in Asylfragen nicht viel mitzureden. Das Rathaus setze aber auch einen Kleinbus ein, damit die Leute mehr Busverbindungen nach Bamberg nutzen können, was dankbar angenommen werde. Zudem beschäftige die Stadt ab und an drei, vier Leute aus dem Wohnheim im Rahmen des Erlaubten. Über Ängste und Befürchtungen von Anwohnern sei anfangs bei einer Bürgerversammlung gesprochen worden. Bis heute sei ihm von Ärger oder von Vorfällen nichts bekannt, so Zenk.