Es ist ein auffälliges Missverhältnis. Glaubt man den Schätzungen der Sandkerwa Veranstaltungs GmbH haben im vergangenen Jahr rund 200.000 Menschen das größte Volksfest Bambergs besucht. Bei durchwachsenem Wetter und nach den Schlagzeilen um die ausgefallene Kirchweih 2017 ist das ein aus ihrer Sicht zufriedenstellendes Ergebnis.

Sandkerwa-Bilanz: Festabzeichen immer noch ein Ladenhüter

Dennoch wirft der Verlauf des Festes Fragen auf: Warum zum Beispiel ist das Festabzeichen gemessen an der Besucherzahl der Großveranstaltung immer noch ein Ladenhüter? Nur 11.000 Stück wurden 2018 verkauft, das heißt nur etwa jeder zwanzigste Besucher beteiligte sich an den Kosten des Fests. "Das ist enttäuschend, da liegen wir deutlich hinter unseren Erwartungen zurück", sagte Geschäftsführer Horst Feulner jetzt vor dem Stadtrat.

Man muss wissen: Um den Verkauf der vier Euro teueren Plaketten anzukurbeln, hat die neu formierte Gesellschaft einiges unternommen. So hofften Feulner und Co., an allen Zugängen zur Kerwa, wo auch Rucksäcke kontrolliert wurden, eine große Menge an Festabzeichen zu verkaufen. Aber: "Das Ergebnis war niederschmetternd. Wir sind überwiegend auf Unverständnis gestoßen."

Das Thema hat durchaus Brisanz. Denn die Einnahmen aus dem Verkauf der jedes Jahr neu gestalteten Festabzeichen tragen als drittes Standbein neben Standgebühren und Sponsoring wesentlich zur Finanzierung der Kerwa bei. Gäbe es sie nicht, müssten andere Geldquellen gefunden werden - Eintrittsgelder zum Beispiel.

Anders als 2016 keine Fehlbeträge

Vorerst ist das aber kein Thema und das liegt allein am guten Jahresabschluss, der anders als 2016 keine Fehlbeträge aufwies: "Wir können das Geschäftsjahr 2018 mit einer schwarzen Null, vielleicht sogar mit einer schwarzen Zahl abschließen", berichtet der Geschäftsführer der Kerwa-Gesellschaft im Spiegelsaal der Harmonie. Die Folge: Der Rettungsschirm von 125 000 Euro, den der Stadtrat beschloss, muss nicht aufgespannt werden, Steuergelder blieben verschont.

Zufrieden zeigte sich auch Wirtschaftsreferent Stefan Goller, der die Beteiligung der Stadt an der Kerwa-Gesellschaft mit 49 Prozent vor einem Jahr maßgeblich aus der Taufe gehoben hat. Die Risiken für diesen Schritt waren nicht gering. Immerhin kostete die Durchführung der Sandkerwa 2018 rund eine viertel Million Euro. Der Löwenanteil floss in die zuletzt stark gestiegenen Sicherheitsvorkehrungen.

Dass die Sandkerwa trotz der hohen Kosten kein Verlustgeschäft war, ist dem großen ehrenamtlichen Einsatz vieler Helfer aus dem Bürgerverein zu verdanken, aber auch der Unterstützung einer Handvoll heimischer Firmen, die die Sandkerwa erstmals zur Selbstdarstellung genutzt haben. 60.000 Euro konnte die Gesellschaft nach Angaben von Feulner auf diese Weise hereinholen.

Zu viel Kommerz auf der Kerwa?

Das Gute dabei: Die bisher auf der Sandkirchweih zu sehende Werbung in Form von Bannern und auf der Rückseite des Festabzeichens scheint dem Charakter des Festes nicht abträglich gewesen zu sein. Bedenken, es könnte zu einer Kommerzialisierung der Traditionsveranstaltung kommen, haben sich offenbar nicht bewahrheitet. Auch Jürgen Wirth, Co-Geschäftsführer des Bürgervereins Sand, zeigte sich "sehr zufrieden".

Die Stadträte freuten sich über zwei Dinge: Dass die Großveranstaltung 2018 deutlich familiärer abgelaufen ist und die Zahlen auch ohne Massenansturm stimmen. Das neue Konzept der Stadt sei voll aufgegangen, lobte Helmut Müller (CSU). Bestätigt fühlte sich Klaus Stieringer (SPD) in seiner Meinung, dass Sponsoring den Charakter der Kerwa nicht verändern müsse. Freude auch bei den Grünen, die im Januar 2018 die Beteiligung der Stadt an der Kerwa GmbH noch kategorisch abgelehnt hatten. Dieter Weinsheimer (BA) forderte dazu auf, auch in Zukunft auf die Richtung zu achten: "Es muss nicht das Ziel sein, dass 250.000 Menschen kommen. Es geht um Qualität und nicht um Menge."

Und was wird aus dem Verkauf der Festabzeichen? Ist diese Art freiwilliger Selbstbeteiligung nicht völlig überholt, wie etwa Klaus Rakette auf inFranken.de spekuliert? Der Kommentator empfiehlt, zur Finanzierung einfach den Bierpreis um einen Euro anzuheben. Doch so leicht wie beim Oktoberfest ist das bei einem Straßenfest offenbar nicht: Ein großer Teil der im Festgebiet ansässigen Wirte steht gar nicht in einem Vertragsverhältnis zur Kerwa GmbH, gibt Horst Feulner zu bedenken. "Hier können wir keine Auflagen machen."

Kommentar des Autors: Die Folgen der Nicht-Kerwa

Wer erinnert sich noch an die "Nicht-Kerwa" 2017?

Das Erlebnis eines Augusts ohne buntes Treiben im Sand mag für manchen traumatisch gewesen sein.

Doch seinen Zweck hat der Weckruf durch den damals noch allein in der Verantwortung stehenden Bürgerverein Sand, erfüllt.

Heute, etwa ein Jahr nach dem richtungsweisenden Beschluss im Stadtrat, lässt sich guten Gewissens sagen, dass eine Bamberger Tradition erhalten und zukunftsfest gemacht wurde.

Das Ergebnis ist auch deshalb erfreulich, weil es die Stadt und damit den Steuerzahler nicht über Gebühr belastet und durch die Doppelspitze aus Öffentlichkeit und Bürgerverein einer hemmungslosen Kommerzialisierung vorbeugt.

Wer sich an das monatelange Tauziehen in den Jahren seit 2016 erinnert, weiß, dass dieser Kompromiss keine Selbstverständlichkeit war.

Schon heute darf man sich auf die Nicht-Nicht-Kerwa 2019 freuen.

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