Der Abzug der Amerikaner und damit das endgültige Aus der US-Kaserne rückt unaufhaltsam näher. Aktuell befinden sich auf dem rund 370 Hektar großen Militärgelände weniger als 100 Soldaten. In Spitzenzeiten waren hier bis zu 12 000 Soldaten stationiert gewesen. Mit der Verabschiedung der Standortkommandeurin Oberstleutnant Michelle L. Bienias und der letzten Kommandoübergabe werden dann nach und nach bis September auch die restlichen noch verbliebenen Soldaten die Kaserne verlassen. Die letzte Einheit, die in Bamberg bis zur endgültigen Schließung verbleibt, ist die Truppe der 630. Military Police Company. Diese wird dann hauptsächlich für die Bewachung der militärischen Anlage zuständig sein.

Ab zur Ausnüchterung
Doch das war nicht immer so. Denn die einstigen Aufgaben der Military Police waren vielfältiger Natur. Zu den Hauptaufgaben der Polizisten gehörte sicherlich die Überwachung der Gesetze. Zu deren Durchsetzung stehen den Militärpolizisten notfalls auch zwei Arrestzellen zur Verfügung. In diesen werden laut dem Chef der Bamberger Militärpolizei, Major Samuel Meyer, aber meist nur aggressive oder betrunkene Soldaten zur Ausnüchterung festgesetzt. Ganz selten saßen dort straffällig Gewordene ein. Und wenn, dann "warteten" diese in den nüchternen Zellen auf ihre Verlegung beispielsweise nach Mannheim, wo sich ein großes Militärgefängnis befindet.

"Allerdings wird bei uns niemand so einfach eingesperrt, nur weil er beispielsweise betrunken ist. Es ist wirklich die allerletzte Maßnahme, die wir ergreifen, wenn gar nichts mehr hilft", berichtet Meyer. So beispielsweise, wenn Soldaten eine Gefahr für sich und andere darstellten. Meist jedoch werden die aufgegriffenen Soldaten noch in der Nacht zu ihren Einheiten zurückgeschickt, mit der Auflage, dass sie sich am nächsten Tag nüchtern zur Befragung einfinden müssen. Übrigens: Die wohl längste Zeit, die ein Soldat hier einsaß, betrug vier Tage. In der Regel werden Soldaten unter 24 Stunden arrestiert. Interessant dabei ist die Tatsache, dass die jeweilige Einheit, zu der der einsitzende Soldat gehört, für ihn auch während seiner Haftzeit verantwortlich bleibt.
Das heißt sie müssen ihn mit Bettwäsche und mit Essen und Trinken versorgen. Zudem hält einer aus der Einheit vor den Zellen Wache und kümmert sich um den Inhaftierten bis zu dessen Entlassung.

Enge Zusammenarbeit
Die Militärpolizei arbeitet sehr eng mit der Bamberger Polizei zusammen. So fanden sich in der Vergangenheit manch randalierende Betrunkene in den Arrestzellen der deutschen Polizei wieder, bis sie schließlich von der MP abgeholt wurden. "Auch haben unsere deutschen Kollegen die Polizeihoheit in der Kaserne. Sie können jederzeit nach dem Bestimmungen des Sofa-Übereinkommens, welches besagt, dass die Jurisdiktion bei den deutschen Behörden liegt, eventuell straffällig gewordene Soldaten verhaften oder als Zeugen befragen", berichtet der Major.

Ähnlich wie bei den deutschen Beamten liegt auch die Verkehrsüberwachung in den Händen der MP. Sie kontrolliert die Fahrtauglichkeit der Fahrzeuge und überwacht beispielsweise die Einhaltung der Straßenverkehrsordnung.

Innerhalb der Kaserne herrscht strenges Alkoholverbot am Steuer und die Höchstgeschwindigkeit beträgt 30 Stundenkilometer. Vor Schulen und in Wohngebieten dürfen sogar nur 20 Stundenkilometer gefahren werden. Bußgelder werden jedoch keine verhängt. Aber es gibt Punkte. Wer zu viele "gesammelt" hat, verliert die Fahrerlaubnis in der Kaserne. Außerhalb des Militärgeländes dagegen greift der deutsche Strafkatalog.

Vielerlei Aufgaben
Die amerikanischen Polizeifahrzeuge sind ähnlich wie die deutschen Streifenwagen ausgestattet: Funkgeräte, Blaulicht mit Sirenen und Lautsprecher. Einziger Unterschied: Die amerikanischen Polizisten sind meist allein auf Patrouille. Sie können aber jederzeit über Funk Hilfe anfordern. In Spitzenzeiten überwachten acht Streifenwagen sowie einige Zivilfahrzeuge das Geschehen in und teilweise auch außerhalb der Kaserne. "Wir sind immer zu jeder Tages- und Nachtzeit unterwegs, zeigen Präsenz und vermitteln damit der Militärgemeinde Sicherheit", unterstreicht Meyer.
Darüber hinaus muss die MP Geldtransporte begleiten, tägliche Sicherheitschecks an den Zäunen und Toren durchführen und sich um viele alltägliche Aufgaben kümmern. Dazu zählt beispielsweise die Einhaltung der Ruhezeiten oder die Aufnahme von Diebstahlsanzeigen. "Wir helfen aber auch, wenn sich jemand aus seiner Wohnung ausgeschlossen oder seinen Personalausweis verloren hat", schildert Meyer. Abgewickelt über die Militärpolizei werden zudem sämtliche Fahrzeugan- und -abmeldungen, alle Zollfragen, und auch der private Sicherheitsdienst, welcher die Ein- und Ausgangskontrollen an den Toren durchführt, werden über die MP koordiniert. Vor allem wird die Militärpolizei die letzte Einheit sein, die Bamberg verlassen wird.
Und bis dahin werden Major Meyer, der selbst bis kurz vor der endgültigen Schießung der Kaserne die Stellung in Bamberg halten wird, und seine Truppe weiterhin auf dem Gelände für Sicherheit sorgen. Lediglich der Führungsstab der MP wird zunächst nach Schweinfurt und ab August nach Ansbach ausgelagert. Zwar wird dann die mit Panzerglas gesicherte Schaltzentrale aufgelöst, doch faktisch wird es keinen Unterschied geben.
"Die vor Ort stationierte Einheit wird dann nur nicht mehr von Bamberg aus geleitet. Die Überwachung und die Sicherheit des Geländes bleiben aber nach wie vor gewährleistet", weiß Major Samuel Meyer.

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