Woher der Brauch genau stammt - das weiß man bis heute nicht. Gepflegt wird das Stärkeantrinken an Heilig Drei König aber von vielen - vor allem Männern - mit Leidenschaft. Warum das Stärkeantrinken aber früher durchaus Sinn machte, das kann Bezirksheimatpfleger Günter Dippold erklären. Vorab will er aber erst einmal mit einem Gerücht aufräumen: "Manchmal kann man lesen, dass der Brauch des Stärkean trinkens germanisch und uralt sein soll. Das stimmt wohl nicht."

Vielmehr gründe das Stärkean trinken darauf, dass mit dem Drei-Königs-Tag die Weihnachtszeit - und damit auch die Arbeitsruhe - endet. Das "normale" Jahr beginnt. Und für das habe man früher vor allem in der Landwirtschaft viel Kraft gebraucht. "Und da gibt es ein Getränk, das viel Energie liefert: das Bier." Das sei sogar ernährungsphysiologisch belegt. Unsere Vorfahren hätten das aber auch ohne wissenschaftliche Untersuchungen gewusst, denn: "Getreide gilt seit jeher als Kraftspender." Daher werde das Bier dem Wein vorgezogen, der nur kurzfristig Kraft geben soll. Über die kräftigende Wirkung des Gerstensaftes könne man bereits in Werken aus dem 16. bis 18. Jahrhundert nachlesen. So habe ein Beamter in Coburg im 18. Jahrhundert den Landwirten geraten: "Wo Bier zu haben ist, trinkt der Bauer auch zum Frühstück seinen Krug Bier, welches meist schwer und stark ist. Bei dieser Kost ist der Landmann außerordentlich stark, arbeitsam und dauerhaft."

Dem Akt des Biertrinkens kommt an Dreikönig auch symbolische Bedeutung zu: "Denn ich schöpfe für das ganze Jahr Kraft, indem ich mich zum Jahresbeginn stärke", lehrt der Glaube. Denn wer am ersten Tag stark sei, sei das auch für den Rest des Jahres. Der Brauch des Stärkeantrinkens ist jedoch regional begrenzt, weiß Günter Dippold: auf das östliche Franken, auf Mittelfranken und auf östliche Teile Unterfrankens. "Darüber hinaus ist es nicht bekannt. Es scheint kein gesamtbayerisches Phänomen zu sein." Warum das so ist, ist schwer zu erklären. "Es könnte sein, dass der Brauch früher weiter verbreitet war, sich aber aus Zufall auf den genannten Raum verengt hat."

Allerdings rät der Bezirksheimatpfleger Günter Dippold, sollte bei der Brauchtumspflege nur so viel Bier getrunken werden, dass "der Zuwachs an Stärke nicht durch den Verlust an Körperbeherrschung aufgehoben wird". Sein Tipp: "Die Stärke durch regelmäßigen, maßvollen Konsum aufrechterhalten."