Die Stadt hat im vergangenen gut 65 Millionen Euro Gewerbesteuer und 42 Millionen Einkommensteuer eingenommen - und doch bleiben davon am Ende keine 20 000 Euro zur Verfügung. Es zählt auch zur Kunst der Kämmerei, vermeintlich gute Zahlen so zu verkaufen, dass sie nicht allzu viele Begehrlichkeiten bei den Stadträten wecken. Diese Kunst beherrscht auch der Leiter des Kämmereiamts, Ingmar Ermold, der den erkrankten Finanzreferenten Bertram Felix in der jüngsten Sitzung des Finanzsenats vertrat. Wobei er trotz komplexer Materie wieder gute Argumente ins Feld führen konnte.

Das die Gewerbesteuer ein "Geldsegen mit Risiko" ist, hatte Felix bereits vor Monaten erläutert. Nun machte auch Ermold deutlich, dass sich durch diese Mehreinnahmen nun auf der Ausgabenseite eine um 3,3 Millionen Euro höhere Gewerbesteuer-Umlage ergibt. Und die Schlüsselzuweisungen für 2020 fallen dadurch voraussichtlich um 7,7 Millionen Euro niedriger aus. Zugleich werden zwei Millionen Euro mehr für die Krankenhaus- und Bezirksumlage fällig. Weil mehrere große Investitionen fällig werden, müssen neun Millionen Euro an Rücklagen gebildet werden. Und dann sind da noch die alten Schulden: Die Verwaltung will einen "Altschuldentilgungsfonds" einrichten. Daraus sollen städtische Darlehen getilgt werden, deren Zinsbindung ausläuft. 1,34 Millionen Euro sollen aus dem Haushaltsüberschuss 2018 in diesen Fonds fließen. "Somit muss bei der Aufstellung des Haushaltsplanentwurfs 2020 bereits eine Deckungslücke von 16 Millionen Euro aufgrund der genannten Aspekte ausgeglichen werden", erklärte Ermold. In dieser Summe seien die Tarifsteigerungen bei den Personalkosten und die gestiegenen Sozialausgaben noch nicht berücksichtigt. Entsprechend kam der Leiter des Kämmereiamtes zum Ergebnis, "dass die Finanzlage der Stadt Bamberg weiterhin als angespannt zu bezeichnen ist". Es müsse unter anderem damit gerechnet werden, dass einige Unternehmen einen Teil ihrer hohen Gewerbesteuer-Vorauszahlungen zurückfordern werden - dafür werden dann auch noch sechs Prozent Zinsen fällig. Da für die nächsten Jahre kostenintensive Projekte wie die Sanierung von Gymnasien und der Blauen Schule geplant sind, gelte es, "das Haushaltskonsolidierungskonzept unbedingt fortzuführen".

Selbst haushaltserfahrene Stadträte wie der CSU-Fraktionsvorsitzende Helmut Müller und Heinz Kuntke (SPD) ("Ich möchte so lange im Stadtrat sein, bis ich begriffen habe, wie die Zahlen zusammenhängen") wiesen darauf hin, wie kompliziert das Ineinandergreifen der verschiedenen Haushaltsposten ist. Müller würdigte, dass der Haushalt zurecht "im Zeichen der Vorsorge" stehe: "Wir brauchen Haushaltskonsolidierung, deshalb stimme ich gerne zu." Auch den Altschuldentilgungsfonds begrüßte er ausdrücklich als "guten Vorschlag".

Kuntke wies darauf hin, dass bei aller Haushaltsdisziplin auch das rasante Wachstum der Stadt beachtet werden müsse. Wenn die Einwohnerzahl von 70 000 auf 78 000 steige, sei das auch mit noch mehr Aufgaben für die Verwaltung verbunden. "Irgendwann müssen wir mal über die Personalkosten nachdenken", machte daher Kuntke deutlich. Denn die Kämmerei legt bislang Wert darauf, die Personalkosten nur um die zu erwartenden Tarif- und Besoldungssteigerungen auszuweiten.

Dieter Weinsheimer (BA) wünscht sich eine noch klarere Aufstellung, welcher Anteil der Personalkosten tatsächlich von der Stadt bezahlt werde. Außerdem fordert er eine Sonderrücklage Bahnausbau. Norbert Tscherner (BBB) unterstrich, dass auch in den kommenden Jahren mit hohen Investitionen zu rechnen ist: "Die Einwohnerzahl explodiert, auch die Infrastruktur muss da mitwachsen."