Ich habe eine Brille in der Küchelstraße gefunden. Wer nach Fasching wieder den vollen Durchblick haben möchte, kann sich bei mir melden", schreibt Stefanie P. Unter dem Text steht ein Foto der Fundbrille, den kompletten Beitrag hat die Finderin in der Gruppe gepostet - einer ganz bestimmten Gruppe: "Lost & Found Bamberg", was übersetzt so viel heißt wie "verloren und gefunden".

Genau darum geht es: Eine Art Fundbüro im Online-Netzwerk Facebook für die Region Bamberg. Die Idee dazu kam Gruppengründer Marc Roscher beim Fahrradfahren. "Ich radle jeden Morgen 15 Kilometer zur Arbeit. Da lasse ich die Gedanken schweifen", sagt er. In erster Linie war er aber genervt: "Es gibt viele Facebookgruppen in Bamberg. Immer wieder wurden dort Beiträge gepostet, die nichts mit der eigentlichen Ausrichtung der Gruppe zu tun hatten."

So tauchten zum Beispiel in "Share and Care" - einer Gruppe, in der man Dinge, aber auch Tipps verschenken und teilen kann - immer wieder Beiträge auf, in denen jemand einen verlorenen Gegenstand suchte. Oder ein Gruppenmitglied hatte auf der Straße einen Geldbeutel gefunden und suchte online den Besitzer.
Also hat sich Marc Roscher überlegt, dass man speziell eine Gesucht-Gefunden-Gruppe gründen könnte. Doch das sollte kein Schnellschuss werden. "Ich bin zuerst sämtlichen Bamberger Facebookgruppen beigetreten, in denen ich noch kein Mitglied war. Dann habe ich die Administratoren nach Tipps gefragt", sagt Roscher.
Am 23. Oktober 2013 war es dann soweit: An einem Regentag im Urlaub gründete der Bamberger die Gruppe "Lost & Found". "Der Entschluss vom Fahrrad wurde in die Tat umgesetzt", sagt er und grinst.

1500 Mitglieder

Mittlerweile sind rund 1500 Facebooknutzer Mitglied. Die kamen aber nicht einfach so: Immer, wenn Marc Roscher in anderen Bamberger Facebookgruppen einen Gesucht- oder Gefunden-Post gesehen hat, hat er seinen eigenen Kommentar drunter gesetzt - und auf seine Gruppe aufmerksam gemacht. Die Mitgliederzahl wuchs an, die Arbeit auch. Deswegen hat sich Marc Roscher mit Julia Seufert Unterstützung von einer weiteren Administratorin geholt. Zu tun gibt es, wie in jeder Facebookgruppe, genug.

"Spam" ist das Stichwort: Täglich verbringt Roscher etwa eine Stunde mit der Verwaltung, täglich muss er Werbebeiträge löschen, die nicht in seine Gruppe gehören. Besonders nervig sind unseriöse Kreditangebote. "In der ersten Woche der Gruppe stand unter jedem Mitglieder-Eintrag so ein Kreditangebot", erinnert sich Roscher. In solchen Fällen müssen die Admins nach wie vor eingreifen.

Wo sie dagegen weniger aktiv werden müssen, ist in der Interaktion zwischen den Mitgliedern. Die halten sich meist an die Regeln, die in der Gruppeninfo folgendermaßen lauten: "Hast du etwas gefunden, so vergiss nicht zu erwähnen, WO genau du WAS gefunden hast (Straße oder Nähe Institution, Geschäft, etc.). Hast du etwas verloren, so solltest du dich lediglich auf den Fundort beschränken (z.B. Bamberg, Hallstadt etc.). "

Foto zeigt die Gegenstände

Wer etwas gefunden hat, postet meist ein Foto dazu. Wenn zum Beispiel in einer Kneipe ein Geldbeutel liegen geblieben ist. Aber auch Handschuhe, Mützen, Schals oder Schmuck tauchen in der Gruppe auf. "Handys und USB-Sticks werden regelmäßig gefunden oder gesucht."

An einen bestimmten Gesucht-Post kann sich Marc Roscher noch besonders gut erinnern. "Da ist mal jemandem ein rosa Plüscheinhorn abhanden gekommen. Es gab aber noch ein Foto davon, das mit einem netten Beitrag bei uns in der Gruppe gepostet wurde." Noch ist das Kuscheltier wohl nicht aufgetaucht. Es ist aber auch nicht gesagt, dass der Gruppengründer das in jedem Fall mitbekommen würde.

Denn die meisten Konversationen laufen über Privatnachrichten (PN) bei Facebook ab. Wenn also jemand eine Handtasche gefunden hat, meldet sich der mögliche Besitzer per PN. Er kann dem Finder dann genau beschreiben, was sich in der Handtasche befindet - um zu beweisen, dass es seine eigene ist und keine unehrlichen Absichten bestehen.

Dass so etwas über eine private Internetseite möglich ist, findet Ulrike Siebenhaar, Pressesprecherin der Stadt Bamberg, "großartig". Käme vielleicht eine Kooperation mit dem klassischen, städtischen Fundbüro in Betracht? "Es ist insgesamt eher schwierig, eine offizielle hoheitliche Aufgabe einer Kommune mit einer privaten Initiative zu vermischen", sagt sie. Beide würden sich aber gut ergänzen.

Deswegen hat Marc Roscher gleich oben auf der Seite von "Lost & Found" einen Link zum Bamberger Fundbüro platziert. Manchmal geht es aber auch ganz ohne Facebookgruppe oder Fundbüro. "Ich habe mal zwei Silberringe in der Umkleide vom Bambados liegen lassen", sagt Roscher. Er hatte schon Angst, dass sie verloren sind. Doch ein ehrlicher Finder hat sie an der Kasse für ihn hinterlegt.

"Ich wollte mich so gerne dafür bedanken, kannte den Finder aber natürlich nicht. Also habe ich in meiner Gruppe einen Dankes-Beitrag geschrieben. Man weiß ja nie - vielleicht ist der Finder ja zufällig Mitglied."